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Rekonstruktion der Altstadt: Wunderbare Bilder

Ein Abend zur Wieder-Bebauung der Frankfurter Altstadt von vor 1944 bringt Kritik im Grundsatz und im Detail. Da ist die Rede von Disneyland, aber auch die vehemente Verteidigung, man wolle wirklich ein lebendiges Quartier errichten.

 Rekonstruktion der Altstadt
Rekonstruktion der Altstadt
Foto: FR/Stadt Frankfurt

Draußen senkt sich der Abend herab, das Licht schwindet. Drinnen, im Saal der St. Paulsgemeinde am Römerberg, hat Michael Guntersdorf keinen leichten Stand. Der Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH begegnet grundsätzlichem Misstrauen bei einigen Bürgern. „Eine Inszenierung der sogenannten guten alten Zeit“ sieht der frühere SPD-Stadtverordnete Erwin Schöppner in der geplanten Altstadt-Bebauung mit bis zu 16 rekonstruierten Häusern. Und der Ex-Politiker kritisiert zugleich „den Abrisswahn“, den „fatalen Aktionismus“, der zum Abbruch des Technischen Rathauses wenige Meter entfernt geführt habe.

Schöppner, Stadtverordneter von 1968 bis 1985, hatte seinerzeit die Errichtung des riesigen Gebäudes mitbeschlossen. Da wird auch Guntersdorf ganz grundsätzlich: „Kein Mensch beabsichtigt, ein Disneyland zu bauen – wir wollen ein neues Wohnquartier!“ Und der Architekt dreht den Spieß um: „Frankfurt ist in der Nachkriegszeit zerstört worden durch den Modernisierungsglauben bestimmter Politiker – heute gilt es, ein Stück Identität nachzubauen.“

Misstrauisch will eine Anwohnerin wissen, ob die künftigen Wohnungen – Guntersdorf spricht von bis zu 80 – denn „bezahlbar“ seien. Und der städtische Manager macht gleich deutlich, dass natürlich nicht die Mieten „von Nied“ zu erwarten seien. Wohl aber „das Niveau der Innenstadt und des Nordends“.

Aber es schimmert durch an diesem Abend, dass es bei der Altstadt nicht nur um Wohnungen geht. Sondern auch um Bilder. Wirtschafts- und Sportdezernent Markus Frank (CDU) schwärmt da schon vom Ironman im Juli: „Wenn das Hessische Fernsehen da fünfeinhalb Stunden überträgt, gibt das wunderbare Bilder von der Stadt.“ Und ist man den Anwohnern nicht weit entgegengekommen? Der Frankfurter Ironman sei der einzige weltweit, der vor Mitternacht ende, nämlich schon um 22 Uhr. Und statt der riesigen Lautsprecherboxen des Vorjahres habe man diesmal viele kleine installiert.

"Sie werden reich belohnt"

Und den von Bauarbeiten geplagten Anliegern verspricht der Stadtrat: „Sie werden reich belohnt“, mit einer „wunderbaren neuen Altstadt“.

Es kommt freilich immer auf den Blickwinkel an: Den meisten im Saal geht es um persönliche Betroffenheit. Zum Beispiel, dass die städtische Tiefgarage Dom-Römer seit neun Wochen gesperrt ist: „Mir fehlt da das Verständnis“, kritisiert ein Mann, der dort einen Dauer-Stellplatz gemietet hat. Und ein anderer moniert, dass sich bei ihm zu Hause „schon die Bierkästen stapeln“. Guntersdorf ohne Umschweife: „Wenn Sie da reingehen, riskieren Sie, im Rauch zu ersticken, wenn es brennt.“ Denn nicht nur funktioniere das Notstromaggregat nicht mehr. Das 40 Jahre alte Parkdeck sei bei Brandschutz und Sicherheit in einem schlechten Zustand. Bis zum Weihnachtsmarkt, verspricht er , werde es aber wieder geöffnet. „Na klar, weil dann die Besucher von außerhalb kommen“, heißt es im Publikum.

Den einen kommt es also auf das große Ganze an, den anderen eher aufs Detail. So hatte die Dom-Römer-GmbH zum Beispiel am 23. August einen Informationsbrief an alle Hausbesitzer der Altstadt versandt – aber die gaben die Informationen nicht an ihre Mieter weiter. „Dumm gelaufen“, kommentiert Guntersdorf lapidar.

Die gute Nachricht des Abends: Der Abriss des Technischen Rathauses, der zehn Millionen Euro kosten sollte, wird tatsächlich nur sieben Millionen brauchen: „Es gab wenig Asbest und keine Überraschungen.“

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert
Datum:  7 | 9 | 2010
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