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22. Januar 2013

Winter hat Frankfurt im Griff: Oldtimer-Trams fahren vereiste Strecken frei

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Historischer Notnagel: Weil alte Straßenbahnen bei Eis weniger anfällig sind, sollen sie die vereisten Oberleitungen wieder frei fahren.  Foto: Hartung

Bereits seit Sonntagabend ruht in Frankfurt der Straßenbahnbetrieb wegen vereister Fahrleitungen. Die VGF versucht daher am Dienstagnachmittag, wichtige Strecken mit Oldtimer-Straßenbahnen freizufahren. Teilweise mit Erfolg.

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Frankfurt –  

"Derzeit ist der Straßenbahnbetrieb auf allen Linien eingestellt", lesen potenzielle Fahrgäste am Dienstagmorgen auf den Informations-Displays an den Haltestellen. Dort, wo es solche nicht gibt, warten die Leute erneut vergeblich in der Winterkälte auf die Bahn. Eineinhalb Tage nach dem Eisregen vom Sonntag kämpft die städtische Verkehrsgesellschaft VGF darum, den Straßenbahnbetrieb wieder in Gang zu bringen. Am Dienstagnachmittag schließlich ein erster Silberstreifen am Horizont: Die Linie 11 verkehrt wieder zwischen Nied Kirche und Hugo-Junkers-Straße.

Ansonsten gehen die Fahrversuche überall im Streckennetz weiter, doch die Bahnen kommen noch nicht so recht vom Fleck. Die sensible Elektronik der modernen Niederflurbahnen komme mit den durch das Eis auf den Oberleitungen ausgelösten Stromschwankungen nicht zurecht, heißt es von der VGF.

Museums-Trams als Abschleppdienst

Auch Versuche, die vereisten Leitungen mit älteren, weniger empfindsamen Museumsfahrzeugen freizufahren, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die an zahlreichen Stellen im Netz gestrandeten Straßenbahnen wurden mit Hilfe der Museumszüge in die Depots gezogen. Dort werden sie nun auf etwaige Schäden untersucht. Am Dienstagmittag startet die VGF schließlich einen weiteren Versuch, mit Oldtimer-Straßenbahnen der Typen "L", "N" und "O" das Tram-Netz wieder in Betrieb zu nehmen. Auch zwei Modelle des Ebbelwei-Express' sind unterwegs. Da sie weniger gegen Eis anfällig sind, sollen diese Bahnen die Oberleitungen auf den Strecken der Linien 11 und 16 vom Eis befreien - allerdings ohne Passagiere an Bord.

Am Dienstagabend sind dann auch Erfolge vorzuweisen: Die Linie 11 wird auf Teilabschnitten wieder befahren. Auch die Strecke der Linie 16 ist frei von Eis und die Tram wieder unterwegs, fährt allerdings einen leicht geänderten Kurs: Von Ginnheim geht es über Hauptbahnhof, Altstadt und Lokalbahnhof zum Südbahnhof - von dort weiter über Schweizer Straße, Otto-Hahn-Platz, Stresemannallee und Hauptbahnhof bis Ginnheim. Wann die anderen Straßenbahnen für einen regulären Betrieb dann auf die Gleise zurückgebracht werden könnten, weiß die VGF bisher nicht. Für Mittwoch plant die Verkehrsgesellschaft aber, die Linie 12 im Laufe des Vormittags wieder in Betrieb zu nehmen. Auch Linie 11 und 16 sollen dann fahren - sofern die am Dienstag freigelegten Strecken in der Nacht nicht wieder zufrieren.

Der Dienstagmorgen beginnt jedenfalls für viele Fahrgäste weniger chaotisch als der Tag zuvor. Viele sind auf ausfallende Straßenbahnen vorbereitet. Der 30er Bus ist am frühen Morgen so proppenvoll wie nie. "Eigentlich fahre ich mit der 18", erzählt Annette Werle, "doch ich hab mir gestern Abend schon mal eine Mitfahrgelegenheit organisiert." Eine Nachbarin hat sie im Auto bis zur Busstation mitgenommen, denn "ich wollte nicht schon wieder zu spät zur Arbeit kommen". Auch andere sind am Morgen nicht einfach zur Straßenbahnhaltestelle gelaufen. "Ich hab erstmal im Internet nachgeguckt", erzählt ein Fahrgast. Denn gestern Abend habe bei der VGF ja noch keiner sagen können, ob am Morgen eine Bahn fahren werde. "Als ich gelesen habe, dass die Straßenbahnen immer noch nicht fahren, hab ich eben umdisponiert."

Nicht überall in Frankfurt reagieren die Fahrgäste aber so pragmatisch. Manche sind richtig sauer. Auf der Facebook-Seite der VGF monieren die User, dass in Oberrad beispielsweis keine Busse als Ersatzverkehr für die ausfallenden Straßenbahnen eingesetzt würden. Nun komme man aus dem Stadtteil gar nicht heraus. Nur zu Fuß. Die VGF verteidigt sich auf Facebook: Ohne ausreichende Fahrzeuge und Fahrer könne man nun mal keinen Ersatzverkehr anbieten. Man müsse sparen, wo es nur geht.

Im Wendegleis Hedderichstraße in der Nähe des Südbahnhofs ist aber weiterhin eine eingeschneite Niederflurbahn mitten auf der Straße abgestellt. Versuche, das Fahrzeug in Gang zu bringen, wurden gestern Nachmittag erfolglos abgebrochen.

Der Betrieb der U-Bahnen läuft inzwischen wieder einigermaßen zuverlässig, allerdings ist immer wieder mit Verspätungen und einzelnen Ausfällen zu rechnen.

Unterbrochen ist am Dienstag zunächst auch die Linie U9. Die Züge bewältigten nach Angaben der VGF die Steigung von Kalbach zum Riedberg nicht. Im Laufe des Tages wird aber die U9 wieder in Betrieb genommen. Im Busverkehr kommt es wegen teilweise glatter Straßen ebenfalls zu Verspätungen. Die Bus-Linie 30 über Konstablerwache und Börneplatz wird bis zum Wendelsplatz verlängert, zwischen Südbahnhof und Offenbach-Stadtgrenze ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Auch ansonsten führt das Winterwetter zu Einschränkungen im hessischen Straßenverkehr. In Darmstadt fahren am Morgen wegen vereister Fahrleitungen nur die Linie 2 und 7. Das teilt das Nahverkehrsunternehmen Heag mobilio auf seiner Internetseite mit. Für die Linie 9 wurde ein Busverkehr eingerichtet. Bei den regulären Buslinien kam es zu Verspätungen. Etwas besser sieht es in Kassel aus. Die meisten Linien fahren wieder, wie die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVG) berichtet. Einige Streckenabschnitte der Linien 3 und 8 sind aber noch immer gesperrt. Die KVG setzt Busse als Ersatz ein. Grund für die Streckensperrungen in Kassel sind aber nicht nur Eis und Schnee auf Schienen und Leitungen. Auch zu dicht am Gleis parkende Autos blockierten die Trams. „Ursache dafür ist offenbar zu hoch aufgetürmter Schnee an den Straßenrändern, so dass die Autofahrer keine andere Parkmöglichkeit sehen“, vermuten die Verkehrsbetriebe.

Verzögerungen auch am Flughafen

Ausfälle und Verspätungen wegen des Winterwetters meldet am Dienstag auch der Frankfurter Flughafen. Die Betreibergesellschaft Fraport rät, rechtzeitig zum Flughafen anzureisen und sich vorab bei der jeweiligen Fluglinie oder der Fraport-Hotline (0 18 05/3 72 46 36) zu informieren. Passagiere müssten noch mit Verspätungen und mit einzelnen Flugausfällen rechnen, sagte ein Sprecher am Morgen. Das derzeitige Wetter lasse zwar einen normalen Betrieb zu, dieser müsse sich jedoch erst wieder einpendeln. Zudem müssten die Flugzeuge bei Minustemperaturen weiter enteist werden, was ebenfalls zu Verzögerungen führe.

Bis zum Mittag sind 104 der insgesamt 1200 geplanten Flüge annulliert worden. 60 Verbindungen nach und 44 ab Frankfurt wurden witterungsbedingt abgesagt, berichtete eine Flughafensprecherin. Dennoch normalisiere sich der Flugbetrieb langsam. „Heute ist es schon viel entspannter als in den vergangenen zwei Tagen.“

Wenige Dutzend Passagiere, die den Transitbereich mangels Visums nicht hatten verlassen dürfen, mussten die Nacht dort auf Feldbetten verbringen. „Der Großteil der Leute ist aber in Hotels untergebracht worden“, sagte der Sprecher. Nach Eisregen und starkem Schneefall waren am Montag 543 von 1190 Flügen ausgefallen.

Die Lufthansa hat auch heute wieder zahlreiche Flüge in Frankfurt sowie in München und Düsseldorf gestrichen. Eine aktuelle Übersicht über die betroffenen Verbindungen gibt es auf den Seiten der Luthansa. (mit dpa/afp)

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