Seifenblasen kommen auf Promo-Fotos von Musikern öfter mal zum Einsatz, wahrscheinlich weil es sich hübsch macht und Luftigkeit vermittelt. Bei den Raveonettes verbinden sich die Seifenblasen aber tatsächlich mit der Musik auf ihrem Album "In and out of control". Leicht und luftig sind alle elf Pop-Ballons, die auf der Platte an einem vorbeischweben. Viel Wert legt das dänische Duo auf eingängige Melodien, die Sharin Foo ebenso engelsgleich wie kühl singt. Sune Rose Wagners Gitarre klingt dazu so fern wie der mit Sehnsüchten gefüllte Himmel.
Zeitlich wird man in die frühen sechziger Jahre zurückversetzt, als Bands wie die von Phil Spector produzierten Ronettes (die Ähnlichkeit im Namen ist kein Zufall) mit ihrem Frohsinn Furore machten. Den hört man auch in dem dezent mit Elektronik versetzten Retro-Pop der Raveonettes, doch Titel ("Gone forever", "Suicide", "Boys who rape") und Texte vermitteln etwas Anderes, geradezu Gegensätzliches. Tod, Gewalt und Verlust ziehen sich durch die Zeilen. Wenn dann wie in "Suicide" im Stile eine routinierten Background-Chores "oh, oh, oh" gesungen wird, kann es einen schon gruseln. Man kann das aber auch ausblenden und bei den düster-morbiden Titeln des Duos einfach mitpfeifen.
Mag sein, dass die Raveonettes die Harmlosigkeit der frühen Beatmusik vorführen wollen. Vielleicht haben sie aber einfach die düsteren Noise-Elemente, die ihren vorangegangenen Produktionen eigen waren, auf die Text-Ebene verlagert.
Womöglich waren ihnen die einschneidenden Veränderungen ihres Sounds selbst nicht ganz geheuer. Das Duo stellte jedenfalls jeweils aktuelle Rohfassungen ihrer neuen Stücke ins Netz und bat ihre Fans um Kommentare. So kam es auch zum Albumtitel "In and out of control".
The Raveonettes, 9.2., 21 Uhr, Hafen 2, Offenbach, Hafen 2 a


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