Das Gebäude an der Heilbronner Straße 20 ist leer geräumt. Nur die blau-roten Kacheln mit orientalischen Ornamenten an den Wänden in der ersten Etage erinnern daran, dass sich hier der Gebetsraum befand. In den nächsten Tagen beginnt der Abriss der Taqwa-Moschee, damit an gleicher Stelle ein repräsentatives Gebäude entstehen kann.
Bauherr ist der Marokkanische Verein für die Förderung des geistigen und kulturellen Gutes, der auch Träger der Moscheegemeinde im Gutleutviertel ist. Anfang Dezember erteilte die zuständige Behörde die Teilbaugenehmigung. Somit steht dem ersten Bauabschnitt von amtlicher Seite nichts mehr im Weg. Der muslimischen Gemeinde fehlt aber etwas ganz anderes: Nämlich Geld, um den Plan von einem neuen Kulturzentrum mit integrierten Gebetsräumen zügig umsetzen zu können.
Es sind hauptsächlich aus Marokko stammende Muslime, die zum Beten ins Gutleutviertel kommen. In den vergangenen drei Jahren haben Gottesdienstbesucher und Vereinsmitglieder immer wieder gespendet. Vor allem nach dem Freitagsgebet greifen Gläubige in ihre Geldbörsen, um das Bauprojekt zu unterstützen.
Die Gemeinde
Rund 6000 Marokkaner sind in Frankfurt gemeldet. Die Zahl der Bewohner, die aus diesem Land stammen und deutsche Staatsbürger geworden sind, dürfte höher sein. Denn die Eingebürgerten fallen aus der Statistik heraus.
Von 1970 an emigrierten kontiniuierlich Menschen aus Marokko nach Frankfurt. In den ersten Jahrzehnten der Migration waren es vor allem Männer, danach stieg der Anteil der Frauen an der Bevölkerung mit marokkanischen Pässen: Männer 1970: 96 Prozent; 1980: 71; 1990: 69; 2004: 57.
Die meisten Bewohner mit marokkanischen Wurzeln gehören der Altersgruppe von 18 bis 44 an (58 Prozent); etwa 20 Prozent sind unter 17 und knapp 10 Prozent sind älter als 65 Jahre. Gallus- und Gutleutviertel sind die Stadtteile, in denen die meisten Bewohner dieser Bevölkerungsgruppe leben
Von 1970 an emigrierten kontiniuierlich Menschen aus Marokko nach Frankfurt. In den ersten Jahrzehnten der Migration waren es vor allem Männer, danach stieg der Anteil der Frauen an der Bevölkerung mit marokkanischen Pässen: Männer 1970: 96 Prozent; 1980: 71; 1990: 69; 2004: 57.
Die meisten Bewohner mit marokkanischen Wurzeln gehören der Altersgruppe von 18 bis 44 an (58 Prozent); etwa 20 Prozent sind unter 17 und knapp 10 Prozent sind älter als 65 Jahre. Gallus- und Gutleutviertel sind die Stadtteile, in denen die meisten Bewohner dieser Bevölkerungsgruppe leben
Das zum Abriss freigegebene Gebäude unweit des Hauptbahnhofs - einst ein Wohnheim – diente der Taqwa-Gemeinde von 1995 an als Gebetsstätte und Treffpunkt; Gottesdienste finden nunmehr in der benachbarten Immobilie statt, die ebenfalls im Besitz des Moscheevereins ist. Unlängst ist das Untergeschoss umgebaut worden, so dass dort bis auf weiteres der Gottesdienst für Männer abgehalten wird. Eine Etage darüber kommen Frauen zum Gebet zusammen.
Es ist ein zeitlich befristetes Provisorium, das um etliche Quadratmeter kleiner ist. Ende 2010 soll der Neubau fertig gestellt werden. Nach bisherigen Plänen wird das fünfgeschossige Gemeindezentrum aus getrennten Gebetsstätten für Männer und Frauen, Seminarräumen, Bücherei sowie Auditorium bestehen.
Mit dem Neubau verbindet der Vereinsvorstand die Vorstellung, für junge Muslime attraktiver zu werden. "Wir wollen Jugendliche von der Straße wegholen; ihnen neben Nachhilfe auch Freizeitaktivitäten bieten", sagt Ayaou. Auch soll das Beratungsangebot erweitert werden.
Attraktiver will die Gemeinde offenbar auch für eine ganz andere Gruppe von Gläubigen sein: für Muslime auf Durchreise. Wie Ajaou berichtet, wurde die bisherige Gebetsstätte aufgrund der Nähe zum Hauptbahnhof von vielen Nichtortsansässigen als Ort der Andacht genutzt.
Zeitgleich mit der Taqwa-Gemeinde will der Verein der Fatima-Moschee sein Treffpunkt in Hausen einweihen. Allerdings ist der Baubeginn des islamischen Gemeindezentrums, das im Stadtteil für heftige Auseinandersetzungen sorgte, verschoben worden. Der erste Spatenstich werde erst im Frühjahr erfolgen, sagt Ünal Kaymakçi, Sprecher der Fatima-Gemeinde: "Wir laden dann alle – auch die Kritiker – ein, dies mit uns zu feiern."



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