Fünfzig Jahre nach Beginn der Anwerbeabkommen, die die Bundesrepublik nach und nach mit Mittelmeerländern abschloss, würdigt Frankfurt die Arbeitsmigranten der ersten Generation. Das ist eine Geste, auf die viele lange Zeit gehofft und gewartet haben. Insofern ist es auch eine Geste von großer Symbolkraft. Sie wird all die Menschen mit der Stadt versöhnen, die als junge Menschen kamen, gearbeitet haben und hier nun oftmals als kränkelnde Senioren leben. Wenn heute Abend in der Paulskirche ihre Namen aufgerufen werden, dann werden dem einen oder anderen der 50 Frauen und Männer sicherlich die Augen tränen.
Es werden wohl nicht nur Tränen der Freude sein. Denn diese Feierstunde wird gewiss auch die Erinnerungen an die Zeit des Weggehens und Ankommens in Deutschland wecken.
Es sind Erinnerungen, die viele tief im Gedächtnis vergraben haben, weil sie mit Trauer und Schmerz verbunden sind.
Familie, Freunde, liebgewonnene Gerüche und Landschaften hinter sich zu lassen, all dem Vertrauten den Rücken zu kehren und sich auf völlig Fremdes einzulassen, ohne dem Trübsinn zu verfallen, das ist ein Kraftakt. Sprachlos, orientierungslos und bodenlos - so haben sich die Menschen gefühlt, die etwa aus den anatolischen oder sizilianischen Dörfern hierherkamen.
Um dieses Gefühl wissen die, die aufbrechen mussten, weil es ums nackte Überleben ging, weil mit Deutschland die Hoffnung auf ein besseres, ein würdevolleres Leben verbunden war. Es ist daher alles andere als ein Zufall, dass es die Kommunale Ausländervertretung war, die die Feierstunde in der Paulskirche initiierte.
Denn das Gremium setzt sich aus Menschen zusammen, die auf die eine oder andere Weise einen Bezug zu den Menschen haben, die heute im Mittelpunkt stehen werden. Sei es, weil sie selbst als angeworbene Arbeitskräfte kamen, sei es, dass sie Nachkommen dieser Generation sind oder weil sie aus persönlicher Erfahrung wissen, wie wichtig es ist, mit dem Gefühl, willkommen zu sein, durch die Straßen von Frankfurt zu schreiten.
Die Stadt hat nun einen offiziellen Schritt gemacht, ihre eingewanderten Bürger an den Ort eingeladen, der von hoher Bedeutung für die deutsche Geschichte ist. So wichtig dieser Schritt ist, so wichtig ist es auch, darauf hinzuweisen, dass das allein nicht reicht. Die Kultur des Willkommenheißens gilt es, auch und vor allem im Alltag zu pflegen.
Die Politik geht - wenn auch recht spät - mit guten Beispiel voran. Jetzt ist es an den einzelnen Bürgern dieser Stadt, diese Geste im eigenen unmittelbaren Umfeld umzusetzen.

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