Andreas Knopf wird sein Rad bis zum Kaufhof schieben, dann Aufsteigen und Richtung Norden fahren, nach Eckenheim, wo der Radler seit Jahren wohnt. Ein striktes Fahrverbot auf der Zeil, wie es die FDP kürzlich gefordert hat? Knopf ist ein wenig skeptisch am Freitagmittag. Ja, das muss wohl sein, „weil es nicht funktionieren wird, dass sich die Leute einigen und stärker aufeinander Rücksicht nehmen“, sagt Knopf. Dabei gehört der Eckenheimer zur Radlerfraktion unter den Mobilen in der Stadt. Fast täglich fährt er die sechs Kilometer von Eckenheim bis zu seinem Arbeitsort im Bahnhofsviertel mit dem Rad, die Infrastruktur für Velofahrer, sagt Knopf, hat sich „deutlich verbessert“.
„Ich komme mit dem Rad in der Stadt wunderbar zurecht, ich habe Bewegung, bin unabhängig vom Öffentlichen Personennahverkehr und hab keinen Stress als Autofahrer.“ Das Rad schätzt er als Verkehrsmittel, „ich kann hier von Kaufhaus zu Kaufhaus gehen und hab mein Verkehrsmittel immer dabei.“ Dennoch ist Knopf für ein Fahrverbot. „Es macht doch keinen Spaß, sich durch die Menschenmassen zu drängeln, außerdem wächst der Ärger bei den Fußgängern.“
Das Für und Wider zum Fahrverbot halten sich die Waage am Freitagmittag bei Gesprächen mit Passanten und Radlern auf der Zeil. Wenngleich sich die Befragten gegen noch mehr Verbote und Schilder aussprechen – manche sind nicht überzeugt, dass die schwarzen Schafe unter den Radlern mehr Rücksicht nehmen werden. Marion Dahlmann beispielsweise und Rebekka Fröhlich sind da durchaus geteilter Meinung: Dahlmann spricht sich klar für ein Fahrverbot in Fußgängerzonen, nicht nur auf der Zeil aus. „Ich bin zwar auch Radlerin, aber als Fußgängerin fühle ich mit auf der Zeil von Radlern belästigt.“ Häufig nähmen die Velofahrer keine Rücksicht. Deshalb: Radfahren verbieten in der Fußgängerzone, aber gleichzeitig auch mehr Radwege bauen, von denen es in Frankfurt noch zu wenig gebe. Und die, die da seien, seien oft mit Autos zugeparkt, „weshalb man als Radler dann oft auf den Bürgersteig ausweichen muss“.
Rebekka Fröhlich teilt die Meinung ihrer Freundin nicht. Gerade eben hatte ein Radler kurz vor ihr noch stoppen und den Zusammenstoß verhindern können, aber „ich sehe das locker, weil ich selbst Rad fahre“. Wichtig sei, dass die Velo-fahrende Person das Rad unter Kontrolle habe, weshalb sie nicht dafür ist, dass Ältere und Kinder auf der Zeil Rad fahren, „auch wenn das jetzt ein bisschen diskriminierend klingt“. Die Jüngeren könnten eben schneller reagieren, und die Kontrolle über das Rad sei das Wichtigste. Deshalb hält sie von einem Fahrverbot nicht viel. Das sieht Peter Menzel auch so. „Es gibt genug Verbote“, sagt Menzel, der am Mittag sein Rad über die Zeil schiebt. Gegen ein Verbot, aber für mehr Rücksichtnahme, „da sind wir alle aufgerufen“, sagt der Radler, der dann aufs Velo steigt, wenn auf der Zeil weniger los ist wie etwa an Sonntagen. Menzel ist vor 20 Jahren vom Niederrhein unweit der holländischen Grenze nach Frankfurt gekommen. Damals, sagt der 49-Jährige, „hat Frankfurt hinterhergehinkt“, inzwischen hat sich aber „echt einiges getan“.
Wer am Freitagmittag mit Passanten und Radlern spricht, bekommt immer wieder einen deutlichen Hinweis: Die Aggressivität, das Egozentrische habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Ja, und nicht erst seit kurzem“, sagt Rebekka Fröhlich. Man achte kaum noch auf den anderen. Das sieht auch Andreas Knopf so: „Ob das Fußgänger sind, Radfahrer oder Autofahrer, der Umgang ist ganz allgemein viel aggressiver geworden.“
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