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Frankfurt
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21. September 2010

Zusammenleben der Kulturen: Integration geht Alle an

 Von Anita Strecker
Frankfurter Nebeneinander  Foto: FR/Arnold

47.000 Frankfurter bloggten zum neuen Integrationskonzept der Stadt. 150 kamen am Montag in den Integrationsausschuss. Die Mainmetropole muss aus dem Konzept nun konkrete Handlungen formulieren. Für ein Miteinander statt einem Nebeneinander.

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Das Konzept

Am 1. Oktober 2009 stellte Frankfurts Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg den Entwurf des neuen Integrations- und Diversitätskonzept zur Diskussion. Es definiert Frankfurt als Stadt, die von urbaner Mobilität und Vielfalt geprägt ist – als Wirtschaftsmetropole wie als Einwanderungsstadt.
Adressiert ist das Konzept deshalb nicht nur an die Neuankömmlinge, sondern an alle Bürger, unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus.
Ansatzpunkt ist die gegenseitige Anerkennung. Das Konzept stellt Einwanderergruppen nicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft gegenüber, sondern geht von dynamischen, sich überkreuzenden und weiter ausdifferenzierenden Milieus aus. Es verlangt von Migrantinnen nicht, sich der Mehrheitsgesellschaft unter Aufgabe der eigenen kulturellen Wurzeln, anzupassen. Die komplexe Vielfalt einer globalisierten Stadt wird als Herausforderung und als Chance für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Institutionen verstanden. (ana)


"Vielfalt bewegt Frankfurt." Dieses Motto, das Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg für ihren Entwurf eines Integrations- und Diversitätskonzepts ausgegeben hat, darf nach den neun Monaten öffentlicher Diskussion und dem vorläufigen Finale bei der Sitzung des Ausschusses für Integration am Montag – mit rekordverdächtigen 150 Besuchern – wortwörtlich genommen werden. Nach Auskunft von Armin von Ungern-Sternberg haben sich allein über den Online-Blog zur Debatte 47.000 Frankfurter mit Beiträgen zu einzelnen Punkten des Konzept geäußert.

Es ging ganz allgemein vom Thema Vielfalt, wie sie wahrgenommen wird über ganz konkrete Vorschläge zu Frühförderung, Kinderbetreuung, Schulen, Erwachsenenbildung, Deutschförderung, bis hin zu Themen Religion, religiöse Vielfalt, Integration durch Arbeit und Wirtschaft oder durch das Wohnumfeld. Nicht zuletzt befassten sich die Teilnehmer mit ganz konkreten Angeboten und Notwendigkeiten in den Stadtteilen.

„Diese breite Beteiligung hat es noch nie gegeben“, lobt Thomas Kirchner, sozialpolitischer Sprecher der CDU. Und das „Neuland“ wurde auch entsprechend dokumentiert: Auf 226 Seiten wurden die drei Dialogphasen der Bürgerbeteiligung via Internet vom Integrationsdezernat aufgearbeitet, Originalbeiträge gibt es auf einer CD-Rom nachzulesen. In der letzten Phase wurde es konkret, ging es um Stadtteilarbeit, konkrete Probleme und Vorschläge, die Teilnehmer konnten sogar live miteinander kommunizieren und diskutieren. So wurde unter anderem gefordert, mehr internationale Sportarten zu unterstützen, ebenso offene Kultur-, Tanz- und Treffmöglichkeiten. Beim Thema Bildung wiederum wurden mehr Nachhilfeangebote angemahnt, Sprachtandems angeregt, die zentral organisiert werden sollten und nicht zuletzt wurde vorgeschlagen, dass sich alle Schulen der Kampagne „Schule ohne Rassismus“ anschließen.

Vom Allgemeinen zum Konkreten hat die Debatte Fahrt aufgenommen. „Und wir sind nicht nur in der Beteiligung neue Wege gegangen, auch in der anschließenden Aufarbeitung“, sagt Dezernatssprecher Armin von Ungern-Sternberg. Und die Beiträge hätten auch durchaus Niederschlag im Konzept gefunden, versichert er. „Alles wurde inhaltlich ausgewertet.“ Die 60 Handlungsleitlinien, die im Konzept stehen griffen viele Anregungen der Bürger auf, allgemeine Kommentare seien in den 55 Zielen des Konzeptes aufgenommen.

Die Zahlen geben den Weg vor

Nicht nur die breite Beteiligung, auch der neue Ansatz, dass Integration nur gelingen kann, wenn es Anerkennung und Respekt auf beiden Seiten gibt, ist für den Christdemokraten Thomas Kirchner der richtige Weg, der sich allein aus Zahlen ergibt, wie er am Montagabend im Ausschuss dargelegt hat: 40 Prozent aller Frankfurter haben Migrationsgeschichte, bei zwei von drei Kindern sei mindestens ein Elternteil zugewandert.

Dass sich das Konzept nicht mehr mit dem Titel Integration begnügt, sondern Diversität im Namen hat, erkläre sich gleichfalls aus der Datenlage, wie Uwe Paulsen, sozialpolitischer Sprecher der Grünen, erklärt: „1970 kamen 75 Prozent der Zuwanderer aus fünf Herkunftsländern, heute stammen 75 Prozent aller Zuwanderer aus 80 Herkunftsländern.“ 170 Nationen in der Stadt seien schlicht eine Diversifizierung, „die Milieus haben sich verändert“ – die Probleme auch.

Richtig und wichtig sei deshalb, dass das Konzept verbindliche Handlungsrichtlinien und Rechte und Pflichten festlegt, die für alle gelten: Alle haben sich an die deutsche Rechtsordnung zu halten, das Wertesystem richtet sich ausschließlich nach dem Grundgesetz. Auch die ausdrückliche Forderung, dass alle Deutsch beherrschen sollen, nennt Paulsen richtig: „Niemand kann seine Interessen wahrnehmen, wenn er nicht Deutsch spricht.“

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