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Der Dalai Lama in Frankfurt

Das Lächeln soll bleiben

Von Astrid Ludwig

Leise Musik erfüllt die große Halle. Perlende, beruhigende Töne dringen ans Ohr und ein Duftgemisch aus Räucherstäbchen und asiatischem Curry umschmeichelt die Nase. Die nackten Füße versinken im dicken Flor des Teppichs, das Auge blickt auf ein Meer aus orangefarbenen Kerzen und gelben Blumen. Der Meditationssaal der Frankfurter Pagode "Phat Hue" an der Hanauer Landstraße ist ein Ort für alle Sinne.

Buddha-Halle nennt die vietnamesische Zen-Gemeinde den größten Raum des Zentrums. Hunderte kleine Figuren des "Erleuchteten" säumen auf einem Sockel an der Wand den Weg zum Heiligsten. Sechs mannshohe, goldglänzende Buddhas füllen die Stirnwand. Sie symbolisieren buddhistische Tugenden wie Weisheit und Mitgefühl. Hierher zieht sich Thich Thien Son, Abt des Klosters, zur Meditation zurück. Doch schon seit Tagen erfüllt zunehmend Nervosität die Mönche und Mitglieder der Pagode. Der Dalai Lama kommt. Das Oberhaupt der Tibeter besucht Frankfurt vom 30. Juli bis 2. August.

"Ich bin aufgeregt", räumt Thich Thien Son trotz buddhistischer Gelassenheit ein. Der Vietnamese in der dunkelbraunen Ordenstracht hat den Dalai Lama in die Stadt geholt. Er ist der Initiator des Ereignisses, zu dem täglich 10.000 Besucher im Stadion erwartet werden. Vor fünf Jahren bereits hat Thich Thien Son "Seine Heiligkeit" im nordindischen Exil Dharamsala persönlich aufgesucht. Dort sprach er erstmals die Einladung nach Frankfurt aus, doch der Dalai Lama lehnte ab. Erst müssten sich die verschiedenen buddhistischen Organisationen im Rhein-Main-Gebiet für einen solchen Besuch zusammentun. Das ist nun geschehen. Die Pagode Phat Hue, das Tibethaus Deutschland und die Deutsche Buddhistische Union machen gemeinsame Sache. "Seine Heiligkeit hat die Einigkeit und das ernsthafte Bemühen gespürt und zugesagt", sagt Son.

"Impulse für den Frieden"


Für den Zen-Meister ist der Dalai Lama nicht nur Vorbild. Er erhofft sich von seinem Besuch "Impulse für den Frieden". "Frankfurt ist ein wichtiger Anziehungspunkt in Europa, ein Energiepunkt", sagt der Abt. Den Vietnamesen und sein tibetisches Vorbild verbindet jedoch noch mehr: Beide sind Flüchtlinge. Der 43-Jährige wurde in Saigon geboren. Mit acht Jahren trat er dem Lin-Chi-Orden in seinem Heimatland bei, mit zwölf Jahren musste er mit Mutter und drei Brüdern fliehen. Aus politischen und religiösen Gründen: "Mein Vater saß im Gefängnis." Sons Familie hatte mit den Amerikanern kooperiert. Sechs Fluchtversuche scheiterten, der siebte endete fast tödlich.

Das Programm
Der Dalai Lama besucht vom 30. Juli
bis 2. August Frankfurt. Das Oberhaupt der Tibeter ist auf Europareise. In keiner anderen europäischen Stadt hält er sich so lange auf wie in Frankfurt.
Ursprünglich sollte der Dalai Lama statt der nun vier sogar sieben Tage bleiben.

Veranstalter sind die Frankfurter
Pagode Phat Hue, das Tibet-Haus und die Deutsche Buddhistische Union.

Das Programm ist weit gefächert. An den vier Tagen wird der Tibeter in der WM-Arena ab 9.30 Uhr Vorträge über die Kunst des Lebens halten. Er gibt Unterweisungen in der buddhistischen Lehre, segnet seine Anhänger und debattiert mit Wissenschaftlern über aktuelle Themen wie Wirtschaft und Ethik und Hirnforschung. Ein Konzert mit Künstlern, die für den Dalai Lama singen, ist für Samstag, 1. August, geplant

Die Veranstalter rechnen mit 10.000 Gästen am Tag. Bisher sind rund 30.000 Karten für alle vier Tage verkauft. Karten gibt es ab 29 Euro und bis 240 Euro noch an der Tages- und Abendkasse am Stadion, Eingang E 1, E 2, E 5, geöffnet von 8 bis 19 Uhr.

Die Kosten übernehmen die Veranstalter und Sponsoren, sie liegen bei rund 1,6 Millionen Euro. Es gibt umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen.

Weitere Informationen und Tickets unter www.dalailama-frankfurt.de oder Tel: 0180-54470111.
Der Abt gehört zu den Flüchtlingen, die in den 70er Jahren als "Boatpeople" bekannt wurden. Sieben Tage hatte die Familie in einem Boot auf dem Meer getrieben. "Wasser und Nahrung waren aufgebraucht", erinnert sich Son. Gerettet wurden sie vom legendären Frachter "Cap Anamur". Der Mann mit der ruhigen Stimme und den sanften Augen strandete in Singapur, dann in Düsseldorf und später in Hannover. Seiner Religion und dem Lin-Chi-Orden, einer vietnamesischen Zen-Richtung des Buddhismus, blieb er treu. 2002 kam er nach Frankfurt und gründete die Pagode Phat Hue.

Achtsamkeit und Bewusstsein


Ihr gehören rund 7000 Mitglieder an, heute die größte buddhistische Gemeinde in der Stadt. Das Haus in der Hanauer Landstraße ist Kloster, Begegnungsort, Gesundheits- und Sozialzentrum zugleich. Die meisten Besucher sind Vietnamesen, "aber es kommen auch immer mehr Deutsche", erzählt der Abt. "Viele wollen ihre Probleme verstehen und lernen, wie sie damit umgehen sollen. Sie suchen eine neue Perspektive." Achtsamkeit und ein bewusstes Leben, das ist es, was der Abt vermitteln will. "Man muss die Aufmerksamkeit nicht nach außen, sondern nach innen richten." Der Zen-Meister nennt es, die "kleinen Oasen im Alltag" zu finden, "sein inneres und geistiges Spa".

Ständig im Haus leben derzeit 25 Mönche und Nonnen. Auf den Fluren wird Englisch, Deutsch oder auch Vietnamesisch gesprochen. Seit drei Jahren gehört die 48-jährige Hue Nghiem dazu. Die Nonne mit kahlgeschorenem Kopf und braunem Gewand heißt mit bürgerlichem Namen Martina Glaubitz. Sie fand bei einer Dienstreise in Asien zum Buddhismus. "Ich habe Antworten auf meine Fragen gefunden", sagt sie. Den Dalai Lama wird sie das zweite Mal treffen. "Er ist sehr menschlich, sehr beeindruckend. Man kann ihm sehr nah sein." Sie freut sich auf ihn, sie hofft, dass etwas von seiner Kraft und seinem Lächeln in Frankfurt bleiben.

Initiator Thich Thien Son hofft auf viele Besucher. Der Aufenthalt seiner Heiligkeit kostet die Veranstalter rund 1,6 Millionen Euro. Die Eintrittskarten sind für 29 bis zu saftigen 230 Euro zu haben. "Wir müssen viele Tickets verkaufen", sagt der Abt, dessen Name übersetzt "der gutmütige Berg" heißt. Und ein Berg ist schwer zu erschüttern.
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Dokument erstellt am 23.07.2009 um 15:24:04 Uhr
Letzte Änderung am 24.07.2009 um 08:47:46 Uhr
Erscheinungsdatum 24.07.2009 | Ausgabe: s
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