"Bildung für alle, und zwar umsonst!" Kaum ein Frankfurter wird den Ruf gestern überhört haben. Rund 2000 Schüler und Studenten zogen im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks gegen Missstände und strukturelle Probleme des Bildungssystems durch die Stadt.
"Was mich ankotzt, ist, was man bei uns in der Schule noch alles nebenher bezahlen muss", schimpfte Fabian Dünow, der die Zwölfte eines Bruchköbeler Gymnasiums besucht. Angefangen beim Taschenrechner, über Bücher im Deutsch- und Englischunterricht: "Das ist keine Lernmittelfreiheit." Auch, dass es kein kostenloses Angebot für Schüler gebe, Stoff nachzubereiten, findet der 18-Jährige ungerecht. "Meine Eltern können Nachhilfe zahlen. Andere nicht."
Schüler eingeschlossen
Angst vor einem Klasseneintrag haben die Bruchköbeler Schüler nicht. "Unsere Lehrer stehen voll dahinter", sagt die 18-jährige Christina. Doch das ist scheinbar nicht überall so. In der Frankfurter Fürstenberger- wie auch in der Elisabethenschule seien Schüler eingesperrt worden, heißt es. An der Schwanthalerschule seien Jungen und Mädchen mit Akteneinträgen eingeschüchtert worden. In der Offenbacher Marienschule sei gar ein Vermerk im Zeugnis angedroht worden. In der Musterschule habe der Direktor die Lehrer aufgerufen, die Schüler am Streiken zu hindern.
Achtklässlerinnen der Frankfurter Liebigschule haben vorgesorgt. "Wir haben das Klassenbuch mitgenommen", sagt die 14-jährige Emma. Das Anliegen ist Emma und ihren Mitschülerinnen zu wichtig. Sie gehören zum ersten Jahrgang, der das Abitur in nur acht Jahren absolviert. Von der fünften Klasse an hätten sie nachmittags Unterricht gehabt, berichtet Nina. Dadurch bleibe kaum Freizeit. "Wir haben in der Siebten schon Aufgaben, die andere erst in der Zehnten hatten."
500 Studenten dazu
An der Goethe-Uni stimmte die Vollversammlung für einen Generalstreik. Bis einschließlich Freitag sollen alle Institute blockiert werden. Rund 500 Studenten zogen vom Campus Bockenheim zum Westend Campus. Mario Kreuzer aus Flörsheim ist wegen des Bachelor-Studiums auf die Straße gegangen. Dieses sei "so extrem eng gestrickt", dass er keine Zeit habe, sich neben dem Studium zu engagieren. Kreuzer studiert an der FH Frankfurt Soziale Arbeit. 40 bis 50 Stunden die Woche sei er mit Lernen beschäftigt. Interessante Themen zu vertiefen, "das geht gar nicht".
Vize-Landesschulsprecherin Fiona Merfert bilanzierte, anders als im Vorjahr hätten viel mehr Schüler teilgenommen, die wussten wofür sie streiken – "und die nicht nur die Schule schwänzen wollten." Sie bedauert aber, dass die Studenten ihre eigene Demo organisiert hatten.

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