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Zukunft des Mainfelds: Eineinhalb Zimmer

In den Türmen der Niederräder Siedlung streiten Mieter und ABG - wieder einmal. Die Bewohner glauben, die ABG mache die Siedlung schlechter als sie ist.

Siedlung Mainfeld in Frankfurt-Niederrad.
Siedlung Mainfeld in Frankfurt-Niederrad.
Foto: Alex Kraus

Ein Mann mit übertriebenen Ansprüchen ist Günter Oschinski nicht. Zumindest nicht, wenn es um seine Wohnung geht. Eineinhalb Zimmer, 42,5 Quadratmeter – das reicht Günter Oschinski. „Vollkommen“, sagt der 54-Jährige. Vom Wohnzimmer führt eine Tür zum kleinen, abgetrennten Schlafraum; Nähe, die Oschinski praktisch findet. „Ich fühl mich wohl. Für eine Person ist diese Wohnungen ideal.“ Oschinski wohnt im zweiten Stock des Hauses Im Mainfeld 21 – und damit mitten in der Niederräder Siedlung, deren Zukunft seit April 2009 diskutiert wird.

Oschinski macht das Sorgen: Er will nicht weg. Trotz vorhandener Sanierungsmängel. Und auch trotz der Größe von „nur“ eineinhalb Zimmer. Oschinski betont diesen Zusammenhang. Derzeit empfinden er und andere Mieter wie etwa Wolfgang Jefinek es so, dass die vermeintlichen kleinen Wohnung von der ABG „schlecht“ gemacht würden – um so weitere Argumente für einen diskutierten Totalabriss zu sammeln. Beispielhaft ist dafür ein Magistratsbericht. Die zur ABG gehörende Wohnheim formuliert darin, dass Im Mainfeld zu einem „Großteil“ „lediglich kleine 1-Zimmer-Wohnungen“ existieren würden. Dies sollen verschwinden: Mehr 3- bis 5-Zimmer-Wohnungen sollen entstehen – als kinder- und familienfreundlichen Wohnraum.

Gerhard Kampschulte, Anwohner und Sprecher der Mieterinitiative Im Mainfeld, sieht darin reineTaktik: Die Wohnungen würden schlecht geredet werden, um den Abriss zu beschleunigen. Im Planungsdezernat hat er Beschwerde eingelegt. Kampschulte behauptet, dass zu den Wohnungsgrößen falsche Angaben gemacht wurden. Fälschlicherweise würde nur von Einzimmer-Wohnungen gesprochen statt von eineinhalb. ABG-Geschäftsführer Frank Junker widerspricht. Die Zahlen der Wohnheim seien korrekt, betont er.

Glauben will das bei der Mieterinitiative niemand. Und gegen die vermeintliche Negativkampagne wollen sie nun angehen: Die Initiative lädt Stadtverordnete ins Mainfeld ein, um sie durch die Wohnungen zu führen und zu zeigen, was das Mainfeld ausmacht – und was nicht. Stadtverordnete wie Rainer Rahn, Claudia Volpp (beide FAG) sowie Katharina von Beckh (Freie Wähler) sind auf das Angebot bereits eingestiegen: „Es ist absolut sinnvoll, sich das anzusehen. Ich war angenehm überrascht“, sagt Volpp. Kampschulte betont, dass es sich bei den ausgewählten Wohnungen nicht um Vorzeigeexemplare handele. Man wolle nur ein differenziertes Bild vermitteln. Liebevoll eingerichtete Wohnungen, aus denen Mieter wie Jefinek und Oschinski nicht weg wollen, gehören dazu. Genauso aber auch Uringestank und Graffiti in Treppenhäusern.

Auch der Ortsbeirat 5 hat dieser Idee zugestimmt. Das ist überraschend – denn obwohl Ortsbeiräte wie Ralf Heider (SPD) seit Monaten gegen die Pläne wettern, hat die Mieterinitiative dort nicht den besten Ruf. Zum einen stellt sie hochgerechnet auf die rund 2000 Bewohner des Mainfeldes nur eine Minderheit dar. Dazu kommen interne Scharmützel: So hat sich die Initiative mit dem in den Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mainfelds eingebundenen Quartiersmanager Friedrich Berndt vollkommen überworfen. Die ABG setzt da nun an: Ab Oktober will die Gesellschaft pro Haus regelmäßige Mieterversammlungen einberufen. ABG-Chef Junker verspricht sich davon, dass jedes Haus ein „demokratisch legitimierten Mieterbeirat“ wählt. Die selbst ernannte Mieterinitiative könnte dann nicht mehr für alle sprechen.

Autor:  Jan Szyszka
Datum:  30 | 8 | 2010
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