An diesem Morgen fallen dicke Schneeflocken auf die Kurstadt. Der Rasen im Sportzentrum Nordwest verschwindet unter einer zentimeterdicken weißen Schicht. Während der Platzwart per Mobiltelefon für die paar Schaulustigen klärt, ob die Litauer noch kommen, hat Nationaltrainer José Couceiro die Spieler schon zur Taktikbesprechung gebeten. Aufgrund des vielen Schnees fällt die morgendliche Trainingseinheit also aus.
Der Portugiese im Dienst des litauischen Fußballverbandes fürchtet offenbar weitere Verletzungen. Schließlich musste einer seiner Spieler schon wieder aus dem Trainingslager in der Kurstadt abreisen und auch der 31-jährige Teamkapitän Thomas Danilevicius kämpft mit leicht lädierten Bändern. Auf den können die Litauer am Samstag aber nicht auch noch verzichten. Von den sechs Toren der Litauer in den WM-Qualifikationsspielen hat er drei erzielt. Sollte er am Samstag treffen, werde er das Tor gerne Bad Homburg widmen, so der Stürmer am Mittag bei der Pressekonferenz. Schließlich genieße er ja seit Montag ungemein die Gastfreundschaft der Kurstadt: "Das ist hier perfekt für uns."
Am Mittwoch nach Paris
Dem Traum, sich erstmals für eine Fußballweltmeisterschaft zu qualifizieren, wäre Litauen mit einem Sieg am Samstag einen ordentlichen Schritt näher. Bislang hat das Team von vier Spielen drei gewonnen. Nun kommen allerdings die Franzosen, die Favoriten für den Gruppensieg, ins litauische Kaunas. Am Mittwoch reisen die Litauer dann nach Paris.
Die Bleus um Frank Ribery brauchen die Punkte dringend. Denn ganz anders als die litauischen Profis, haben die französischen Stars in den Qualifikationsspielen bislang ziemlich schlecht ausgesehen. Magere vier Punkte konnten sie auf ihrem Konto verbuchen. Die Fußballer aus Litauen könnten den Franzosen jetzt zum Verhängnis werden und so der Stadt Bad Homburg eine Fußnote in der Fußballgeschichte sichern. Ein wenig hoffen darauf auch Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) und der neue Kurdirektor Ralf Wolter.
Denn sowohl die Stadt als auch die Kur- und Kongress-GmbH unterstützen das litauische Team tatkräftig bei der Verwirklichung seiner Träume. Wolter öffnet den Spielern die Türen zum Kaiser-Wilhelm-Bad, Jungherr stellt ihnen den Trainingsplatz kostenlos zur Verfügung. Normalerweise würde der, so ein Magistratssprecher, 30,70 Euro die Stunde kosten. Zudem hat die OB am Europakreisel litauische Flaggen hissen lassen und dem Team die Klebefolien für den Mannschaftsbus spendiert. Kosten: knapp 2000 Euro.
Stadt- und Kurverwaltung verbuchen ihre Hilfe unter dem Posten Marketing. Denn die Nähe zur Glamourwelt des Profifußballs könnte ja dem Namen der Kurstadt ein wenig zu Ruhm verhelfen und so manchen Kurgast anlocken. Und vielleicht ja auch ein anderes Fußballteam. Ob irgendwann Ribery und Co. kommen ist allerdings fraglich. Die bereiten sich derzeit an der Cote d'Azur auf das wichtige Match vor. Bei knapp 20 Grad und Sonnenschein. In Litauen erwartet sie am Samstag eher Bad Homburger Wetter. Mit Schnee und Kälte.


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