In der Kinderarztpraxis zeigen uns die Kinder im Advent und über Weihnachten, wie es ihren Eltern geht: Erst war das Wartezimmer knüppelvoll durch die Schweinegrippen-Hysterie, dann war´s zwei Wochen lang relativ ruhig. Jetzt steigt die Hektik wieder, denn die Eltern wollen ja, dass Weihnachten Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. Und die Kinder bekommen die Anspannung zu spüren.
Nach Weihnachten wird´s dann bei uns eigentlich noch schlimmer - dann kommen die Eltern zu uns, weil die Kinder Bauchschmerzen und andere psychosomatische Symptome zeigen. Und manche geben zu: "Bei uns ging´s nicht gut zu an Weihnachten, jetzt geht´s uns allen schlecht." Weihnachten ist also eigentlich das Fest der Angst, dass es misslingt.
Da ich die Kindernotdienste über die Feiertage in Frankfurt leite, bekomme ich auch mit, dass dort die Praxen voll sind - die Eltern werden immer unsicherer, wie sie mit kleineren Erkrankungen umgehen sollen, eine Großmutter ist oft nicht in der Nähe, die die Hausmittel noch kennt oder die Eltern beruhigt. Die lesen im Internet nach, wo in der Regel großer Mist steht und landen dann bei uns.
Der Countdown
Rainer Felsenhorst (59) ist Kinderarzt in einer Praxis in Griesheim und leitet die Kindernotdienste über die Feiertage.
21 Tage lang haben Frankfurterinnen und Frankfurter verraten, wie sie sich auf Weihnachten und die Feiertage vorbereiten. Mit der heutigen Folge endet unser Blick hinter die "Türchen" des lebenden Adventskalenders.
21 Tage lang haben Frankfurterinnen und Frankfurter verraten, wie sie sich auf Weihnachten und die Feiertage vorbereiten. Mit der heutigen Folge endet unser Blick hinter die "Türchen" des lebenden Adventskalenders.
Zu Hause wünsche ich mit mehr Zeit für mein Enkelchen, das jetzt 16 Monate alt ist. Ich freue mich sehr auf Heiligabend, wenn meine Kinder und ihre Familien zu uns kommen. Groß streiten tun wir nicht, weil wir uns oft sehen und Konflikte schon unterm Jahr austragen. Wir essen lecker zusammen, singen viel mit Gitarre und Flöte. Das habe ich mir als Kind immer gewünscht. Ich bin ziemlich eingeengt aufgewachsen, weil es bei uns schwere Erkankungen gab. Ich wollte dann eine Familie, in der es anders und unbeschwerter ist. Trotzdem will ich auch an Weihnachten und übers Jahr nicht auf Zeit für mich alleine verzichten - zum Spazieren in der Natur, Essen genießen, Musik hören, eben alles, was den Sinnen gut tut.
Aufgezeichnet von Annegret Schirrmacher



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