Als Tricky 1995 sein Solodebüt "Maxinquaye" herausbrachte, war der Schwarzseher aus Bristol gerade Mitte 20. Ein vergleichsweise jugendliches Alter, um für einen Pop-Klassiker verantwortlich zu sein. Den schnell geprägten Genrebegriff für die ungemütlich abwärts kriechende Groovemusik, Trip Hop, hat Tricky nie gemocht. Er sträubte sich stets dagegen, in einem Atemzug genannt zu werden mit den anderen Bristoler Downbeat-Größen Portishead und Massive Attack. Selbst zu Letzteren, deren Mitglied Tricky vor langer Zeit mal war, fällt dem heute 40-Jährigen nichts Freundliches ein: "Keine Ahnung, was Massive Attack heute machen. Ich habe ihre Musik zuletzt gehört, als ich selbst noch in der Band war."
Nun ist 2008 zum Jubeljahr des Trip Hop avanciert. Alle Veteranen haben klasse Alben veröffentlicht. Trickys Beitrag zum Bristol-Revival heißt "Knowle West Boy", benannt nach dem Brennpunktviertel der Küstenstadt, in dem der jamaikanisch-stämmige Musiker aufwuchs. Das Album erinnert an einen subjektiven Hörfilm. Tricky verknüpft darin Versatzstücke der eigenen Sozialisation innerhalb der Underdog-Bohème Bristols. Bar-Piano klimpert zur Late Hour, angeschossene Techno-Klänge setzen den flackernden Puls, Rap-Einlagen lösen die berühmten gehauchten Wortkaskaden ab, orientalische Streicher stoßen auf scharfe Punk-Gitarren. Kontraste, die sich zum engverwobenem Strom fügen.
Viel davon eignet sich als drückender Soundtrack für einen apokalyptischen Großstadtfilm wie "Blade Runner". Offenbar ist Bristol noch immer ein sprudelnder Quell für urbane Melancholie. Nicht mal eine vernünftige Konzerthalle gebe es dort, echauffierte sich unlängst Portishead-Klangschöpfer Adrian Utley und fügte an: "Über Bristol könnte ich mich stundenlang aufregen." Tricky dürfte da wieder gänzlich anderer Meinung sein. Sein jüngstes Album ist schließlich nichts anderes als eine Liebeserklärung an die sieche Heimat.
Tricky, 12.10., 21 Uhr, Mousonturm, Frankfurt, Waldschmidtstraße 4,
Telefon 0 69 / 40 58 95 20

Verlinken












