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26. Januar 2013

Zufallstreffer in Eschersheim: Aliens und Bomber Im Uhrig

 Von 
Auf dem Weg zu Fried Lübbecke.  Foto: peter-juelich.com

Kommt ein Dartpfeil geflogen – und zwingt zwei gänzlich unschuldige Peters hinaus in den klirrend kalten Norden des Planeten. Genauer gesagt nach Eschersheim, in die Fried-Lübbecke-Grundschule. Und die beiden FR-Reporter müssen noch an ganz andere kalte Orte aufsuchen.

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Kommt ein Dartpfeil geflogen – und zwingt zwei gänzlich unschuldige Peters hinaus in den klirrend kalten Norden des Planeten. Genauer gesagt nach Eschersheim, in die Fried-Lübbecke-Grundschule. Und die beiden FR-Reporter müssen noch an ganz andere kalte Orte aufsuchen.

Um 7.12 Uhr zeigt ein Digital-Display in Alt-Eschersheim drei Grad minus an. Um 7.12 Uhr an einem Freitag ist das eine Information, die niemand haben möchte. Schon gar nicht die beiden Figuren, die durch die klirrende Nacht zur Fried-Lübbecke-Schule stapfen, gleiten, rutschen, schlurfen, fluchen. Dort in der Eschersheimer Grundschule Im Uhrig war Stunden zuvor der Dartpfeil der Zufallstreffer-Serie der FR gelandet. Dort sollten Fotograf und Schreiber nun hin.

Schon wieder!

Eschersheim – das gab’s doch schon mal als FR-Zufallstreffer? Richtig. Zum dritten Mal hat es den nördlichen Stadtteil getroffen. Warum nur?

Zufall? Absicht? Überzeugte Eschersheimer würden sicher sagen, die FR schaue eh nicht oft genug vorbei, da sei es nur gerecht… So würden aber auch alle anderen Stadtteile das sehen. Und im übrigen immer damit falsch liegen, aber diese kleine Leserschelte nur nebenbei. Nein, der Grund für den Mehrfachtreffer Eschersheim erklärt sich ganz anders.

Auf dem Stadtplan finden wir Eschersheim ungefähr in der Mitte rechts. Und diese Lage bringt dem Stadtteil einen Vorteil. Da die meisten Menschen Rechtshänder sind, haben sie automatisch beim Werfen einen Rechtsdrall. So man nicht absichtlich nach links zielt, in den Westen der Stadt, landet der Pfeil unweigerlich eher im Osten und wahrscheinlich eher in der Mitte, also im Norden. Deshalb wieder Eschersheim. Aber wir geloben Besserung.

In der warmen Redaktionsstube war das noch als eine ganz annehmliche Idee erschienen: Nachschauen, wie der Tag in einer Schule beginnt, eben vor dem Ansturm der Schüler. Im Sommer wäre das auch schön, aber irgendwer hatte entschieden, dass die FR-Leute ihre Zufallstreffer-Geschichten bei stetig abnehmenden Temperaturen würden schreiben und fotografieren müssen. Eine großartige Entscheidung.

Sei’s drum, jetzt mal nicht piensig werden oder gar Müdigkeit vorschützen. Klaus-Eberhard Weber ist schließlich schon putzmunter als die beiden Fremdlinge, die verdächtigerweise auch noch den gleichen Vornamen tragen, in seinen ureigensten Bereich eindringen. Der Hausmeister – „Das heißt Schulhausverwalter!“ – der Fried-Lübbekke-Schule wohnt auch gleich um die Ecke, hat es also weder so weit wie der eine Peter aus Bornheim noch wie der andere aus Bockenheim. Sie, die beiden Aliens hier, haben klar den Schwarzen Peter.

Heimvorteil für Weber

Weber hat wirklich den Heimvorteil: Zwölf Jahre ist er bei Fried-Lübbecke Hausmeister – ja ja, schon gut: Schulhausverwalter. Gleich nach der großen PCB-Sanierung kam er dorthin. PCB sind „Polychlorierte Biphenyle“, krebsauslösende Kunststoffe, die zum Abdichten und Isolieren benutzt wurden, bis sie ein weltweites Verbot ereilte und sie aus allen Häusern schnellstens rausmussten. .„Das war ja damals fast wie eine Brandsanierung hier “, sagt Weber und streicht über die Wände des 60er-Jahre-Baus. „Jetzt ist alles wie neu.“ Dann denkt er kurz nach. „Naja, da kann man auch mal wieder was nachbessern. In zwölf Jahren nutzt sich dann doch was ab.“

Bevor das Gespräch auf die ungeahnten Kräfte von Grundschülern kommen kann, wendet sich Weber ab, ruft ein fröhliches „Guten Morgen!“ in die Nacht. Aus der schält sich das strahlende Lächeln von Schulsekretärin Ayla Yilmaz. Um zehn vor sieben sei sie aufgestanden, sagt die fröhliche junge Frau. Jetzt ist es keine 40 Minuten später. „Ich wohne ja auch um die Ecke.“

Und dann kommt auch noch der gut gelaunte Schulleiter Michael Bock aus Bad Vilbel an, parkt sportlich rückwärts über Eis und Schnee ein. Um sechs ist er aufgestanden, hat seine Kinder schon zur Schule gebracht… „Erstmal Kaffee! Und ein Blick in die FR: Man muss ja wissen, was andere Schulen so machen oder was der Ortsbeirat beschließt.“ Um acht Uhr hat er seine erste Klasse, Mathematik. Noch ein Plausch mit Yilmaz, währenddessen laufen die Kolleginnen ein, eine jede ein freundlich aufgewecktes „Guten Morgen“ auf den Lippen. Die Reporter nehmen Reißaus.

Die warme Schreinerei

Draußen, gegenüber dem brandneuen Niedrigenergiehaus für die Frühbetreuung prangt ein Graffiti des stadtbekannte Sprayers „Bomber“: „Ich möchte ein Eisbär sein“. Die FRler erinnern sich an ihre Jugend: „80er, Neue Deutsche Welle, der einzige Hit der Schweizer Band Grauzone…“ Dann merken sie, dass sie nie Eisbären sein wollten, an diesem Morgen sowieso nicht. Wenn sie sich nicht sofort bewegen, werden sie nie aus der Eishölle Im Uhrig herauskommen.

Da! Ein Licht in der Dunkelheit: In der Schreinerei Robert Lott an der Straße Alt-Eschersheim haben sie noch viel früher angefangen zu arbeiten als in der Fried-Lübbecke-Schule, in der nun 146 ausgeschlafene Grundschüler einen weiteren spannenden Schultag angehen. Claudia Bleier ist mindestens so ausgeschlafen wie die Eschersheimer Jugend. Die Schreiner-Gesellin ist seit 1981 bei Lott, nur durch Elternzeit unterbrochen. Sohn Manfred führt den vom Vater 1964 gegründeten Betrieb. Während Bleier und Kollegen in der warmen Schreinerei werkeln, disponiert der Chef im gut geheizten Büro nebenan. „Heute geht’s so bis halb drei“, brummt Lott. „Freitags machen wir nicht unbedingt die größten Montagen“, außer, ein guter Auftrag macht Überstunden nötig. Die Schreinerei hat ihr Auskommen. „Zu den Zeiten unserer Eltern war das mal anders“, so gut werde man einfach nicht mehr verdienen, aber es geht: Ausbesserungsverträge mit Wohnbaugesellschaften, Reparaturen für Polizei und Versicherungen – die Einnahmen sind sicher. Lott muss nun seine fünf Montagewagen koordinieren und die Reporter müssen weiter.

Highheels vs. Profilsohlen

Über Eschersheim bricht nun ein blaugrauer Morgen heran. Menschen streben ihrem Tagewerk entgegen, manche stöckeln gar, durch Schnee, Splitt und Eis, als wäre Rutschgefahr nur was für Profilsohlen. Die FR-Reporter wenden ihre ungläubigen Blicke lieber der Batschkapp zu , die kennen und verstehen sie von vielen langen Nächten vor langer langer Zeit. Und dann ist da der Bahnhof Eschersheim, Landmarke auf einem unfassbar schnurgeraden Gleisstück mitten durch die Stadtnatur. „Wie ein französischer Vorortbahnhof“, brummt der eine Peter, der andere brummt Zustimmung. Frankreich wäre jetzt gut, Sonne und Sommer auch.

„Wärme ist Wohlfühlen“ hat der Graffiti-„Bomber“ an einen Mainova-Bau gegenüber dem Bahnhof gestempelt. Mit fiebrigen Augen steigen die FR-Reporter aus Alt-Eschersheim empor – und siehe da: Hinter dem Weißen Stein leuchtet ihnen ein Schild entgegen: „Helga’s Schlemmerlädchen“, eine ehemalige Schleckerfiliale. Helgas Apostroph ignorieren die beiden, sie sehen nur noch Kaffeemaschine und Croissants…

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