Herr Rhein, anders als Ihr Vorgänger an der Spitze der Frankfurter CDU sind Sie ein großer Freund der Internationalen Bauausstellung. Warum eigentlich?
Die Idee einer Internationalen Bauausstellung ist eine wirklich außergewöhnlich gute. Von einem solchen Projekt lassen sich Antworten erwarten, wie sich die Stadt und auch die gesamte Region weiterentwickeln lässt. Antworten auf die Frage, die uns immer gestellt wird: Habt Ihr überhaupt eine Vision? Die Bauausstellung kann uns dabei einen großen Dienst erweisen.
Hätte es den Beschluss für eine Internationale Bauausstellung vielleicht nicht gegeben, wenn nicht gegenwärtig an zahlreichen Enden über die Zukunft des Ballungsraums geredet würde?
Durch die Initiativen hat diese Idee eine enorme Dynamik gewonnen. Heute weiß jeder, dass Frankfurt/Rhein-Main ein Bild von sich selbst braucht: Wie sind wir, was sind wir, wie ist unsere DNA, und wie wollen wir uns nach außen verkaufen, um im Wettbewerb der Metropolen zu bestehen. Die Bauausstellung könnte das Band sein, das verschiedene Facetten, die für diese Region typisch sind, miteinander verbindet.
Also ist die Ausstellung eine Klammer zwischen den Leuchttürmen, von denen im Zusammenhang mit dem Image der Region immer wieder die Rede ist. Was sind für Sie Leuchttürme?
Frankfurt/Rhein-Main ist ein einzigartiger Natur- und Landschaftsraum mit dem Taunus, dem Rheingau und dem Frankfurter Grüngürtel. Der Architekt Jochem Jourdan hat mit seinem Konzept für eine Bauausstellung ein Füllhorn von Ideen vorgestellt, etwa die landgräflichen Gärten in Bad Homburg. Ein anderer wichtiger Punkt ist Frankfurt als Wohnraum. Wohnen muss in die Stadt zurückkehren. Der Klimawandel, die steigenden Energiepreise, die demografische Entwicklung und das Bedürfnis, Familie, Freizeit und Beruf enger zu vernetzen, beschleunigen den Trend. Ebenso wie die Frage, wie wir uns von der riskanten Gewerbesteuer ein Stück weit lösen können, beispielsweise durch vermehrte Einnahmen aus der Einkommensteuer, wenn also mehr Menschen in der Stadt leben und hier Abgaben zahlen. Deshalb müssen Lösungen für angemessene, umweltfreundliche Wohnformen für Junge wie Alte, für Alleinstehende und Familien gefunden werden. Dafür könnte die Bauausstellung Mustersiedlungen bieten.
Wäre das ein erstes Projekt?
Das könnte ein Projekt sein, genauso wie das House of Logistic, denn Frankfurt/Rhein-Main ist die Region der kurzen Wege, von Mobilität und Logistik. Frankfurt/Rhein-Main ist aber auch der Ort der Kreativen. In diesem Zusammenhang könnte in Kooperation mit Offenbach ein kreatives Viertel mit einer Hochschule für Gestaltung auf der Mole entstehen. Es könnte auch ein Haus der Kreativität geben, das Kreativwirtschaft und -wissenschaft vernetzt. Die IBA kann zahlreiche Ideen von Albert Speer, der Wirtschaftsinitiative und von Jochem Jourdan zusammenbinden.
Bringt die IBA dann Frankfurt und Offenbach zusammen?
Die angeblichen Animositäten zu Offenbach stammen aus einer anderen Zeit. Offenbach ist eine attraktive Stadt. Beide Städte haben den Kreativen einiges zu bieten. Da liegt doch eine besondere enge Zusammenarbeit nahe.
Sie haben die Vorstellung des Wirtschaftsberichts für die Kreativbranche mit dem Versprechen verbunden, Sound of Frankfurt wieder aufzulegen. Gilt das, oder sollte man nicht eher über eine neue Kunstmesse nachdenken?
Sound of Frankfurt strahlt über die Grenzen der Stadt hinaus und muss der heutigen Zeit angepasst sein. Die Art Frankfurt kann auch eine Rolle spielen. Wir sollten nichts vorschnell ausschließen und uns alles anschauen, was möglich und finanzierbar erscheint.
An Ideen hat es nie gemangelt, passiert ist wenig. Warum erscheint die Gegenwart günstig?
Wir müssen jetzt wirklich springen und etwas umsetzen. Derzeit geht es uns finanziell gut. Wir würden keine Vision entwickeln, wenn wir uns nicht für die Zukunft aufstellen wollten. Das heißt auch, die sozialen und integrationspolitischen Aspekte zu berücksichtigen.
Interview: Matthias Arning


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