"Es war ein kurzer, prägnanter Auftritt", beschreibt ein Mitarbeiter eines Herrenausstatters den Moment als eine Gruppe Demonstranten am Donnerstagabend gegen 20 Uhr mit einem Bengalischen Feuer durch die Einkaufsgalerie My Zeil stürmt. Rund 70 junge Männer und Frauen sind es, viele von ihnen schwarz gekleidet, einige sind vermummt. "Sie sind wie eine Horde Wilder durch das Erdgeschoss gerannt", sagt der Verkäufer. "Wir haben dann alle relativ schnell, wenn auch nur für kurze Zeit, die Läden geschlossen."
Die Frankfurter Polizei spricht von "Personen, die dem linken Spektrum zuzurechnen sind". Nachdem am frühen Donnerstagmorgen im thüringischen Erfurt ein besetztes Haus mit einem großen Polizeiaufgebot und Hubschraubern geräumt worden war, hatten die dortigen Aktivisten bundesweit zur Solidarität aufgerufen. Auch nach Frankfurt hallt der Ruf: 19 Uhr, Treffpunkt KOZ, Campus Bockenheim, lautet die Ankündigung, die per Internet an alle Mitstreiter und Unterstützer geht. "Nach diesem Aufruf konnten wir uns denken, dass da was kommt und haben auf dem Campus geschaut, wie es sich entwickelt", sagt Polizeisprecher Manfred Füllhardt. Die Demonstranten sprechen von "diversen Einsatzkräfte in den Seitenstraßen rund um die Bockenheimer Warte". Dort hätten sich, so die Linksaktivisten, rund 150 Menschen zur Kundgebung versammelt.
Per U-Bahn fahren die Demonstranten in die Innenstadt bis zur Hauptwache, laufen dann über die Zeil schnurstracks auf Frankfurts neue Vorzeigegalerie "My Zeil" zu. Ein Bengalisches Feuer wird entzündet, ein Böller fliegt durch die Luft. Die Schwarzgekleideten rufen Anti-kapitalistische-Parolen "Kein Chef, kein Staat, kein Mietvertrag" und "Kein Tag ohne – Autonomes Zentrum". Dann geht alles blitzschnell, ein Demonstrant rennt mit dem Bengalischen Feuer ins Erdgeschoss und wirft es von sich. Seine Sympathisanten jagen hinterher, dahinter kommen Polizisten angerannt. Die Demonstranten werfen Plastikflaschen, kicken Mülleimer um. Ein Verkäufer und ein Sicherheitsbeamter werden dabei leicht verletzt. Die Läden verschließen ihre Türen.
Eine Hundestaffel der Polizei rückt als Verstärkung an. Es kommt zum Gerangel zwischen Demonstranten und Polizisten. "Es ging zur Sache", sagt Polizeisprecher Füllhardt. Einige seiner Kollegen hätten Tränengas ins Gesicht gesprüht bekommen. Nach knapp 20 Minuten wabert nur noch etwas Rauch durchs Erdgeschoss von My Zeil. Die Polizisten haben drei Männer festgenommen – wegen "Widerstand gegen die Staatsgewalt" und "Landfriedensbruch". Sieben Randalierer müssen ihre Personalien angeben. Der Rest der Aktivisten kann der Polizei entkommen.
Laut Polizei splitten sie sich in kleine Gruppen auf, verteilen sich auf die Innenstadt. "In der Stiftstraße hat dann noch einer der Demonstranten gegen ein Polizeifahrzeug getreten", sagt Müllhardt. In einem Blog der Demonstrationsteilnehmer heißt es, nach dem Sturm auf My Zeil sei "die einzige, vorhandene Bullenwanne" auf eine Gruppe von Demonstrationsteilnehmern zugerast und die Menschen seien zur Seite gesprungen. Mittlerweile sind die drei Festgenommenen wieder frei.


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