Vor ein paar Monaten sitzt Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen in dem Sachsenhäuser Restaurant "Edelweiß". Der Fußballboss will vertraulich mit Pirmin Schwegler über eine mögliche Verpflichtung sprechen und wählt deshalb eine Lokalität abseits der großen Scheinwerfer. Der Leverkusener ist noch kein Eintrachtler, Verschwiegenheit also das erste Gebot.
Die Vertraulichkeit währt keine 30 Minuten. Plötzlich stehen Fans im Lokal und mustern die beiden Gesprächspartner. "Irgendjemand hatte uns gesehen, eine Nachricht im Internet gepostet", erzählt Bruchhagen am Dienstag in der Business-Lounge des Frankfurter Stadions, wo seit gestern die Messe "Voice+IP Germany" veranstaltet wird.
Das aufgeflogene Schwegler-Gespräch ist ein Beispiel, wie das Internet und neue Formen der Kommunikation etwa über Online-Communities und Fanseiten Leben und Arbeiten gleichermaßen verändern. Das zeigt die Zahl der Eintracht-Beschäftigten, die im Info-Center des Vereins tätig sind. 26 Männer und Frauen verdienen dort ihr Geld.
Das sind - rechnet man die 40 Personen ab, die zur Mannschaft und zum Betreuerstab zählen - etwa ein Drittel aller Beschäftigten. Der Ticketverkauft läuft heute zu 60 Prozent online, und wenn Bruchhagen und das Management nach neuen Spielern Ausschau halten, liefert die Soccer Association innerhalb von 20 oder 30 Minuten einen Lebenslauf des Spielers samt Filmaufnahmen.
"Das ist keine Klage, sondern ein Zustandsbeschreibung"
Die Präsenz in einer allgegenwärtigen Öffentlichkeit, die Eintracht Frankfurt zu einem "gläsernen Verein" macht, hat freilich auch Schattenseiten. Bruchhagen berichtet, wie sich Wahrnehmungen im Internet plötzlich zu vermeintlichen Fakten verdichten, die selbst bei nachdrücklichen Dementi nicht mehr aus der Welt zu schaffen seien. "Es nutzt dann nichts, dem etwas entgegen zu setzen, weil die Bereitschaft gering ist, dem zu glauben", sagt Bruchhagen. Und fügt an: "Das ist keine Klage, sondern eine Zustandsbeschreibung."
Mit seiner Rede über das Verhältnis von Verein und Fans im Zeitalter des Internet eröffnet Bruchhagen die Messe "Voice+IP Germany". Die Messe wird zum fünften Male vom Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT) veranstaltet, in diesem Jahr - nach stetem Wachstum der Ausstellerzahl - zum ersten Male im Stadion. 1300 registrierte Fachbesucher informieren sich in diesen Tagen über Techniken und Angebote der Telekommunikation und des Internet. Durch schnelle und relevante Informationen, die Anwendern und Nutzern eine "unverzichtbare Entscheidungshilfe sind, tragen wir dazu bei, dass finanzielle Ressourcen effizient eingesetzt werden können", sagt Hans Joachim Wolff, der zusammen mit Elmar Müller im Vorstand des DVPT sitzt.
Experten berichteten am Dienstag mit ihren Vorträgen und in Diskussionsforen über neue Entwicklungen: Ossi Urchs von der Medienagentur FFT in Offenbach referierte über die Bedeutung des Web 2.0 in Unternehmen. Noch immer untersagen zahlreiche Firmen, unabhängig von ihrer Größe, ihren Mitarbeitern, während der Arbeitszeit Facebook oder Twitter zu nutzen. Urchs nennt solche Dienste und die darin organisierten Communities hilfreich, etwa für das Direktmarketing. Mark Semmler von Security Services sprach über die mangelnde Sicherheit im Netz. Einfache Formen des Online Bankung mit TAN-Nummer hält Semmler für nicht sicher.


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