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Schwarze Kunst

Das Dunkel ist jungen Musikern und Literaten oft eine Muse

VON GEORGE GRODENSKY

Die Nacht im Dreikönigskeller beginnt mit einem Ritual. Jesse Kaya, Eigner und Barmann des kleinen Clubs an der Dreikönigskirche, entzündet die Kerzen des Elvis-Schreins. Erst wenn die Büste des Kings an der Bühnenseite ausreichend erleuchtet ist, dürfen die Bands oder DJs loslegen. Hier ist eben der Rock'n'Roll zu Hause.

Aber auch der Jazz, Blues, Country oder Indierock, wie Kaya betont. Am Donnerstag ist der Abend gar fest in der Hand von jungen Literaten und wenigen nachdenklichen Musikanten. Der Verein Literaturbetrieb hat zum offenen Podium eingeladen - Bühnentrieb nennen die rund 30 aktiven und ehemaligen Studierenden ihr Event.

Den Verein haben sie vor drei Jahren gegründet, um zu zeigen, "dass Geisteswissenschaften nicht nur Theorie sind", wie die Vorsitzende Franziska Fink sagt. Die jungen Leute stellen eine Verbindung von der Lehre zum Leben her - in literarischen Führungen oder Reisen. Wichtig ist ihnen auch, mit Literatur die Nacht zu erobern.

Daniel Keiser hat zum Beispiel eine Geschichte über Freundschaft mitgebracht. Sie ist tieftraurig, fasst Jahre des Auseinanderlebens zweier Menschen in weniger als zehn Minuten zusammen. Keiser weiß noch nicht, ob er auftritt - er hat sich zu spät angemeldet. "Ich würde wirklich gerne lesen", bittet der 28-Jährige eindringlich. "Selbst wenn ich als letztes dran komme und niemand mehr da ist." Die Nacht würde ihm als Zeuge ausreichen.

Jonas Kern nutzt die Nacht für Spaziergänge durch Frankfurt. "Die hässliche Stadt zeigt dann ihre schönen Seiten." Der Student der Germanistik und Pädagogik nimmt sich Zeit, umher zu streifen. "Die Berger hinunter zum Main, dann weiter zum Bahnhof." Dort geht er an den Zügen entlang und träumt sich in die Ferne.

In den Weiten der Nacht gern in Begleitung

Zum Bühnentrieb trägt er ein Märchen vom Mädchen im Baum vor, das sich vor der Menschenwelt versteckt. Der 24-Jährige ist aber nicht halb so menschenscheu wie er klingt. Eher aufgeschlossen und kontaktfreudig. Die Weiten der Nacht genießt er gerne in Begleitung. Ebenso goutiert er die wohlwollende Aufmerksamkeit des Publikums im proppevollen Dreikönigskeller.

Der Liedermacher Vanja Dingeldein braucht nicht einmal die Wohnung verlassen, um sich zu später Stunde wohlzufühlen. "Ich habe den Hang, auch zu Hause lange aufzubleiben", sagt der junge Wiesbadener, der auch in Frankfurt kein Unbekannter ist. Er gilt als "unser Jack Johnson". Dingeldein schreibt seine Lieder bevorzugt in der blauen Stunde. Oder er lauscht abends versonnen der Stille, "wenn der Verkehr langsam abebbt". So tankt er Kraft für "die Berg- und Talfahrt am Existenzminimum", die ein Leben als Musiker und selbständiger Webdesigner mit sich bringt.

Nach zwölf Uhr leert sich das Sachsenhäuser Kellerlokal allerdings recht schnell. Die letzten U- und Straßenbahnen fahren dann ab. Es sei denn, man hat ein Rendezvous - so wie es Lucie Höhler in ihrem Text behandelt. "Das Taxi macht für mich eine besondere Nacht aus", sagt die 28-Jährige im Gespräch. Wenn es ein nämlich gutes Date ist, "dann schaut man nicht so auf die Uhr".

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Dokument erstellt am 05.12.2008 um 16:52:04 Uhr
Letzte Änderung am 05.12.2008 um 21:42:08 Uhr
Erscheinungsdatum 06.12.2008
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