Dunkelgraue Wolkenburgen türmen sich über der Frankfurter Skyline, unten am nördlichen Museumsufer zwischen Untermainbrücke und Holbeinsteg wischt Gudrun Ranftl Regenwasser von den Bierbänken. Wie oft schon an diesem Festauftakts-Freitag? Sie rollt die Augen. Die wetterverwöhnten Frankfurter feiern Wassertaufe zum 30. Museumsuferfest. Ausgerechnet. Claudio Zelaya, Geschäftsführer des Latino Treff, ist fast zum Heulen. Ausgerechnet wenn Argentinien Schwerpunktthema ist, sich vor Tausenden von Feiernden gewissermaßen warm läuft für den Auftritt als Gastland bei der Buchmesse. Argentinische Empanadas, nach 200-jähriger Kochtradition, gibt es am Latino-Stand, passend zur 200-Jahr-Feier der argentischen Unabhängigkeit.
Die Schleusen öffnen sich für den nächsten Regenschauer, aber Zelaya kann sich trösten: Die Frankfurter feiern nämlich trotzdem, lassen sich ihren traditionellen Museumsuferfest-Auftakt am Freitag nicht nehmen, der unter eingeschworenen Gästen immer als der „schönste Festtag“ gilt. Und so drängen sie sich beim nächsten Regenguss unter die Tanzbühne der Latinos, wo lateinamerikanische Rhythmen zum Regentanz verführen.
Von den Markisen und Vordächer der Stände tropft das Wasser, Besucher ziehen die Köpfe ein, ziehen aber auch unverdrossen weiter. Was soll schon das bisschen Regen? Ein bisschen bangen aber alle Veranstalter um die Besuchszahlen. „Sonst haben sich die Leute schon mittags beim Aufbau am Stand gedrängelt, sagt Gertrud Ringelstetter von der Volkshochschule. „Diesmal sind es schon spürbar weniger.“
Über fehlende Nachfrage können dagegen die sieben Salier in Kettenhemd und schwerem Filz nicht klagen. Sie sind mit ihren bemalten Kampfschilden aus dem Jahre 1060 in die Jetztzeit des Museumsufers gejettet, um im Auftrag des Archäologischen Museums Kampfformationen darzubieten, erzählt Salier Gawan Dringenberg. Vor unvermuteten Regengüssen flüchten sie sich unter ein aufgespanntes Tuch, ansonsten posieren sie vor zahllosen Handy-Fotografen.
Auch am Museumsufer dribbdebach ist das „spürbar weniger“ an Gästen nur bedingt zu spüren. Vor den Ständen der Kunsthandwerker drängen sich die Besucher zweireihig, halten allenfalls Sicherheitsabstand vor tropfenden Regenschirmen. Dafür sind die Biertische vor den Bühnen Richtung Westen am frühen Abend noch ziemlich leer. Aber das ist kennt man ja. Kein Grund zur Unruhe. Die Hitze der Nacht ist anders getaktet. Dann fragt auch kein Mensch mehr nach Regen. „Wir schieben die Wolken weg“, verspricht Gudrun Ranftl von der Academia de tango, die das Programm auf der Hauptbühne bestreitet: Tango zu Livemusik bis tief in die Nacht – und Frankfurt feiert.

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