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26. Juni 2014

Wanderarbeiter: Gehalten wie Sklaven

 Von  und 
Die sechs Rumänen tragen ihre noch nicht bezahlte Arbeit in Stundenzettel ein.  Foto: Andreas Arnold

Sie schuften auf dem Bau, ihren Lohn bekommen sie nur teilweise und nachts schlafen sie unter Ratten. Sechs rumänische Arbeiter machten im Landtag auf ihre Situation aufmerksam. Politiker sind empört und versprechen Konsequenzen.

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Es war eine emotionale Szene am Rande der Landtagssitzung. Sechs rumänische Bauarbeiter, die sich seit Tagen im Hungerstreik befinden, weil sie für ihre Arbeit auf einer Baustelle im Frankfurter Stadtteil Preungesheim offenbar nicht bezahlt worden sind, saßen am Donnerstag mit ihren selbstgemalten Protestschildern in einem Raum des Landtags. „Accent nicht zahlen – Hungerstreik“, stand auf diesen.

Die Schilderung ihres Elends bewegte die Politikerrunde um den SPD-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel. Doch auch die Rumänen zeigten sich ergriffen, dass sie das Gehör der Politik finden. Die Frankfurter SPD-Abgeordnete Andrea Ypsilanti hatte die Gruppe eingeladen. Der hinzugekommene Wirtschafts-Staatssekretär Mathias Samson (Grüne), sagte den Bauarbeitern zudem die Unterstützung der schwarz-grünen Landesregierung zu.

Es sei bereits der dritte Fall innerhalb weniger Wochen, bei dem ausländische Bauarbeiter in Hessen unter miserablen Bedingungen untergebracht und um große Teile ihres Lohns geprellt würden, sagte Schäfer-Gümbel. Er sei den Rumänen daher dankbar, dass sie sich gegen die Zustände wehrten. Er sehe „ein systematisches Problem“.

Deutliche Worte fand auch Staatssekretär Samson. Er sprach von einem „nicht akzeptablen Skandal“. Die Verantwortlichen müssten nun unter Druck gesetzt werden. Die Landesregierung werde sich an den zuständigen Bauherren und das beauftragte Unternehmen wenden. Außerdem werde er sich darum bemühen, schnell eine Unterkunft für die sechs Rumänen zu finden, sagte Samson. Seit vergangenen Freitag befinden sich diese im Hungerstreik. Am Mittwoch waren sie von den Bauherren, Andreas und Christof Hahn, auf die Straße gesetzt worden. Bis dahin hatten sie in einem Container gewohnt, der von der Firma zur Verfügung gestellt worden war.

Geblieben um zu kämpfen

IG-Bau-Regionalleiter Hans-Joachim Rosenbaum berichtete, dass die Männer in einem Raum geschlafen hätten, in dem ihnen Ratten über den Körper gelaufen seien. Angesichts dieser Zustände sprach Rosenbaum von „Sklavenhaltung“. Mit Blick auf die Situation von Bauarbeitern in den Vereinigten Emiraten sagte er: „Qatar ist in Hessen.“

Zurückhaltender schilderten die sechs Männer selbst ihre verzweifelte Lage. Sie seien seit Anfang des Jahres im Auftrag der Accent Bau GmbH mit Sitz in Bad Soden auf der Baustelle tätig gewesen. Der versprochene Lohn sei aber nicht gezahlt worden. Stattdessen seien sie mit 100 oder 200 Euro pro Woche für Lebensmittel hingehalten worden. Schließlich hätte der Arbeitgeber auch gefordert, dass sie 700 Euro für die Übernachtung im Container bezahlen.

Sieben Kollegen hätten sich nach drei Monaten 700 Euro auszahlen lassen und seien heimgereist, ohne dass versprochene Nachzahlungen dort eingetroffen seien, schilderten die Arbeiter Simion-Mahai Moldovan und Lajos Raffi. Sie aber seien geblieben, um für ihren Lohn zu kämpfen. „Wir sind hier, weil wir Familie und Kinder haben. Diese Arbeit ist die einzige Möglichkeit, sie zu ernähren“, sagte Raffi.

Wie die Anwohner der Baustelle an der August-Schanz-Straße berichten, sind die Bauarbeiter am Mittwoch bedroht worden. „Ich habe gesehen, wie mehrere Männer auf die Arbeiter zugegangen sind und zu ihnen gesagt haben: ‚Wenn ihr nicht sofort verschwindet, passiert was‘“, sagt Jutta Becker, die in einem Haus gegenüber der Baustelle wohnt. Seit Mittwochabend halten daher Gewerkschaftler Wache am Lager der Arbeiter. Zuvor hatten sie bereits ein Dixie-Klo und ein Zelt für die Männer organisiert.

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Währenddessen behaupten die Bauherren und der Geschäftsführer der Accent Bau weiterhin, dass sie alle Gehälter bezahlt hätten. Sogar 3000 Euro seien zu viel geflossen. Daher sehen sie sich als Opfer einer Erpressung. Der Frankfurter DGB-Geschäftsführer Harald Fiedler und der Bezirksvorsitzende der IG-Bau Günther Schmidt forderten unterdessen die Vorlage von Zahlungsnachweisen.

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