Frankfurt
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21. Dezember 2012

Weltuntergang 2012 Frankfurt: Apokalypse Live

 Von Peter Rutkowski
Jetzt is' aus! Foto: Andreas Arnold

Auch das Rhein-Main-Gebiet machte sich daran, bald im Himmelsreich einen Immobilienboom voranzutreiben. Die FR verfolgte das Geschehen per gnadenlosem "Live"-Ticker und erinnerte an die schönsten Momente unserer vergänglichen Existenz.

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Auch das Rhein-Main-Gebiet machte sich daran, bald im Himmelsreich einen Immobilienboom voranzutreiben. Die FR verfolgte das Geschehen per gnadenlosem "Live"-Ticker und erinnerte an die schönsten Momente unserer vergänglichen Existenz.

15:23 Uhr: Die Vier Reiter der Apokalypse schauen sich die ganze Frankfurter Bescherung an und beschließen, dass sie einen doch ganz ergiebigen Arbeitstag hatten. Lassen alles stehen und liegen, klopfen den Blockupisten an den Barrieren zur Zeil auf die Schultern und gehen Geschenke für ihre Lieben kaufen. Die FR plant dazu keinen Sonderdruck und beendet hiermit den Live-Ticker zur Apokalypse. Allen noch viel Spaß im neuen Zeitalter!

15:10 Uhr: Überall sonst bricht Weltfrieden aus, was die UN ziemlich dufte finden, wie der Generalsekretär verlautbaren lässt. Im Vatikan findet man, das sei jetzt aber nun wirklich das Ende aller Tage, auch wenn das mit Frieden schon ganz okay sei, um Obama zu zitieren. In Frankfurt verkündet OB Peter Feldmann dem Magistrat, dass auch eine Apokalypse niemanden von Geschenke kaufen und Weihnachten abhalten solle. Und außerdem habe er einen ganzen Haufen von gratis VIP-Tickets für den Hochheimer Hof in Bad Homburg, wo eine postapokalyptische Party angesagt sei und die werde er nicht verfallen lassen. Also wird der Magistrat (plus Feldmanns Tochter) am Abend ein bisschen abhotten. Im Nordend werden derweil für jeden Straßenzug Ortsbeiräte eingeführt. Die Frankfurter Stadtverwaltung kollabiert daraufhin. Die FR wartet vergeblich auf den Rückruf und plant einen Sonderdruck zu Telekomunikation. Aber erst nach Weihnachten.

14:55 Uhr: Nachdem Eintracht wie OFC wie Fans wie alle Anderen beim neuen Stand von 2:2 entscheiden, dass es eine klasse Partie war (Kickers und Adler erklären sich jeweils gegenseitig zu Siegern) und jetzt alle nach Hause gehen wollen, um den Recorder für "Little Lord Fauntleroy" zu programmieren... passiert noch ein bisschen was, zeitgleich. Bayern München kauft die Oberschweinstiege, woraufhin die deutsche Wirtschaft zusammenbricht und alles Erdöl des Planeten sich in Wasser verwandelt. So geht den Islamisten das Geld aus. In einer Jerusalemer Pizzeria wird ein Papyrus gefunden, auf dem steht, dass Israelis und Palästinenser nun endlich mal mit dem ganz Mist aufhören müssen, weil das ganze Heilige Land einer atheistischen armenischen Schneiderdynastie in Brooklyn gehört. Israelis und Palästinenser stehen einigermaßen bedröppelt in der Gegend herum. Putin sagt, er habe das alles, also wirklich alles, nicht so gemeint und ob er vielleicht Asyl in einer Surfer-Community in Kalifornien haben könnte. Obama sagt, das sei schon ganz okay...

14:39 Uhr: Beim Stand von 125:107 für die Eintracht entscheiden Alle im Waldstadion, dass jetzt dort die Apokalypse vollzogen sei. Die Begegnung wird auf Reset gesetzt, 22 Leute bleiben auf dem Feld. Die Bosse Bruchhagen und Ruhl übernehmen den Schiedsrichterjob. Das Reset des Derbys hat zur Folge, dass der Erste Apokalyptische Reiter mit dem Abenteuerspielplatz Riederwald an die Börse geht, der Zweite und der Dritte Reiter beschließen, das gesamte Gebiet zwischen Wiesbaden, Darmstadt, Sachsenhausen und Heusenstamm zu planieren und zum Allgemeinen Fluggeräte-Landeplatz zu machen. Der Vierte Apokalyptische Reiter gibt sich als ein wohl bekannter ehemaliger Ministerpräsident des Landes Hessen zu ergeben und versetzt den Landtag wie die Regierung in Schockstarre. All das führt dazu, dass der Finanzplatz Eschborn aus lauter Wut sich in eine erdnahe Umlaufbahn schießt.

14:26 Uhr: In der Partie Kickers gegen Eintracht steht es 98:95 für die Offenbacher. Allerdings ist der Zwischenstand nicht ganz gesichert. In der Spielfeldmitte diskutieren Ultragruppen der beiden Clubs, nach und nach jedes Tor nochmal, während das Spiel um sie herum weiterläuft. 1A Stimmung im Stadtwald. In Frankfurt kommen Harraschain und Feldmann überein, dass der Erste Apokalyptische Reiter den Abenteuerspielplatz Riederwald übernehmen soll. Die Blockupy-Bewegung ist vor fünf Minuten aus dem Winterschlaf erwacht, hat sich neu formiert und erklärt die Zeil zur kapitalismusfreien Zone, in der aber weiterhin eingekauft werden kann, so die ABG Holding das Depot auf dem geplanten Kulturcampus zum Studentenwohnheim ausbaut. Der Magistrat (mit den aus dem Exil zurückgekehrten Cunitz und Majer sowie dem telefonisch beteiligten Becker aus Nieder-Eschbach) ist sofort dafür. Das Bankenviertel schickt eine SMS - Wortlaut, der der FR als Ersatz für die ausstehende Antwort zu den Ortsbeiräten zugespielt wird: "Wir schmollen. :-("

14:20 Uhr: Die OBs Feldmann und Harraschain einigen sich schnell über eine Kooperation der beiden Städte, so man Offenbach als Dritten im Bunde gewinnen kann und über eine Vereinigung des Trios spätestens im Jahre 185 postapokalyptischer Zeitrechnung (also 2197 anno domini). Als Sofortmaßnahme besetzt Stadtrat Stein mit dem Panzer das Goethehaus und in Frankfurt-minus-Nordend werden wie schon im Nordend aller Wohneigentum und alle Mietverträge aufgelöst. Die FR plant einen Sonderdruck, sobald die Verwaltung wegen der Auflösung der Ortsbeiräte mal zurückruft.

14:13 Uhr: Im Waldstadion steht es inzwischen 25:22 für die Eintracht, nachdem alle Anwesenden nun auch mitspielen dürfen. Occean hat allein fünf Tore geschossen, eines davon aber für die Offenbacher, weil nicht mehr jedem klar ist, wer in welche Richtung spielt. Aber alle haben großen Spaß. Im Römer nimmt OB Feldmann Kontakt mit der Stadt Nordend auf. Das neue FR-Auslandskorrespondentenbüro vermittelt den Kontakt via iPad-Telefonie.

14:06 Uhr: Polizeiminister Boris Rhein verhandelt am Flughafen Hahn mit dem Vierten Apokalyptischen Reiter über dessen Beteiligung an der Landesregierung. Die Gespräche laufen gut, twittern die FR-Landtagskorrespondenten.

14:05 Uhr: Die Kickers sind im Ballbesitz, laufen die Ränge hoch, verfolgt von keuchenden Adlerträgern. Pass zu Trainer van Lent hinterm Tor der Eintracht, der umdribbelt gekonnt die Pfosten, Keeper Trapp schaut zur anderen Seite - Ausgleich.

14:01 Uhr: Anpfiff im Waldstadion. Der hessische Justizminister wird der VIP-Lounge verwiesen. bekommt aber keiner in den Blöcken wirklich mit. Inui ist am Ball, Meier pfeffert den Teamkollegen samt Ball ins Offenbacher Tor. 1:0. Das Stadion tobt vor Begeisterung. Nicht zuletzt, weil beide Clubs vergessen haben, Schiedsrichter zu bestellen.

13:40 Uhr: Der saudische Panzer rast ins Foyer des Römers hinein. das Turmluk des Kommandanten öffnet sich, es erscheint Stadtrat Volker Stein. Triumphierend rammt er sich den Detz am der zu niedrigen Decke des Foyers ein und sackt bewusstlos auf dem Panzer zusammen. OB Feldmann betritt durch die Römerhallen, wo er noch einen Teller Gänsebrust abstaubt, seine Arbeitsstätte. Diverse Verwaltungsleute sind genervt, aber das ficht den OB nicht an. Man muss sich ja für die Zeit nach dem Weltuntergang vorbereiten. Gut, dass die Bürger bislang alle so schön ruhig geblieben sind, denkt sich der OB.

13:37 Uhr: OB Feldmann kauft sich an der Hauptwache ein Würstchen und die FR-Sonderausgabe zu Diego im Irak. Jetzt muss er sich aber mal sputen und was für die Bürger seiner Stadt tun.

13:36 Uhr: Der vermeintlich saudische Leo Zwo feuert eine Granate quer über den Römerberg. Das Geschoss - eine Übungsgranate mit Farbe gefüllt - haut den Turm der Nikolai-Kirche entzwei. dabei geht das Glockenspiel zu Bruch und ein verflucht unschöner Farbklecks bleibt zurück. Japan bricht sofort alle diplomatischen Beziehungen zu Frankfurt ab, kauft das Goethehaus und entsendet einen Botschafter ins Nordend. Die letzten Eintracht-Fans auf dem Römerberg nehmen die Bein in die Hand, stecken einen offiziellen 2012er Bembel-Glühweinbecher ein, schnappen sich noch ein leckeres Raclettebrot und machen sich ab zum Eintracht-Shop, um ein Ticket für das Weltend-Derby zu erstehen. Die Eintracht-Führung atmet so hörbar auf, dass der Ortsbeirat 5 trotz Auflösung eine Lärmbeschwerde einstimmig verabschiedet und Eingreifen der Bundesregierung fordert.

13:29 Uhr: Peter Feldmann hat vor einer Viertelstunde einen kleinen Abstecher ins Café Laumer gemacht und sich dort mit einem Stück Bürgertorte gestärkt. Er macht sich ans letzte Wegstück zu seinem Arbeitsplatz. Der Vierte Apokalyptische Reiter landet in einer Ju52 3m auf dem Flughafen Hahn und wundert sich, weil er die Mainmetropole nirgends sieht. Im Ortsbeirat 1 wird eine Fluglärmbeschwerde wegen des dreimotorigen Propellerflugzeugs auf den Weg gebracht. Die Stadtverwaltung löst daraufhin alle Ortsbeiräte wegen endgültigen Realitätsverlustes auf. Die FR plant eine Sonderausgabe - sobald sie das Interview mit Lothar auf den Leeward-Inseln autorisiert bekommt.

13:22 Uhr: Von der Neuen Kräme kommend, rumpelt ein Kampfpanzer Leopard II in den Farben des saudischen Königshauses über den Paulsplatz zum Römerberg. Die Eintracht-Fans, die gerade das Werder-Banner fein säuberlich zusammengefaltet haben und mit vielen freundlichen Grüßen zum Weltuntergang zur Post zwecks Rücksendung in den Norden bringen wollen, jagen auseinander. Ihre Massenflucht beschädigt den Untergrund des Altstadtbodens so sehr, dass ein Neuaufbau des Viertels unmöglich wird. Alle Architekten und Umländler heulen, alle Frankfurter freuen sich.

13:15 Uhr: Die gelandeten Großtransporter spucken haufenweise Blauhelmtruppen aus, die eigentlich für Mali bestimmt sind. Die Truppen marschieren sofort Richtung Nordend. Das apokalyptische Reiterduo lässt sich in der Flughafen-Premiumlounge Sekt und Kaviar servieren. Im Nordend kapitulieren die ÖkoLinx-Partisanen. Jutta Ditfurth erwartet den Märtyrertod, aber OB Harraschain meint nur: "Jutta, komm, lass uns ein Schöppchen auf dem Friedbergermarkt trinken." Die FR eröffnet dort ein eigenes Auslandskorrespondentenbüro.

13:07 Uhr: In der Neuen Kräme ist eine Staubwolke zu sehen. Die Fassaden einiger Häuser dort stürzen ein. Auf der neuen Landebahn Nord im Taunus schweben Galaxy-Großtransporter der US-Luftwaffe ein.

13:03 Uhr: Die Eintracht-Fans machen aus dem Plenarsaal im Römer Kleinholz. Renommierte Architekten der Bankenmetropole treffen sich im Frankfurter Hof und wälzen Ideen für einen Neubau des Plenarsaals, Traufhöhe mindestens 356 Meter.

13:01 Uhr: Von der Zeil her kann man auf dem Römerberg merkwürdiges Rumpeln hören.

12:50 Uhr: Die Pförtnerloge des Römers kapituliert bedingungslos unter dem schwarz-roten Ansturm. Cunitz und Majer fliehen über den Ausgang Bethmannstraße. Sie wollen im Nordend um politisches Asyl bitten. Oder im Irak. Am Kaiserbrunnen aber werden sie vom Ersten Apokalyptischen Reiter angehalten: "Gevattern, wo ist hier der Eintracht-Shop?" Wildes Gestikulieren der einstmals kurzzeitig mächtigsten Männer Mainhattans. Der Reiter bleibt verwirrt zurück.

12:45 Uhr: Jetzt wird zurückgekickt. Während Thomas Schaaf fernmündlich aus Bremen Cunitz und Majer mit Drohungen von wegen Markenentfremdung überzieht, beginnt der Sturm der Eintracht-Fans auf den Römer. Im Waldstadion sitzen derweil gelangweilte OFC-Fans auf der einen Seite und ein gut gelaunter hessischer Justizminister auf der anderen Seite. Alle warten auf den Spielbeginn. Oder den Weltuntergang. Oder den Aufstieg.

12:32 Uhr: Ein kurdischer Eingreiftrupp von ÖkoLinx befreit OB Feldmann. Während des ausufernden Airsoft- und Supersoaker-Gefechts kann Feldmann unbeschadet sich wieder auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz machen. An der Bleichstraße trifft er einen FR-Verkäufer, der ihm was von Maradona und dem Weltuntergang erzählt. Feldmann merkt sich, dass er sich nächste Woche um die geistige Bürgergesundheit kümmern muss.

12:25 Uhr: OB Feldmann wird kurzzeitig von Grenzwachen der Stadt Nordend am Anlagenring festgesetzt.

12:14 Uhr: Hinterm Römer, auf dem Paulsplatz und in den designierten lieblichen Gässchen der noch nicht wieder aufgebauten knuffigen, energetisch aber garantiert astreinen neuen Altstadt massieren sich nach Polizeischätzungen (bevor auch diese Beamten überlaufen) mal so rundgerechnet 273.000 Eintracht-Fans, die wut-entzündeten Augen auf das Werder-Banner gerichtet.

12:11 Uhr: Am Flughafen landen der Zweite und der Dritte Apokalyptische Reiter, zeigen ihre Aktienmehrheit der Fraport vor und verfügen den sofortigen Ausbau des Airport mit einer neuen Startbahn Süd bis Darmstadt und einer neuen Landebahn Nord vom Taunus runter über den Main hinweg. Alle Bewohner des südmainischen Gebiets packen ihre Siebensachen und gehen ins Exil nach Bayern.

High Noon: Das Nordend erklärt sich für unabhängig vom Rest der Mainmetropole. Aller Wohneigentum wird mit sofortiger Wirkung Kommunaler Eigentum. Das Wort "Miete" wird verboten, der freitägliche Wochenmarkt wird auf die ganze Woche ausgedehnt, inklusive After-Market-Party. Jörg Harraschain, ehemals Ortsvorsteher, wird Oberbürgermeister. Die Macher des Nordend-Magazins kreieren flugs ein Stadtwappen mit dem Cäsaren-Profil Harraschains als zentralem Motiv auf rot-grün-gestreiftem Grund. Jutta Ditfurth teilt der FR mit, sie werde unverzüglich zum Partisanenkampf gegen die Abweichler im Rathaus "Gehörlosenzentrum" an der Rotschildallee übergehen. Die FR wirft die Pressemitteilung weg und arbeitet weiter an der Sonderausgabe zu "Maradona trainiert den Irak".

11:47 Uhr: Thomas Feda, Chef der Tourismus und Congress GmbH, verkündet - weil er niemanden bislang im Römer erreicht hat -, der Weihnachtsmarkt werde bis zum nächsten Weltuntergang verlängert. Wenn's wärmer würde, schenke man einfach statt Glühwein Apfelwein-on-the-rocks aus. In Birmingham mache man das genauso. Im Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt laufen daraufhin begeisterte E-Mails ein: "Endlich kapiert die Stadt, was wir wollen! Abgesehen von der Meisterschaft..."

11:46 Uhr: Die Zeil ist endgültig vollständig ritzeratzekahlgekauft. Glückliche Finanzplatzbewohner fahren nach Hause in den Speckgürtel und die verbliebenen Frankfurter (die jetzt als arm, aber sexy gelten - Ätsch, Berlin!) freuen sich, weil die Speckgürtler sogar die Pavillons auf der Einkaufsmeile haben mitgehen lassen.

11:44 Uhr: Massenausbruch aus dem Polizeipräsidium! 342 inzwischen ziemlich nackische Geißler und Flagellanten rennen die braven Beamten nieder und skandieren "Maradonna -Irak! Maradonna - Irak! Maradonna - Irak!" Polizeipräsident Achim Thiel verweigert jegliche Auskunft gegenüber Frankfurter Rundschau, Hessischer Rundfunk, Frankfurter Neue Presse und Gießener Allgemeine, die gehört haben wollen, dass einige seiner Beamten zu den Endzeitfanatikern übergelaufen seien.

11:43 Uhr: Peter Feldmann wundert sich an Miquel-/Adickesallee, dass ein rot-schwarzer Autocorso, aus dem ständig Bengalos und FR-Soli-Abo-Bestellscheine geworfen werden, gen City einschwenkt. "Zum Römer, zum Römer, zum Römer...!" Der OB schüttelt den Kopf, gibt seine Tochter bei aufrecht linken Freunden der Sozialdemokratie im Holzhausenviertel ab und beschleunigt nun seine Schritte gen Arbeitsplatz.

11:39 Uhr: Vorm Römer sammeln sich nach und nach Eintracht-Fans und starren wutentbrannt auf das Werder-Banner am Balkon. Im Römer machen sich die Putschisten Majer und Cunitz daran, den Magistrat neu aufzuteilen: "Ich werd' Außenminister!" "Wir setzen den Papst ab!"

11:26 Uhr: Der Kartenvorverkauf in Offenbach ("Rematch des Jahrtausends - Rache für '59") läuft bestens. In Frankfurt aber kauft kein Schwein ein Ticket. Bruchhagen und Konsorten sind konsterniert.

11:24 Uhr: Die Vorbereitungen für das ultimative finale Derby zwischen Kickers und Eintracht läuft auch Hochtouren. Die Equipen trainieren schon im Stadtwald. Arie van Lent und sein Pendant, Maestro Veh, scheuchen die Mannen durch den dröppelnden Stadtwald. Bei Kilometer 24,7 findet sich eine keuchende Gruppe von Offenbachern und Frankfurtern zusammen, die bereit zur Meuterei sind.

11:10 Uhr: In der Redaktion der FR starren kreppelmampfende Redakteure ungläubig auf die Fernseher: Dort wird vermeldet, dass Maradona die Nationalelf des Irak trainieren soll. Ein Redakteur holt eine Flasche Whisky aus seinem Rucksack. "Den wollte ich für bessere Tage eigentlich aufheben. Ist jetzt auch egal. Wir trinken!" Die Sportredakteure beginnen, sich die Finger wund zu telefonieren. Wenn jetzt noch bestätigt wird, dass Lothar Matthäus die Leeward-Inseln trainiert, dann ist der Weltuntergang wirklich da!

10:56 Uhr: Am Weißen Stein in Eschersheim drängt sich OB Feldmann durch eine Masse von Fluglärmgegnern, die wegen der in der Lärmkartografie nicht aufgeführten Zweiten und Dritten Reiter der Apokalypse am Rhein-Main-Firmament protestieren. Plötzlich spricht ihn jemand von oben herab an: "Gevatter, wo geht's denn hier nach Bornheim?" Der OB blickt an einer Schindmähre hinauf, runzelt die Stirn und erwidert: "Michael (Paris, SPD), du musst mal kürzer treten mit deinen Aktionen für den Abenteuerspielplatz Riederwald. Bist ja ganz ausgemergelt. Und du weißt doch, wo Bornheim ist. Da, die Eschersheimer runter, am Polizeipräsidium links und dann schnurstracks." "Dank euch, Gevatter." Feldmann schüttelt den Kopf und zieht weiter gen Römer.

10:44 Uhr: Ein paar Eintracht-Fans auf dem Weg zum Eintracht-Shop ("SGE-Tassen heute für so gut wie nix - Kaufen!") sehen die Werder-Fahne am Römer-Balkon. "Ei, Horsti, was mache die denn da?" "Waas isch doch ach net. Des geht mal uff jeden Fall gar net!" "Isch ruf mal die Jungs an..."

10:37 Uhr: Verkehrsdezernent Stefan Majer und Bürgermeister Cunitz treffen vorm leeren Büro des OB aufeinander und beschließen, jetzt endlich die Stadt ganz grün werden zu lassen. "Wir brauchen dazu 'ne Fahne", meint Cunitz. Problem: Die Grünen haben keine Parteifahnen, nicht ihr Stil. In der Pförtnerloge händigt man ihnen ein irgendwann mal konfisziertes Banner von Werder Bremen aus. "Super Sache", meint Majer. "Die hissen wir jetzt am Balkon!"

10:28 Uhr: Auf der Zeil tobt das Weihnachtsrentier. Geschätzte 400.352 Rhein-Main-Gebietler wollen JETZT aber auch wirklich ALLE letzten Geschenke fürs Fest kaufen. Die Kaufhäuser bieten zwar absurd günstige Apokalypse-Endpreise an, aber das ist den Pfeffersäcken aus dem Speckgürtel wurscht: "Was lacostet die Welt?" So wird kurz vor Toresschluss nochmal einer der dämlichsten Sprüche der 80er Jahre aufgewärmt. Ausgerechnet die 80er...

10:22 Uhr: Bei der Eintracht klingelt das Telefon: "Hier ist Frank Ruhl, El Comandante der Kickers. Sagen Sie mal, Bruchhagen, wie wär's noch mit einem letzten Derby?" Bruchhagen brummt nur zustimmend, dann: "Aber der Hahn kommt mir nicht ins Stadion, egal in welches! Auch keiner seiner Freunde. Die können sich von mir aus beim Eisstockschießen begegnen." Da Ruhl nicht weiß, wer dieser Hahn (hessischer FDP-Justizminister aus der doch sehr fernen Wetterau) ist, sagt er gleich "Aber klar. Also: Bei uns oder bei euch?" "Bei uns natürlich", entgegnet Bruchhagen. Die wohlgeölte Derby-Maschinerie läuft an.

10:15 Uhr: Die Polizei hat jetzt ziemlich die Faxen dicke und verhaftet Filmregisseur Roland Emmerich und sein Team auf der Zeil, wo die einen neuen Blockbuster drehen wollen. Begründung: "Die störe nur die Weihnachtseinkäufe. Gehnse weider!"

10:13 Uhr: Das Wetter ist wie gehabt Scheiße. Deshalb trotten alle Frankfurter gesenkten Blickes durch die Stadt und verpassen so die Ankunft des Zweiten und Dritten Reiters der Apokalypse am trüben Himmelsfirmament.

9:56 Uhr: In der Redaktion der Frankfurter Rundschau verkündet ein Ressortleiter im tiefsten Brustton der Überzeugung: "Wegen so einem Weltuntergang geht doch die Welt nicht unter! Was machen wir denn morgen im Blatt?" Einige Redakteure und Reporter schauen ihn etwas fassungslos an, dann fügen sie sich in ihr Schicksal und beginnen mit dem Tagewerk.

9:38 Uhr: In Hofheim am Taunus zeigt der Vorstand des RMV den dauerklingelnden Telefonen den kollektiven Finger. Was wollen all diese blöden Pendler noch heute arbeiten? Sollen sie doch alle zum Teufel - ach so, da gehen ja eh bald alle hin!

9:35 Uhr: OB Peter Feldmann hat die Faxen dicke. Seit einer Stunde versucht er, seine Tochter bei der Schule abzugeben, aber die Schulleiterin verweigert jeglichen Unterricht an diesem letzten Tag: "Genießen sie doch noch die letzten Stunden, die ihnen verbleiben, gemeinsam mit ihrer Tochter, Herr Oberbürgermeister!" Aber Feldmann hat keine Zeit für solchen Firlefanz. Er muss sich um Wohnraum kümmern. Er nimmt sein Töchterlein an die Hand, um mit ihr in den Römer zu fahren. Bloß der RMV schickt keine Bahn vorbei.

9:16 Uhr: Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) hat sich ins OB-Büro geschlichen und den Anrufbeantworter abgehört. Er ruft seinerseits in Nieder-Eschbach an und versichert dem Kollegen Becker, sein "erster Reiter der Apokalypse" sei tatsächlich nur der olle Sozi Michael Paris, der auf dem Riedberg wieder mal irgendeinen Unsinn für Kinder mache. Becker hört ihm aber schon nicht mehr zu, sondern rennt zum nächstbesten Gotteshaus, ständig Kreuze schlagend.

9:03 Uhr: Im Sudfass hält man von Johnny Klinkes Idee, eine "World Finale Dinner Show" zu organisieren, bei der die Damen des Traditions-Horizontaletablissements interessante Verrenkungen für exorbitant zahlungswillige Premiumgäste im Gesellschaftshaus des Palmengartens machen, absolut gar nix. Die Angestellten des Hauses gründen eine Gewerkschaft, werfen die letzten nervigen Freier raus und schlafen noch eine Runde.

9:02 Uhr: Im Zoo bricht Panik aus. Nashörner trampeln Gesellschaftshaus wie den immer noch nicht fertigen Eingangsbereich platt, weil sie erspäht haben, wie die toten Erdmännchen als Zombie-Mangusten aus dem Erdreich ihres Geheges aufsteigen.

8:59 Uhr: Johnny Klinke kratzt sich am Bauch und hat eine famose Idee. Er ruft im Sudfass an.

8:23 Uhr: Kämmerer Uwe Becker (CDU) ruft aus dem heimatlichen Nieder-Eschbach im Vorzimmer des Oberbürgermeisters an, seine Stimme überschlägt sich, ein irres Lachen: "Ich hab' ihn zuerst gesehen! Der erste Reiter der Apokalypse - er kommt über die Felder aus der Wetterau geritten! Und er wird dich holen, Peter, du rote Socke!" Der Anruf wird aber nur aufgezeichnet. Im Römer ist noch keiner. Und wo OB Peter Feldmann zu dieser Stunde weilt, weiß eh kein Mensch.

8:02 Uhr: Vereinzelte Frankfurter werden durch ihre Küchenfenster gesichtet, wie sie mit verkníffen verschlafenen Gesichtern einen Morgenkaffee zu brauen versuchen. Der Lagedienst im Polizeipräsidium teilt etwas angenervt mit, man habe Horden von halbnackischen Geißlern davon abhalten müssen, die Morgenkaffee-Trinker, die offenbar noch an eine Zukunft glauben, ans Kreuz zu nageln.

7:11 Uhr: Die Frankfurter und die Rhein-Main-Gebietler (inklusive unseren liebsten Freunden, den Finanzplatzlern) räkeln sich noch ein letztes Mal in den Federn. Kann das mit der Apokalypse nicht noch etwas warten?

7:05 Uhr: All möglichen Online-Portale schalten Live-Ticker zum Weltuntergang. Da aber die Welt noch nicht mal aufgewacht ist, fängt sie folgerichtig zu dieser ganz und gar unchristlichen Stunde auch erst recht nicht an, unterzugehen. Wär ja noch schöner!

5:00 Uhr: Zwischen Nordend und Bornheim ist stockfinstere Nacht. Da jagt keiner auch nur einen erbärmlichen Hund vor die Tür. Warum ausgerechnet ein dämlicher FR-Redakteur sich in diesem kalten, dröppelnden endzeitigen Nichts herumtreibt, wird niemand mehr klären können.

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