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01. Juli 2014

Wanderarbeiter: Gewerkschaft will vor Gericht

 Von  und 
Oberbürgermeister Peter Feldmann spricht zu den Bauarbeitern.  Foto: Alex Kraus

Oberbürgermeister Peter Feldmann besucht die rumänischen Arbeiter auf der Preungesheimer Baustelle. Der Konflikt mit dem Bauunternehmer ist aber nach wie vor ungeklärt. Es geht um rund 30.000 Euro.

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Frankfurt –  

Ein bisschen schüchtern stehen die sechs Bauarbeiter unter dem Pavillonzelt der Gewerkschaft, als Oberbürgermeister Peter Feldmann zu ihnen tritt. Etwas spät zwar, aber immerhin, er ist gekommen, hat die morgendliche Begegnung mit den protestierenden Arbeitern an der August-Schanz-Straße (Preungesheim) in seinen Terminplan gequetscht.

Für die Männer ist das Treffen mit dem Stadtoberhaupt – zur Begrüßung gibt es von Feldmann einen Händedruck – ein Ausdruck der Unterstützung, die sie in den letzten Tagen erfahren haben. Letzte Woche waren sie auf Einladung des hessischen SPD-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel in Wiesbaden, um dort ihre Situation zu schildern. Auch ein Vertreter der Landesregierung kam zu dem Treffen. „Wir sind sehr gerührt von der Anteilnahme der Bevölkerung und der Unterstützung von Politikern und Gewerkschaftern“, dankt einer von ihnen artig auf Rumänisch. Eine Dolmetscherin übersetzt.

Tatsächlich brachten Anwohner der Baustelle den Arbeitern in den vergangenen Tagen immer wieder Getränke und Essen. Nachdem diese ihren Hungerstreik am Freitag beendeten, nehmen sie die Spenden nun auch an. Seit mehr als einer Woche protestieren die Männer vor der Baustelle, um ihre ausstehenden Löhne einzufordern. Um rund 30 000 Euro geht es, sagen sie.

Feldmann verkündet, dass die Stadt ab sofort und bis auf weiteres die Kosten für die Unterbringung der Männer in der Bildungsstätte Steinbach der IG BAU übernimmt. Die Männer nicken dankbar. Seit dem Wochenende wohnen sie dort und kommen tagsüber für ihren Protest zur Baustelle in Preungesheim.

"Lohndumping darf nirgends gang und gäbe sein"

Die Unterkunft, die Unterstützung der Gewerkschaft und Spenden der Anwohner sind das, worauf die Männer zählen können. Die Unterstützungserklärungen der Landesregierung, der Frankfurter Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen und einiger Unternehmerverbände können die Lage der Männer nicht verbessern.

Auch Feldmann kann unmittelbar nicht viel bewegen. Nach wie vor steht die juristische Prüfung des Sachverhalts aus. Aber darum geht es dem SPD-Mann gar nicht. Er will Flagge zeigen. „Das, was hier passiert, ist nicht nur ein Skandal. Es passt nicht zu einer wohlhabenden Stadt wie Frankfurt“, erklärt er. Auf die Frage, ob Situationen wie die der rumänischen Bauarbeiter angesichts des Lohndumpings im Baugewerbe mittlerweile auf Frankfurter Baustellen nicht gang und gäbe sind, sagt Feldmann: „So etwas darf niemals gang und gäbe werden.“

Auch der Inhaber der Firma Accent Beton- und Bauwerkserhaltung, Roland Fuhrmann, beteuert, dass ihm das Wohl der Bauarbeiter am Herzen liege. Offenbar hat dieses „Parallelunternehmen“ der Accent Bau GmbH, wie es Fuhrmann ausdrückt – er ist der Geschäftsführer beider Firmen – einen Werkvertrag mit einem der Bauarbeiter abgeschlossen. „Ich will, dass die Menschen, die für mich arbeiten, ordentlich leben können“, sagt Fuhrmann.

Als er von dem Besuch des Oberbürgermeisters erfährt, setzt er sich ins Auto und fährt von Bad Soden, wo seine Firma sitzt, nach Frankfurt. Als er ankommt, ist der OB zwar schon weg, aber Fuhrmann hat Dokumente dabei, die beweisen sollen, dass er für die Arbeit der Männer gemäß den vertraglichen Vereinbarungen bezahlt hat.

Die sechs Männer mit dem Frankfurter SPD-Chef Mike Josef, Oberbürgermeister Peter Feldmann und dem IG-BAU-Bezirksvorsitzenden Günther Schmidt (von links).  Foto: Alex Kraus

Seit Tagen wartet die Gewerkschaft darauf, dass Fuhrmann seine Bücher öffnet. „Solange wir keine Zahlungsnachweise haben, müssen wir davon ausgehen, dass die Arbeiter nicht bezahlt wurden“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU, Günther Schmidt. Bereits mehrfach habe er Fuhrmann das mitgeteilt, Fristen gesetzt. All dies blieb unbeantwortet. „Wenn sich der Status quo nicht ändert, werden wir am Freitag beim Arbeitsgericht Klage einreichen“, droht Schmidt.

Nun also sitzt Fuhrmann in einem Café im Opernturm. „Hier haben wir auch gearbeitet“, sagt er stolz zur Begrüßung. Er legt einen dicken Papierstapel auf den Tisch. „Schauen Sie: Mit Stand vom 23. Juni habe ich 29 149 Euro gezahlt. Das sind sogar knapp 3000 Euro mehr als vereinbart.“ Auf die Frage, warum er diese Belege der Gewerkschaft nicht schon längst vorgelegt hat, antwortet Fuhrmann vage. Mit den Gewerkschaften habe er so seine Erfahrungen gemacht.

Nach wie vor steht Aussage gegen Aussage

Bis auf gut 1000 Euro, die per Western Union auf ein Konto in Rumänien transferiert wurden, floss das Geld in bar. „Die Männer konnten mir keine Kontoverbindung geben, also habe ich ihnen das Geld so gegeben.“ Zumindest für einen Teil der Zahlungen legt Fuhrmann Quittungen vor.
Die Arbeiter hingegen wollen diese nie gesehen haben und sagen, dass Fuhrmann es bevorzugt habe, das Geld bar zu zahlen. Ohne Quittung. Außerdem seien nicht knapp 30.000 geflossen, sondern lediglich etwa 100 Euro pro Woche und Person. Das sogenannte „Essensgeld“ habe Fuhrmann bar, meist in einem Brief, übermittelt.

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Die Arbeiter gehen davon aus, dass Fuhrmann nach Beginn des Hungerstreiks seine Strategie geändert hat. So habe er die Arbeiter über einen Mittelsmann mit Geldversprechungen wieder zum Arbeiten bewegen wollen. „Er bot uns 600 Euro auf die Hand, und als wir ablehnten, erhöhte er um 1000 Euro, was wir jedoch auch ablehnten“, berichtet einer der Arbeiter.

Der Mittelsmann teilte mit, dass sich die Berechnungsgrundlage geändert habe. Statt 15 Euro pro Quadratmeter habe Fuhrmann nun einen deutlich geringeren Betrag bezahlen wollen. Zusätzlich habe der Bauunternehmer einen Garantiebetrag von zehn Prozent vom Gesamthonorar abziehen wollen. „Das sollte eine Sicherheit sein, damit wir nicht verschwinden, bevor die Arbeiten abgeschlossen sind. So etwas hatten wir niemals mit ihm vereinbart“, erklärt Lajos Raffi. Die von Furhrmann vorgelegten Quittungen halten die Bauarbeiter für gefälscht. „Fuhrmann hat uns niemals Quittungen vorgelegt“, sagt Raffi.

Wie es aussieht, werden sich die Männer und Fuhrmann also vor Gericht wiedersehen. Einem Prozess sieht der Bauunternehmer allerdings entspannt entgegen. „Ich habe nichts zu befürchten“, sagt Fuhrmann.

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