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23. Januar 2013

Winter hat Frankfurt im Griff: Von Cottbus lernen

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Weichei: Die modernen Trams kommen mit dem Winter nicht klar. Foto: Christoph Boeckheler

Auch am Mittwoch müht sich sich die VGF weiter ab, den öffentlichen Nahverkehr wieder in Gang zu bringen. Doch noch immer fahren nicht alle Straßenbahnen. Nun fordert die Politik Konsequenzen. Und aus dem fernen Osten kommt ein heißer Tipp gegen die Kälte.

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Dass am Dienstag in Frankfurt überhaupt keine Straßenbahnen fuhren, entspricht nicht der Wahrheit. Ein paar museumsreife Veteranen der Typen „L“, „N“, „O“ und zwei Modelle des so überaus beliebten Ebbelwei-Expresses zuckelten durch die Stadt.

Allerdings waren die Oldtimer allesamt exklusiv als Eisbrecher oder Abschlepper unterwegs. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hatte in der Nacht zuvor ihre Hoffnung aufgeben müssen, den Straßenbahnbetrieb am Dienstag wieder aufzunehmen. Erst am späten Nachmittag konnte die 11 zwischen Nied Kirche und Hugo-Junkers-Straße im ansonsten weitgehend abgeschotteten Fechenheim wieder im Normalbetrieb fahren. Seit Mittwochmorgen fahren die Linien 11, 16 und 17 auf Teilstrecken wieder. Der 30er Bus wurde bis zum Wendelsplatz in Sachsenhausen verlängert.

„Eine Sch...arbeit“

Ansonsten aber hielt die Eiszeit am Main weiter vor, weshalb noch den gesamten Dienstag über einsame eingefrorene Straßenbahnen herumstanden oder von den Museumsbahnen abgeschleppt wurden. Auch die U9 kapitulierte bis 14 Uhr vor dem Eis. Und ein Ende der Frostperiode ist derzeit nicht abzusehen. „Ich kann nicht sagen, wann die Straßenbahnen wieder fahren“, sagte VGF-Sprecher Bernd Conrads, der am Telefon ob der widrigen Umstände ein wenig verschnupft wirkte.

In der Hedderichstraße war zur Mittagszeit ein Werkstattwagen der VGF vorgefahren, um die dort gestrandete Bahn wieder flottzumachen. Auf einer Hebebühne stehend versuchten die Arbeiter mit einem Lötkolben, den Eispanzer um die Fahrleitung zu knacken. „Eine Sch...arbeit“, meinte einer der Männer in orangener Arbeitskluft.

Am Mittwochmorgen steht die Bahn allerdings immer noch dort. Nicht viel anders ging es den Kollegen, die anderenorts „mit Meißel und Hammer“ die eisige Hüllen zu knacken suchten, wie Conrads sagte. Bei 60 Kilometer Fahrweg für die Frankfurter Straßenbahnen eine Heidenarbeit.

Dass die ausgemusterten Karren das Eis besser knacken können als die modernen Wagen, liegt an der Technik. Die „Oldies“ nehmen weniger Strom ab, sind weniger empfindlich. Die Neufahrzeuge verweigern ihren Dienst, sobald sie Schwankungen in der Stromspannung spüren. In manchen Städten ist es ein bewährtes Mittel, bei Eisregen nachts eine Straßenbahn als Eiskratzer kreisen zu lassen. Cottbus setzt nach einem völligen Stillstand zum Jahreswechsel 2010 einen Sprühwaggon ein, der Frostschutzmittel auf die Leitung sprüht. Nach einem Bericht der Lausitzer Rundschau kostet die Anlage etwa 20.000 Euro.

Keine Fahrer, keine Busse

Die Deutsche Bahn bleibt weitgehend vom Eise befreit, weil durch ihre Leitungen satte 15.000 Volt fließen (Straßenbahn 500 bis 750 Volt), die für eine gewisse Wärme sorgen. Außerdem, so ein Bahn-Sprecher, fahren nachts zwar weniger Personen- dafür aber mehr Güterzüge. Es wird also fast immer an der Fahrleitung gekratzt.

Weil abzusehen war, dass Frankfurt nicht so schnell abtauen würde, setzte die VGF zwischen dem Südbahnhof und der Offenbacher Stadtgrenze Ersatzbusse ein. Ein flächendeckender Busersatzverkehr war nach Auskunft der VGF nicht möglich, „weil kurzfristig weder so viele Busfahrer noch Fahrzeuge aufzutreiben sind“, wie Bernd Conrads sagte. Damit Oberrad, das nur durch die Straßenbahn an den ÖPNV angeschlossen ist, nicht abgeschnitten wurde, sprangen hier Straßenbahnfahrer mit Busführerschein ein. Auch zwischen dem Ostbahnhof und Alt-Fechenheim pendeln Busse, die von der Linie 32 abgezogen wurden.

Politik fordert Konsequenzen

Tagelang fährt in Frankfurt keine Straßenbahn. Das lässt natürlich die politisch Verantwortlichen nicht kalt. Am Dienstagabend bedauerte Stadtrat Stefan Majer (Grüne) die „außerordentlich missliche Lage für die Fahrgäste“. Der Verkehrsdezernent will sich mit dem im Verkehrsausschuss vielfach geäußerten Verweis auf die außergewöhnliche Wetterlage nicht zufriedengeben. „Wir müssen daraus Konsequenzen ziehen.“ Für konkrete Schlüsse sei es allerdings noch zu früh.

Für etwas Hitze in der Diskussion ums Eis auf den Fahrleitungen sorgte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Klaus Oesterling empfahl der schwarz-grünen Regierungskoalition, sich vielleicht in Nowosibirsk zu erkundigen, wie künftig solche Pannen zu verhindern seien. Wie Oesterling kritisierte auch der Linken-Abgeordnete Peter Gärtner, dass es nicht gelungen sei, einen Busersatzverkehr einzurichten. Beide machten dafür die Privatisierung des öffentlichen Nahverkehrs in diesem Bereich verantwortlich. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Heuser wies das zurück. Auch die städtische Verkehrsgesellschaft könne es sich nicht leisten, Busse für eine Situation herumstehen zu lassen, die nur alle paar Jahrzehnte eintrete. Heuser kritisierte die billige Polemik von Oesterling, der dem Verkehrsdezernenten die Schuld für den Stillstand in die Schuhe schieben wolle. „Die Linke hat offensichtlich eine Gelddruckmaschine. Sie stellt ständig Anträge, ohne auf die Kosten zu achten.“ Einig waren sich alle darüber, dass das Störfallmanagement verbessert werden soll.

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Die Darmstädter Heag mobilo kämpfte am Dienstag ebenfalls gegen vereiste Oberleitungen und setzte dabei zwei Oldtimer ein – darunter eine Tram Baujahr 1926. Seit Mittwochmorgen fahren wieder alle Linien, weil einige moderne Bahnen noch in der Werkstatt auf ihre Überprüfung warten, bleiben die Oldtimer vorerst im Einsatz.

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