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Grüne Flucht Friedhof - eine Serie

Letzte Ruhestätte für Pippo

Von Andreas Müller

Boy forever". Das Wesen, dem dieser gemeißelte Schriftzug gilt, ist nicht etwa Popstar oder Fußball-Legende. Der ewige Treueschwur für "Boy", der sich über blitzblank polierten grauen Marmorstein zieht, schmückt vielmehr ein Grabmal im Miniaturformat. Denn den Star, der hier ruht, war ein Hund.

Auf der benachbarten Ruhestätte verrät ein Bild, wer hier liegt: Hund "Pascha", der erst kürzlich beerdigt wurde. Eins weiter bezeugen Engelfigürchen und Lämpchen die Liebe zum verstorbenen Yorkshire. Im Schatten kräftiger Birken, Pappeln, Akazien und Tannen zählt der Friedhof am Rödelheimer Holzweg 1500 Gräber. Die letzte Ruhestätte für Hunde und Katzen, Meerschweinchen und Hamster gleicht einem lauschigen Park mit vielen schattigen Plätzen und Flecken gepflegten Grüns.

"Wenn ich am Eingang anfange, brauche ich eine Woche, bis ich den Rasen bis hinten gemäht habe", veranschaulicht Werner Rossbroich die Ausmaße der Gedenkstätte. Bis zum vorigen Jahr arbeitete er im Tierheim Fechenheim. Seit dreizehn Monaten hält der 52-Jährige den einzigen Tierfriedhof der Stadt in Schuss, als wäre es sein eigener Garten.

Tierliebe über den Tod hinaus
Der Tierschutzverein Frankfurt und Umgebung von 1841 betreibt den Tierfriedhof. Das Gelände auf dem Grundstück einer ehemaligen Ziegelei am Holzweg in Rödelheim erstreckt sich über 8500 Quadratmeter.

Das Areal ist geöffnet vom 1. April bis 30. September, 7 bis 19 Uhr, vom 1. Oktober bis 31. März, 8 bis 17 Uhr, Kinder unter zwölf Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt.

Um Vandalismus zu verhindern, ist der Tierfriedhof eingezäunt und immer verschlossen. Jeder Pächter erhält unmittelbar nach Vertragsabschluss einen Schlüssel für das Gelände. So können die Pächter jederzeit die Gräber ihrer verstorbenen Tiere besuchen.

Als Geschäftsführerin der Tierfriedhof Frankfurt GmbH kümmert sich Bärbel Wegener um die Verwaltung. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in der Ferdinand-Porsche-Straße 2-4 in Fechenheim.

Die Geschäftsstelle ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 069/ 42 60 36 40 zu erreichen.
Das wissen die rund 50 Besucher am Tag zu schätzen, die sogar aus Mainz und Wiesbaden hierherkommen, um ihre verstorbenen Tiere besuchen. "Jeder kann das Grab nach seinem Geschmack gestalten. Manche halten es eher schlicht, andere schon etwas überladen", findet Rossbroich. Nicht wenige Gräber sind mit Steinen, Kerzen und Fotos oder Nachbildungen der Toten geschmückt, umrahmt von Pilzen, Reh- oder Eichhörnchenfiguren.



Von solcherlei Kult halten Christine und Joachim Krause wenig. Das Doppelgrab, in dem ihr Labrador "Felix" und ein kleines italienisches Hündchen namens "Pippo" ruhen, ist mit einem üppigen Blumenstrauß aus roten Tulpen und Sonnenblumen geschmückt. "Zweimal in der Woche kommen wir hierher. Das ist ein wunderbarer Platz, an dem man den Familienmitgliedern mal guten Tag sagen kann", berichtet die 62-jährige Frau. Ihr Mann sitzt derweil auf einer kleinen Gartenbank und blättert in einer Zeitung.

Ihre Hunde habe das Paar stets als Familienmitglieder angesehen. Daher sei den beiden Rödelheimern der Tierfriedhof in der Nähe gerade recht gekommen. "Manche Leute belächeln das, das wissen wir. Aber es macht uns nichts aus", sagt die Rödelheimerin, während es sich ihr neuester Hund Cookie auf einem sonnigen Rasenstück gemütlich macht.

Etwa sechs Jahre alt sei der "tiefer gelegte Schäferhund", den das Ehepaar vor einem Leben im Tierheim bewahrt habe. Es scheint bereits ausgemachte Sache, dass sie auch Cookie hier betten werden, wenn die Zeit dafür gekommen sein wird.

Derzeit bestattet Werner Rossbroich auf dem lauschigen Areal pro Monat durchschnittlich zehn Tiere. Ein Grab muss für mindestens drei Jahre gepachtet werden. Die kleinste Fläche für Nager und Vögel kostet für diese Zeit 65 Euro, die doppelte für größere Tiere 420 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Rahmen aus Holz und den Bestattungsservice.

Ein Hund von etwa 75 Kilogramm war bisher Rossbroichs größtes Tier, das er unter die Erde brachte. Bestattet werden die Tiere in Baumwoll- oder Leinentüchern oder kleinen Särgen aus dünnem Sperrholz in mindestens 70 Zentimetern Tiefe.

Dass der Tierfriedhof immer stärker angenommen wird, führt Rossbroich auf "die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier" zurück. Platz auf dem etwa 8500 Quadratmeter großen Gelände in der Nachbarschaft des Friedhofs Westhausen sei jedenfalls noch reichlich vorhanden.

"Bis das Areal voll belegt sein wird, wird es bestimmt noch mindestens zehn Jahre dauern." In einem Grab, das kleine Hecke umsäumen, ruhen sogar drei Papageien. "Wirklich tot", steht in gut lesbaren Lettern auf dem Stein, "sind nur die, die vergessen sind."

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Dokument erstellt am 04.08.2009 um 14:07:04 Uhr
Letzte Änderung am 04.08.2009 um 17:39:16 Uhr
Erscheinungsdatum 05.08.2009 | Ausgabe: fr-lok
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