Am Dienstagmorgen informiert Markus Frank die schwarz-grüne Stadtregierung und den Oberbürgermeister. Am Nachmittag tritt der Frankfurter Wirtschaftsdezernent mit Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaften und Firmen vor die Journalisten. Endlich nimmt ein ehrgeiziges Vorhaben der Kommune Gestalt an: Ein „Masterplan Industrie“ soll entstehen, der am Ende Antworten liefert für die Zukunft der gewerblichen Wirtschaft in Frankfurt.
Wo wird es am Ende noch Raum geben für die Industrie – wo doch zugleich Flächen für den Wohnungsbau händeringend gesucht werden? Frank sagt „heftige Diskussionen“ voraus. Er tausche sich aber schon jetzt mit Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) aus, der den Bau von Wohnungen vorantreiben will. Frank strebt Kompromisse an: „Wir werden an einigen Stellen Flächen komprimieren müssen, um an anderer Stelle Unternehmen die Möglichkeit zu geben, expandieren zu können.“
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Foto: Andreas ArnoldEinzelheiten nennt der Wirtschaftsdezernent wohlweislich nicht. Die Zusammenkunft am Dienstagnachmittag wirkt wie eine trotzige Selbstbeschwörung: Die Industrie ist noch da in der Banken- und Dienstleistungs-stadt Frankfurt. Freilich schrumpft dieser Wirtschaftssektor am Main schon seit Jahren – 1992 stellte er noch 20,5 Prozent der Beschäftigten, heute sind es 10,4 Prozent. Etwa 50.000 Menschen arbeiten heute noch in der gewerblichen Wirtschaft – die meisten der 3000 Betriebe sind jedoch sehr klein, zählen gerade zehn bis 15 Mitarbeiter.
300 ausgewählte Unternehmen befragt das Institut für Humangeografie der Johann Wolfgang Goethe-Universität jetzt im Auftrag der Stadt. „Wir wollen wissen, wie die Frankfurter Industrie tickt – wo ihre Stärken und Schwächen sind und ihre Schwerpunkte“, sagt Peter Lindner, der Leiter des Forschungsteams.
Die schriftliche Befragung umfasst acht Themenfelder: von der Infrastruktur über die Finanzierung der Betriebe bis hin zu den nötigen Gewerbeflächen. Die Wissenschaftler wollen aber auch erkunden, wie die Unternehmen vernetzt sind, mit welchen Zulieferern sie zusammenarbeiten, wie die Wertschöpfungsketten sind.
Frankfurt steht schwächer da als der Durchschnitt der Republik. In Deutschland trägt die Industrie noch 23 Prozent zur Wertschöpfung bei, in Frankfurt sind es nur noch 17 Prozent. Deutschland stehe insgesamt noch besser da als die europäischen Nachbarländer, sagt Friedrich Avenarius, Geschäftsführer Rhein-Main-Taunus der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.
„In den Nachbarländern erodiert das industrielle Umfeld.“ Im Juni spätestens will Wirtschaftsdezernent Frank die Ergebnisse der Befragung vorlegen. Auf Nachfrage legt sich der CDU-Politiker nicht auf ein Datum fest, zu dem der „Masterplan Industrie“ fertiggestellt sein wird.
Er kennt die aktuellen Auseinandersetzungen. Am heftigsten tobt der Streit um die Zukunft des Frankfurter Osthafens. Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) hatte in den 90er Jahren schon den Wandel des Industriequartiers zum Wohnviertel eingeleitet – da legten sich CDU und Grüne quer.
Doch wächst der Druck von Immobilienunternehmen, weniger gut genutzte Gewerbeflächen im Hafen für Wohnungen zu räumen. 2011 beschloss die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt nach heftigem Streit ein Kompromiss-Papier: Der Oberhafen soll als Industriestandort verteidigt werden, im Unterhafen müssten „künftigen Generationen Strukturveränderungen“ möglich sein.
Von dieser Vorgeschichte erwähnt Detlev Osterloh, Geschäftsführer Innovation und Umwelt der IHK, nichts. Er führt stattdessen das Schicksal des Masterplans Industrie in Hamburg als warnendes Beispiel an. Dort sei dieser Plan nach Fertigstellung „in die Schublade gelegt“ worden. In Frankfurt dürfe das nicht passieren.
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