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Titelbild Rhönklinikum
Spezial: Rhön-Klinikum Marburg-Gießen
Bundesweit einmalig war die Privatisierung des Uniklinikums Marburg-Gießen Anfang 2006. Die Rhön-Klinikum AG erwarb für 112 Millionen Euro einen Geschäftsanteil von 95 Prozent. Den Rest hält das Land Hessen. Kritiker der Privatisierung sehen sich durch Berichte über eine schlechte Krankenversorgung, Personalmangel und erschwerte Arbeitsbedingungen bestätigt.


Privatisierungen

Rhön Klinikum reibt sich die Hände

Von Anna Sleegers

Frankfurt a.M. Der historische Einbruch der deutschen Wirtschaft bereitet nicht allen Unternehmen Sorgen. Die börsennotierte Krankenhauskette Rhön Klinikum rechnet sogar damit, dass ihr die Krise in die Hände spielt. Angesichts der prekären Lage der öffentlichen Hand hofft das Management auf eine regelrechte Welle von Klinikprivatisierungen - und will sich vorsorglich schon einmal mit frischem Kapital von der Börse eindecken.

"Angesichts einer Rezession mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von rund sechs Prozent werden die Kommunen und Länder ihrem medizinischen Versorgungsauftrag nicht mehr ausreichend nachkommen können", heißt es in einer Börsenmitteilung des Rhön Klinikums.

In der Rezession der Jahre 2002/03 hatten Länder und Kommunen dem Klinik-Konzern bereits 20 Einrichtungen zum Teil zu Schnäppchenpreisen überlassen. Nun hat er Appetit auf mehr.

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Rhön Klinikum betreibt bereits Krankenhäuser und medizinische Versorgungszentren an 37 Standorten, darunter auch das Universitätsklinikum Gießen-Marburg. Mittelfristig will das Unternehmen nach Worten seines Gründers und Aufsichtsratschefs Eugen Münch in Deutschland eine flächendeckende Versorgung anbieten können.

Wie das Unternehmen jetzt mitteilt, will es deshalb in der zweiten Jahreshälfte über eine Kapitalerhöhung etwa eine halbe Milliarde Euro für Zukäufe einsammeln.

Zumindest für die Aktionäre lohnt sich das Klinik-Monopoly. Denn während die Mehrzahl der deutschen Krankenhäuser bestenfalls kostendeckend arbeitet, fährt das Rhön Klinikum ordentliche Gewinne ein. Im vergangenen Jahr wies der Konzern einen Gewinn von 122,6 Millionen Euro aus. Der "Umsatz" - der sich zum überwiegenden Teil aus der Vergütung medizinischer Leistungen durch die Krankenkassen speist, belief sich nach Unternehmensangaben auf 2,1 Milliarden Euro.

Und wie kommen die hohen Gewinnspannen zustande? Glaubt man dem Unternehmen, liegt es vor allem an der Rationalisierung von Arbeitsabläufen. Darin üben sich zwar auch die Häuser in öffentlicher Hand schon seit Jahren, doch das Privatunternehmen hat dabei zwei entscheidende Vorteile: Schnelligkeit und Größe.

Schnell ist das Unternehmen vor allem bei Investitionen: Während ein kommunales Krankenhaus oft jahrelang auf Zuschüsse für kostensparende Modernisierungen warten muss, nimmt das Rhön Klinikum meist gleich nach der Übernahme ausreichend Geld für einen modernen Neubau in die Hand.

Und seine relative Größe erlaubt es dem Rhön Klinikum, den Einkauf und zum Teil auch Dienstleistungen zentral zu steuern, was erhebliche Einsparungen ermöglicht. In einer Region mit mehreren Einrichtungen des Konzerns kann es sich zum Beispiel lohnen, eine große Wäscherei zu betreiben, statt in jedem Haus eine eigene. Das spart Personal und Betriebskosten.

Von den Kassen vergütet werden die Kliniken jedoch zu den Sätzen, mit denen sich auch die deutlich ineffizienteren öffentlichen Krankenhäuser einigermaßen über Wasser halten können. Dank niedrigerer Kosten bleibt beim Rhön Klinikum dadurch am Ende ein erklecklicher Gewinn übrig. Die Aktionäre des Klinikbetreibers profitieren also im Grunde vom Modernisierungsbedarf der übrigen Krankenhäuser in Deutschland.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil des Rhön Klinikums ist, dass die meisten seiner 30.000 Beschäftigten nicht nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlen muss, sondern Haustarifverträge abschließen kann. Gerade in strukturschwachen Regionen, in denen es wenig berufliche Alternativen für das Pflegepersonal gibt, ist dies aus Sicht des Betriebswirts Gold wert.

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Dokument erstellt am 25.05.2009 um 10:44:02 Uhr
Letzte Änderung am 04.06.2009 um 09:13:19 Uhr
Erscheinungsdatum 25.05.2009
Kommentare
1. private kliniken
Die Ärzte haben einen gesetzlichen Auftrag zur Versorgung von Patienten zu einem - nicht von ihnen festgelegten - Tarif. Vorgeschrieben sind auch die Krankenversicherungen der Patienten. Wie ist es möglich, daß daraus eine Aktiengesellschaft Profit ziehen kann? Alle Beteiligten am Gesundheitssystem werden quasi zum Zahlen und Behandeln "verdonnert", während Kapitalgesellschaften sich daran bereichern. Ist eine solche Gelddruckmaschine unter Ausnutzung des Gesundheitssystems eigentlich verfassungsgemäß?



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2. Gewinne im Gesundheitswesen
Man kann ja vielleicht einiges an der Rhön-Klinik AG kritisieren, daß sie Gewinne macht ist aber doch nicht das Problem.
Jeder der im Gesundheitswesen beschäftigt ist lebt doch vom " Gewinn" den er daraus schöpft. Welcher ethische Unterschied ist denn zwischen dem Gewinn den eine Kreissparkasse aus dem Kredit zieht denn sie an einen niedergelassenen Arzt gibt und dem Gewinn den ein Aktionär erhält wenn er eine Rhön-Aktie hält ?
Auch der niedergelassene Arzt lebt von der Differenz zwischen seinen Einnahmen, der Großteil davon von den Krankenkassen und seinen Ausgaben für Praxisräume, Personal und Sachkosten, also vom Gewinn.
Aso bitte vernünftige Argumente bringen statt unreflektieter antikapitalistischem Mumpitz.



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3. Gewinne im Gesundheitswesen
Man kann ja vielleicht einiges an der Rhön-Klinik AG kritisieren, daß sie Gewinne macht ist aber doch nicht das Problem.
Jeder der im Gesundheitswesen beschäftigt ist lebt doch vom " Gewinn" den er daraus schöpft. Welcher ethische Unterschied ist denn zwischen dem Gewinn den eine Kreissparkasse aus dem Kredit zieht denn sie an einen niedergelassenen Arzt gibt und dem Gewinn den ein Aktionär erhält wenn er eine Rhön-Aktie hält ?
Auch der niedergelassene Arzt lebt von der Differenz zwischen seinen Einnahmen, der Großteil davon von den Krankenkassen und seinen Ausgaben für Praxisräume, Personal und Sachkosten, also vom Gewinn.
Aso bitte vernünftige Argumente bringen statt unreflektieter antikapitalistischem Mumpitz.



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4. @Frieder Bock
Lieber Herr Bock,
Sie vergessen leider, dass es sich bei den von Rhön und anderen privaten Investoren übernommenen Krankenhäusern um das Eigentum der Steuer- und Beitragszahler handelt. Ich halte es durchaus für problematisch, dass diese erst zu Schleuderpreisen verkauft werden um dann Beitragsgelder in Dividenden umzuwandeln. Auch wenn diese Gesellschaften es gerne so sehen wollen, ist die medizinische Versorgung nicht irgendein beliebiges Produkt. Ich gebe Ihnen Recht, dass es nicht schändlich ist, Kliniken so zu organisieren, dass sie Gewinn abwerfen - nur sollte dieser nicht Aktionären, sondern dem Gesundheitssystem zu Gute kommen.



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