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09. Februar 2010
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Leitartikel

Bittere Lehre

Endlich ist Schluss mit der Impfmüdigkeit – aber nun gibt es plötzlich keinen Impfstoff mehr gegen die Schweinegrippe. Da ist irgendetwas verkehrt gelaufen.
Von Friederike Tinnappel

Morgen ist der 11.11. Dieses Datum mag vielen egal sein, für die anderen beginnt an diesem Tag, genau genommen ab 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit, der Karneval. Mit der Schweinegrippe ist es ähnlich. Da gibt es die ewigen "Ich-Doch-Nicht"-Impf-Gegner und diejenigen, die sich jetzt ernsthaft Sorgen machen, was auf sie und ihre Familien zukommt.

Am Ende der vergangenen Woche hat die Trendwende begonnen. Plötzlich wollten sich ganz viele impfen lassen, die bisher eher zurückhaltend waren. Und was mussten sie feststellen: Der Impfstoff war ausgegangen, jetzt stehen sie auf irgendeiner Warteliste. Da ist irgendwas verkehrt gelaufen.

Der Impfstoff Pandemrix wird vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline hergestellt - und dort lahmte die Produktion. Das Virus gedeihe in den eigens für die Produktion hergestellten Hühnereiern nur mäßig, heißt es. Dass es Engpässe geben würde, war von Fachleuten befürchtet worden. Deshalb wurde Pandemrix sogenannte Wirkstoffverstärker beigemischt, die jetzt für mehr Nebenwirkungen sorgen als bei dem amerikanischen Konkurrenten Celvapan, den jetzt die Bundeswehr bekommt. Celvapan hat keine Wirkstoffverstärker, das heißt die Herstellung verläuft noch zögerlicher als bei "Pandemrix".

Zum Glück werden bald weitere Impfstoffe erhältlich sein - Focetria und Zelltura. Konkurrenz belebt das Geschäft, und so wird der Impf-Engpass bald ausgestanden sein. Die Frage bleibt, warum nicht gleich genug Impfstoff - egal von welcher Firma oder welchen Firmen - geliefert werden konnte. Klar, dass die Bestände, die jetzt zur Verfügung stehen, den Personengruppen zugute kommen sollen, die besonders gefährdet sind, die für die Sicherheit im Land eine besondere Bedeutung haben wie Polizei und Feuerwehr oder aus beruflichen Gründen mit vielen Menschen zusammenkommen wie Lehrer und Erzieher.

Auch wenn die Behörden etwa das Frankfurter Gesundheitsamt gelassen bleiben und mit Besonnenheit reagieren -irgendwie scheinen alle doch ein bisschen überrascht zu sein, jetzt, wo die Grippe durch das Nichterscheinen der Erkrankten sichtbar geworden ist. Leere Klassenräume gibt es schon, wie wird sich die Schweinegrippe auf die Betriebe auswirken? Gerade erst ist die Pandemie dabei, ins allgemeine Bewusstsein vorzudringen.

Bleibt die I-Frage. Und die ist eigentlich ganz einfach zu beantworten. Wenn wir uns alle impfen lassen, schlagen wir der Schweinegrippe ein Schnippchen. Wir müssen nicht darauf verzichten, uns zur Begrüßung die Hand zu schütteln - und können auf den Fastnachtssitzungen weiter hingebungsvoll schunkeln.
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Dokument erstellt am 09.11.2009 um 19:02:01 Uhr
Letzte Änderung am 10.11.2009 um 09:51:49 Uhr
Erscheinungsdatum 10.11.2009 | Ausgabe: s
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