Die Wiesbadener Sozialdemokraten haben verstanden, um was es geht. Deswegen wollen sie am Dienstag bei einer Diskussionsveranstaltung im Pastis nicht allein danach fragen, wie Wiesbaden als Stadt der Zukunft sein könnte. Sie wollen wissen, wie sich die Landeshauptstadt perspektivisch in der Metropolregion verorten sollte.
Der Hinweis auf diesen Termin unter anderem mit dem früheren Flughafen-Manager Wilhelm Bender und dem aktuellen Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider ist im Grunde nur ein weiterer Beleg dafür: Die Region redet mit einer bis dahin nicht gekannten Ernsthaftigkeit über sich selbst.
Und ist offensichtlich bereit, etwas bis dahin als ungewöhnlich Geltendes auszuprobieren. Etwa mit dem Bemühen, interkommunale Gewerbegebiete auszuweisen. Ein Projekt, das nicht daran scheitern muss, dass die Beteiligten allein ihre eigenen Interessen im Auge haben und schlussendlich dann doch nichts passiert. Wie oft sahen sich früher die Kleineren von der großen Stadt am Main über den Tisch gezogen.
In den neuen Gewerbegebieten, die sich ähnlich wie in Hammersbach ein gemeinsames Thema wie die Logistik vornehmen sollten, muss sich niemand übervorteilt fühlen - vorausgesetzt, man findet einen Schlüssel für die Verteilung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Daran dürfte am Ende alles hängen. Wenn Frankfurt auf die eigenen Sätze den Regelsatz erhebt, Eschborn oder Bad Vilbel aber mit geringeren Tarifen zurechtkommen sollen, wäre das nur schwer plausibel zu machen.
Ebenso wie das Modell, nach dem alles in einem Topf landen würde, um es dann brüderlich zu teilen. Vermutlich führt kein Weg daran vorbei, bestimmte Bereiche des Frankfurter Stadtgebiets mit dem Verweis auf ungenutzte Potenziale zu einem Bereich wirtschaftlicher Sondernutzung zu deklarieren. Damit ließe sich dort ein niedrigerer Hebesatz für die Gewerbesteuer festsetzen. Dann würden in Sossenheim an der Grenze zu Eschborn und in Bergen-Enkheim nach Bad Vilbel hin andere Tarife gelten. Es wäre ungewöhnlich. Da muss man auch in Kauf nehmen, dass manche nach Luft schnappen.
Sollen sie ruhig. Schließlich geht es um Auswege aus dem immer wiederkehrenden Dilemma. Wie zuletzt beim Bau von Reihenhäusern in Ginnheim. Die Argumente der Gegner, auf dieses Vorhaben zu verzichten, weil damit eine Frischluftschneise verschwinde, sind durchaus plausibel. Und doch muss man zur Kenntnis nehmen: Viele Menschen wollen unbedingt in der Stadt leben. Also ist die Ansiedlung von Gewerbe wie der Bau von Wohnungen im Grunde zentrale Aufgabe eines Ballungsraum, der sich als Metropolregion verstehen will.


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