kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

23. Januar 2013

Wohnen contra Gewerbe: Wo die Industrie überleben soll

 Von Claus-Jürgen Göpfert
Der Osthafen ist umkämpft. Industriefirmen wehren sich gegen einen möglichen Bau von Wohnungen – doch    der Druck auf die Flächen wächst.  Foto: Michael Schick

Die Stadt arbeitet an einem "Masterplan Industrie". Er muss sagen, wo Betriebe für Wohnraum weichen sollen. 300 Unternehmen ließ die Stadt befragen, um herauszufinden, wo Schwerpunkte, Stärken und Schwächen der Frankfurter Betriebe liegen.

Drucken per Mail

Die Stadt arbeitet an einem "Masterplan Industrie". Er muss sagen, wo Betriebe für Wohnraum weichen sollen. 300 Unternehmen ließ die Stadt befragen, um herauszufinden, wo Schwerpunkte, Stärken und Schwächen der Frankfurter Betriebe liegen.

Am Dienstagmorgen informiert Markus Frank die schwarz-grüne Stadtregierung und den Oberbürgermeister. Am Nachmittag tritt der Frankfurter Wirtschaftsdezernent mit Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaften und Firmen vor die Journalisten. Endlich nimmt ein ehrgeiziges Vorhaben der Kommune Gestalt an: Ein „Masterplan Industrie“ soll entstehen, der am Ende Antworten liefert für die Zukunft der gewerblichen Wirtschaft in Frankfurt.

Wo wird es am Ende noch Raum geben für die Industrie – wo doch zugleich Flächen für den Wohnungsbau händeringend gesucht werden? Frank sagt „heftige Diskussionen“ voraus. Er tausche sich aber schon jetzt mit Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) aus, der den Bau von Wohnungen vorantreiben will. Frank strebt Kompromisse an: „Wir werden an einigen Stellen Flächen komprimieren müssen, um an anderer Stelle Unternehmen die Möglichkeit zu geben, expandieren zu können.“

Einzelheiten nennt der Wirtschaftsdezernent wohlweislich nicht. Die Zusammenkunft am Dienstagnachmittag wirkt wie eine trotzige Selbstbeschwörung: Die Industrie ist noch da in der Banken- und Dienstleistungs-stadt Frankfurt. Freilich schrumpft dieser Wirtschaftssektor am Main schon seit Jahren – 1992 stellte er noch 20,5 Prozent der Beschäftigten, heute sind es 10,4 Prozent. Etwa 50.000 Menschen arbeiten heute noch in der gewerblichen Wirtschaft – die meisten der 3000 Betriebe sind jedoch sehr klein, zählen gerade zehn bis 15 Mitarbeiter.

300 ausgewählte Unternehmen befragt das Institut für Humangeografie der Johann Wolfgang Goethe-Universität jetzt im Auftrag der Stadt. „Wir wollen wissen, wie die Frankfurter Industrie tickt – wo ihre Stärken und Schwächen sind und ihre Schwerpunkte“, sagt Peter Lindner, der Leiter des Forschungsteams.

Die schriftliche Befragung umfasst acht Themenfelder: von der Infrastruktur über die Finanzierung der Betriebe bis hin zu den nötigen Gewerbeflächen. Die Wissenschaftler wollen aber auch erkunden, wie die Unternehmen vernetzt sind, mit welchen Zulieferern sie zusammenarbeiten, wie die Wertschöpfungsketten sind.

Nur 17 Industrie in Frankfurt

Frankfurt steht schwächer da als der Durchschnitt der Republik. In Deutschland trägt die Industrie noch 23 Prozent zur Wertschöpfung bei, in Frankfurt sind es nur noch 17 Prozent. Deutschland stehe insgesamt noch besser da als die europäischen Nachbarländer, sagt Friedrich Avenarius, Geschäftsführer Rhein-Main-Taunus der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.

„In den Nachbarländern erodiert das industrielle Umfeld.“ Im Juni spätestens will Wirtschaftsdezernent Frank die Ergebnisse der Befragung vorlegen. Auf Nachfrage legt sich der CDU-Politiker nicht auf ein Datum fest, zu dem der „Masterplan Industrie“ fertiggestellt sein wird.

Er kennt die aktuellen Auseinandersetzungen. Am heftigsten tobt der Streit um die Zukunft des Frankfurter Osthafens. Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) hatte in den 90er Jahren schon den Wandel des Industriequartiers zum Wohnviertel eingeleitet – da legten sich CDU und Grüne quer.

Doch wächst der Druck von Immobilienunternehmen, weniger gut genutzte Gewerbeflächen im Hafen für Wohnungen zu räumen. 2011 beschloss die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt nach heftigem Streit ein Kompromiss-Papier: Der Oberhafen soll als Industriestandort verteidigt werden, im Unterhafen müssten „künftigen Generationen Strukturveränderungen“ möglich sein.

Von dieser Vorgeschichte erwähnt Detlev Osterloh, Geschäftsführer Innovation und Umwelt der IHK, nichts. Er führt stattdessen das Schicksal des Masterplans Industrie in Hamburg als warnendes Beispiel an. Dort sei dieser Plan nach Fertigstellung „in die Schublade gelegt“ worden. In Frankfurt dürfe das nicht passieren.

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Online-Kataloge
In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."

Anzeige
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Felix Helbig ist tot

Mit nur 32 Jahren starb unser Freund und Kollege Felix Helbig am 13. Februar 2013. Auf dieser Seite erinnern wir uns an ihn und veröffentlichen nochmal seine schönsten und bedeutendsten Texte.

Spezial

Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.


Spezial: Vorwürfe gegen Polizei Frankfurt
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Mountainbike-Touren im Video
Spezial

Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.


Spezial: Peter Feldmanns Politik
Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.