Christina Diesy hat ihren nachts in allen Farben leuchtenden Imbiss "Hamburger am Turm" stets als ein "Highlight, hier am Oeder Weg," betrachtet. Der Zulauf zu Pizza, zu Gyros, Hot Dog und Falafel gegenüber dem Metropolis-Kino hält die Ecke am Verkehrskreuz Eschenheimer Tor lebendig, bis morgens um vier. Doch auf Betreiben von Stadtplanungsamt und Grünflächenamt soll die Imbissbetreiberin spätestens im November den seit Jahrzehnten ansässigen Laden räumen und das "Gebäude niederlegen", wie es im Kündigungsschreiben heißt.
Man möchte nämlich "die Wallanlage als geschützte Grünanlage weiter entwickeln und insbesondere in Problembereichen, zum Beispiel in Engstellen, von Fremdeinflüssen bereinigen", teilte das Liegenschaftsamt der Hauptpächterin Radeberger im Dezember 2008 mit. Auch verfolge "das Kulturamt ein neues Aufstellungskonzept für Kunst in der Wallanlage". Dieses verlange "eine Übersichtlichkeit der Grünanlage" und setze "die Sicherheit für Mensch und Kunst voraus".
Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel nennt den Abbruch der Braterei vor dem Hintergrund "unvermeidbar". Er sei zum Handeln aufgefordert. Wenngleich auch er der Meinung sei: "So was wie dieser Imbiss gehört auch zu einer Großstadt."
Marc Gellert, Sprecher des Planungsdezernats , fügt auf Anfrage die "fehlende Blickachse zum Eschenheimer Turm" an die Liste der Kündigungs-Gründe an. Überhaupt wollten die amtlichen Stadtplaner "insgesamt die etwas schäbigen Pavillons aus dem öffentlichen Raum weghaben".
Christina Diesy, ihr Mann und die elf Beschäftigten haben in den 17 Jahren am Platz schon eine Menge in den Betrieb investiert: "Hier sah es ja erbärmlich aus." Sie glauben auch, dass man die Hamburger-Station schöner gestalten könnte: "Der Bau ist schon abgewohnt." Darum haben sie sich von einem Architekten "einen Glasbau mit farbig leuchtenden Würfeln" entwerfen lassen.
Blitzsauberer Grill
Unerlaubt vergrößert, wie man ihr jetzt vorhält, habe sie den Imbiss aber nicht, vielmehr sei ihr "eine Erweiterung um einen mal fünf Meter" von der Stadt genehmigt worden. Auch dass der Laden unsauber sei, lässt die Inhaberin nicht gelten. Ein Aufseher des Gesundheitsamts habe vielmehr bei einer Kontrolle "mit der Lampe unter den Grill geleuchtet und der war so weiß wie die Kacheln an der Wand". Christina Diesy fühlt sich sogar von der Polizei in Schutz genommen. Erst dieser Tage wieder habe auf ihre Ankündigung der Schließung hin ein Beamter vor der Theke bestätigt: "Seitdem Ihr hier seid, ist hier keine Kriminalität mehr."
Der anwaltliche Widerspruch gegen die Kündigung, die erstmals am 30. Mai 2008 für den 30. September 2008 ausgesprochen war, hat dem Betrieb ein weiteres Jahr der Existenz eingebracht. Mehr Chancen auf Verlängerung, glaubt die Betreiberin, habe sie nicht. Sie glaubt aber, dass ihr Unrecht geschieht: "Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist nicht gewahrt."
Stadtplanungsamt und Grünflächenamt haben unterdessen bereits einen weiteren Imbiss im Visier, ebenfalls am Rand der grünen Wallanlage, am Friedberger Tor, gelegen. Der sei aber erst 2013 kündbar, informiert Liegenschaftsamtschef Alfred Gangel.


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