Die Nacht im Dreikönigskeller beginnt mit einem Ritual. Jesse Kaya, Eigner und Barmann des kleinen Clubs an der Dreikönigskirche, entzündet die Kerzen des Elvis-Schreins. Erst wenn die Büste des Kings an der Bühnenseite ausreichend erleuchtet ist, dürfen die Bands oder DJs loslegen. Hier ist eben der Rock'n'Roll zu Hause.
Aber auch der Jazz, Blues, Country oder Indierock, wie Kaya betont. Am Donnerstag ist der Abend gar fest in der Hand von jungen Literaten und wenigen nachdenklichen Musikanten. Der Verein Literaturbetrieb hat zum offenen Podium eingeladen - Bühnentrieb nennen die rund 30 aktiven und ehemaligen Studierenden ihr Event.
Den Verein haben sie vor drei Jahren gegründet, um zu zeigen, "dass Geisteswissenschaften nicht nur Theorie sind", wie die Vorsitzende Franziska Fink sagt. Die jungen Leute stellen eine Verbindung von der Lehre zum Leben her - in literarischen Führungen oder Reisen. Wichtig ist ihnen auch, mit Literatur die Nacht zu erobern.
Daniel Keiser hat zum Beispiel eine Geschichte über Freundschaft mitgebracht. Sie ist tieftraurig, fasst Jahre des Auseinanderlebens zweier Menschen in weniger als zehn Minuten zusammen. Keiser weiß noch nicht, ob er auftritt - er hat sich zu spät angemeldet. "Ich würde wirklich gerne lesen", bittet der 28-Jährige eindringlich. "Selbst wenn ich als letztes dran komme und niemand mehr da ist." Die Nacht würde ihm als Zeuge ausreichen.
Jonas Kern nutzt die Nacht für Spaziergänge durch Frankfurt. "Die hässliche Stadt zeigt dann ihre schönen Seiten." Der Student der Germanistik und Pädagogik nimmt sich Zeit, umher zu streifen. "Die Berger hinunter zum Main, dann weiter zum Bahnhof." Dort geht er an den Zügen entlang und träumt sich in die Ferne.

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