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10. Dezember 2013

Wohnungsmarkt in Frankfurt: Ein Platz für Banker

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Wenn in Frankfurt Arbeitsplätze entstehen, sollen Unternehmen auch gleich Wohnraum organisieren, fordert die SPD.  Foto: christoph boeckheler

1000 hochbezahlte Finanzspezialisten mit ihren Familien kommen 2014 nach Frankfurt, wenn die neue Europäische Bankenaufsicht eröffnet wird. Sie alle suchen Wohnungen. Die SPD will, dass die EZB-Verantwortlichen sich kümmern.

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Jürgen Lutz schaut mit großer Sorge auf den Frankfurter Wohnungsmarkt im nächsten Jahr. „Ich erwarte, dass sich der Druck auf die bevorzugten Wohnlagen in Frankfurt erheblich erhöhen wird – noch mehr angestammte Bewohner werden verdrängt“, sagt der Geschäftsführer des Vereins „Mieter helfen Mietern“. Der Grund: 1000 hochbezahlte Finanzspezialisten mit ihren Familien kommen 2014 in die Stadt, wenn die neue Europäische Bankenaufsicht eröffnet wird. Sie alle suchen Wohnungen.

Die SPD-Fraktion im Römer fordert deshalb per Antrag die Stadtregierung auf, bei der Europäischen Zentralbank (EZB) darauf zu drängen, „dass die EZB sich aktiv für die Neuschaffung von Wohnraum für ihre Beschäftigten einsetzt“. Damit ist konkret der Bau von Wohnungen gemeint: „Wir wollen, dass die Europäische Zentralbank hier nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank handelt, die früher auch Wohnungen für ihre Mitarbeiter errichtet hat“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling.

Doch die EZB denkt nicht daran. Sie überlässt es den neuen Mitarbeitern der Bankenaufsicht selbst, sich auf dem freien Markt eine Wohnung zu suchen, so EZB-Sprecherin Andrea Jürges. Sie hält die zusätzliche Belastung für den Frankfurter Wohnungsmarkt für nicht so hoch: „Die Beschäftigten werden nicht alle in Frankfurt wohnen, sondern sich im gesamten Rhein-Main-Gebiet verteilen.“

Nach ihren bisher geltenden internen Vorschriften bezahlt die Bank ihren Mitarbeitern lediglich den Umzug aus zahlreichen europäischen Ländern nach Frankfurt. Bedingung ist dabei, dass der frühere Wohnort mehr als 50 Kilometer von Frankfurt entfernt liegt. Mit einer Ausnahme allerdings: Haustiere dürfen nicht mitgenommen werden. Ihre Umsiedlung wird nicht bezahlt.

Jürgen Lutz von „Mietern helfen Mietern“ kritisiert diese Haltung der Europäischen Zentralbank scharf – als völlig unzureichend. Nach seiner Ansicht hätte die Stadt Frankfurt schon den Neubau des EZB-Domizils im Frankfurter Ostend auf dem Gelände der früheren Großmarkthalle nicht genehmigen dürfen, „ohne dass dort gleichzeitig Wohnungen entstehen“. Auch an anderer Stelle mache die Kommune schließlich privaten Büro-Investoren die verbindliche Auflage, parallel Wohnungen zu schaffen.

Lutz fordert, dass die EZB sich jetzt auch um Wohnraum für die 1000 Beschäftigten der Europäischen Bankenaufsicht kümmert, die 2014 kommen. „So wäre es der EZB etwa möglich, ein leerstehendes Bürohochhaus in Frankfurt aufzukaufen und in Wohnraum umzuwidmen.“ Tatsächlich sei der Wohnungsmarkt in Frankfurt gar nicht in der Lage, binnen weniger Wochen den Zuzug von 1000 Familien zu verkraften.

Auch die EZB scheint davon auszugehen, dass die Wohnungssuche auf dem freien Markt länger dauern wird. Sie empfiehlt ihren Beschäftigten in ihren internen Vorschriften eine Reihe von „boarding houses“, in denen sie zunächst befristet unterkommen könnten.

Wohnungsexperte Lutz erwartet, dass bei den Spezialisten der Europäischen Bankenaufsicht „die üblichen bevorzugten Lagen“ gefragt sein werden. Dazu zähle neben Sachsenhausen, Nordend und Westend neuerdings auch das Ostend – eben wegen der Nähe zur künftigen Europäischen Zentralbank. Das neue Domizil dort auf dem früheren Großmarktgelände soll in der zweiten Jahreshälfte 2014 bezogen werden. Schon jetzt würden diese nachgefragten Viertel von Maklerbüros systematisch mit Postwurfsendungen und Kauf-Nachfragen für Wohnungen eingedeckt.

Die Sozialdemokraten im Römer stehen auf dem Standpunkt, dass die EZB „eine Vorbildfunktion“ für andere Unternehmen einnehmen könnte. Auch andere Firmen müssten sich bei der Schaffung von Wohnraum engagieren. Deshalb fordert die SPD-Fraktion auch, die Schaffung einer zentralen städtischen Beratungs- und Anlaufstelle zu prüfen.

Die SPD erinnert daran, dass früher in Frankfurt Unternehmen bis in die 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts im Wohnungsbau aktiv gewesen seien. Bestes Beispiel seien die Werkswohnungen der früheren Hoechst AG gewesen. Der Chemiekonzern habe für seine Beschäftigten insgesamt 9000 Wohnungen gebaut.

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