"Mit einem Mal ging alles ganz schnell", sagt Faisal El Baouti. Das Handgemenge auf dem Rasen, er schreitet ein, ein paar Schubser, irgendwann später liegt er auf dem Boden und wird zusammengetreten. El Baouti, Trainer der B-Jugend bei der Spielvereinigung 02 Griesheim, erinnert sich nur noch schemenhaft: "Ich weiß noch, dass ich danach geblutet habe, aber nicht viel mehr."
Was El Baouti zu beschreiben versucht, ist der Beginn einer Massenschlägerei, bei der er selbst zu den Verdächtigen gehört. Wie die Polizei ermittelte, soll er am Sonntagmittag im Spiel seiner Mannschaft bei der Sportvereinigung Fechenheim 03 einen Fechenheimer Spieler tätlich angegangen haben. El Baouti bestreitet das vehement. Ein Fechenheimer Spieler habe einen seiner Akteure kurz vor dem Ende "dieser sehr hitzigen Partie" angegriffen. Er habe nur versucht zu schlichten.
Fest steht jedenfalls, dass es auf dem Sportplatz an der Birsteiner Straße anschließend eine wilde Keilerei gibt, an der 40 Spieler, Betreuer und Zuschauer beteiligt sind. Die Griesheimer gehen auf den Fechenheimer Trainer los, die Fechenheimer wehren sich, und mittendrin steht der Schiedsrichter, der die Partie schließlich beim Stand von 2:1 für Fechenheim abbricht und die Polizei ruft. Als die Beamten eintreffen, ist die 15 Minuten währende Schlägerei schon vorbei, zahlreiche Beteiligte klagen über Prellungen, Verstauchungen und offene Wunden.
"Wir werden jetzt erst einmal den Spielbericht des Schiedsrichters auswerten", sagt Karlheinz Wagner, Sprecher der Frankfurter Polizei. Denn der Unparteiische habe - so gut es eben möglich war - notiert, wer sich in welchem Umfang an der Prügelei beteiligt hat. Womöglich ergäben sich aus dem Bericht und aus Zeugenaussagen Ansatzpunkte für Ermittlungen, erklärt Wagner.
Zahl der Polizei-Einsätze bei Spielen gestiegen
Erfahrungen im Aufklären von Gewalttätigkeiten bei Amateur- und Jugendspielen haben die Polizisten jedenfalls genug. Zwar führen die Beamten keine Statistik darüber, wie häufig sie bei Fußballspielen einschreiten müssen. Aber die Zahl der Einsätze wegen randalierender Spieler, Trainer oder Zuschauer dürfte in den vergangenen Monaten gestiegen sein, wie Wagner bestätigt. "Wir wollen keine Fußballvereine kriminalisieren", betont der Polizeisprecher. Aber die Hemmschwelle, den Gegner zu verprügeln, liege eben recht niedrig.
Erst im August hatte eine Massenschlägerei auf der Sportanlage an der Sondershausenstraße im Gallus für Aufsehen gesorgt. Dort trägt die SG 28/Gutleut ihre Heimspiele aus. Nach einer Partie gegen die TSG 51 hatten einige SG-Spieler die Nerven verloren. Unter anderem gingen sie auch auf Polizisten los. Mehrere Akteure handelten sich Strafanzeigen wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt ein. Und der Spielausschussvorsitzende der SG räumte ein, dass es in der Vergangenheit immer wieder Ärger bei Partien seiner Mannschaft gegeben habe.
Von einer generellen Zunahme der Gewalt im Jugend- und Amateurfußball will Hans-Joachim Döring, Jugendwart im Fußball-Kreis Frankfurt, nicht sprechen. Manche Vereine seien aber dafür berüchtigt, dass es bei ihren Spielen häufig Randale gebe.
Viele Ausbildungsleiter seien schlecht ausgebildet
Nicht selten seien die Trainer daran beteiligt. Viele Übungsleiter seien einfach schlecht oder gar nicht ausgebildet, beklagt Hans-Joachim Döring, kaum einer habe einen Trainerschein: "Die meisten Vereine sind doch froh, wenn sie überhaupt jemanden finden, der mit den Spielern arbeitet", sagt der Jugendwart.
Unterdessen hofft Faisal El Baouti sehr darauf, dass er als Trainer bei der Spielvereinigung Griesheim weitermachen darf. Schließlich sei er unschuldig, wie er immer wieder betont. "Fußball ist mein Leben", sagt Faisal El Baouti, "ich bin süchtig nach Fußball."


Artikel kommentieren
Bookmark
Verlinken












