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18. März 2010
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Leitartikel

Burger statt Blickachsen

Von Stefan Behr

Ja, sind wir denn in Disneyland? Die Idee, den "Hamburger am Turm" im November dichtzumachen und dann abreißen zu lassen, ist so unglaublich bescheuert, dass sie eigentlich schon wieder lustig sein könnte. Wenn nicht an dieser ohne jede Not geborenen Schnapsidee berufliche Existenzen zugrunde gingen und wenn es nicht um den eigenen Magen ginge, der nach dem Kinobesuch zwackt und zwickt, wenn er sich der cineastischen System-Nachos-mit-Käse-Schandgastronomie verweigert.

Wenn aus dem Planungsamt von einer "fehlenden Blickachse auf den Eschenheimer Turm" schwadroniert wird, dann möchte man diesen Menschen zubrüllen: Wir reden hier von einer der hässlichsten Ecken Frankfurts, einem Platz, der eigentlich nur aus Hauptverkehrsstraßen besteht, auf denen man totgefahren wird, wenn man mal vom Film benommen aus dem Kinosaal auf die Gass´ taumelt. "Zielsetzung ist die Verbesserung des Querungskomforts für Fußgänger" - ja Himmelarschundzwirn, dann macht halt die Straßen dicht, aber lasst in Gottes Namen die Finger von der Imbissbude.

"Sicherheit für Mensch und Kunst", "Nachvollziehbarkeit der durchgängigen Grünanlage", die "von Fremdeinflüssen zu bereinigen sei" - was die Stadtverwaltung in ihrer Korrespondenz so alles zusammensalbadert, lässt den Eindruck entstehen, die Verfasser lebten in einer völlig anderen Stadt als man selbst.

Es gibt nämlich auch noch Frankfurter, die zwar nicht auf Kunst pfeifen, denen es aber dennoch lieber wäre, Frankfurt hätte ein ordentlich ausgeschildertes Radwegenetz statt Metallbäume oder ähnlich nützliche Kunstwerke, die einem alle naslang Weg und Sicht versperren. Es gibt Frankfurter, die lieben ihre Stadt eben wegen ihrer speckigen Trinkhallen und unschönen Imbissbuden. Die pfeifen auf amerikanische Kaffee-und-Bagel-Unkultur, die wollen einfach mal nachts eine fiese Curry-Wurst essen, ob mit oder ohne Blickachse auf den Eschenheimer Turm ist völlig wurscht, Hauptsache mit Pommes und Mayo.

Es langt jetzt langsam. Bänke werden abmontiert, weil Obdachlose darauf saufen könnten, Imbissbuden werden geschlossen, weil sie Blickachsen stören, die Stadtgesellschaft unterhält sich darüber, wie sie 2030 leben will - aber wen nach Mitternacht der kleine Hunger packt, der steht vermutlich schon 2010 mit seinem kurzen Hemd vorm Bahnhof.

Schluss jetzt! Das Schöne an völlig blödsinnigen Ideen ist ja, dass man sie nicht umsetzen muss. Wurstfreunde, wehrt euch! Baut Hüttendörfer! Bildet Banden! Wo der Mitternachts-snack unmöglich wird, wird Widerstand zur Pflicht. No pasaran! R12
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Dokument erstellt am 06.10.2009 um 19:02:02 Uhr
Letzte Änderung am 06.10.2009 um 21:33:20 Uhr
Erscheinungsdatum 07.10.2009 | Ausgabe: s
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