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Der Moschee-Konflikt braucht eine Wendung

Von Matthias Arning

Für Ignatz Bubis erhielt die Geschichte in späten Jahren durchaus anekdotische Züge. Dann amüsierte sich der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland darüber, dass man ihn bei einem Abendessen, das Bundespräsident Roman Herzog zu Ehren seines israelischen Amtskollegen Ezer Weizman gab, auf "seinen Präsidenten" ansprach und ausdrücklich versicherte, dieser, Weizman, habe wirklich eine ganz vortreffliche Tischrede gehalten. Bubis ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und setzte hinzu, Herr Herzog halte eigentlich stets gute Reden.

Man kann nicht behaupten, dass Menschen muslimischen Glaubens es gegenwärtig in Deutschland ähnlich witzig finden, wenn sie während hitziger Debatten auf Verhältnisse "in ihren Ländern" hingewiesen werden, dann allerdings eigentlich die Türkei gemeint ist oder auf den marrokanischen Herrscher angespielt wird. Besonders lustig finden sie es nicht, wenn sie in Augenblicken größter Aufregung versichern müssen, dass "ihr Land" ein demokratisches sei, gemeinhin als Republik gewürdigt werde, für garantierte Religionsfreiheit bekannt sei und meist unter dem Namen "Bundesrepublik Deutschland" international geführt werde.

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Die Lage ist angespannt. Obgleich es doch für einen Moment lang so aussah, als ließe sich der Moscheestreit in Frankfurt am Main perspektivisch weniger heftig als in Köln führen. Schließlich, darauf glaubte die Stadt am Main nach der Präsentation des Bauvorhabens in Hausen vor ein paar Wochen bestehen zu können, verorte man sich historisch doch in einer aufgeklärten Tradition, sei man nicht zufällig die erste Stadt in einer damals noch kleineren Bundesrepublik gewesen, die ein Amt für multikulturelle Angelegenheiten geschaffen hatte. Nach der zweiten öffentlichen Erörterung des Falls steht jegliche Gelassenheit dahin, hat man nicht mehr den Eindruck, als wollten sich die Bürger um ihrer selbst willen als souveränen Subjekte behaupten.

In diesem Augenblick geht es um eine Versachlichung der Debatte. Dazu muss man die Angst der Menschen im Stadtteil überaus ernst nehmen. Diese können ihrerseits mit Ernsthaftigkeit rechnen, wenn sie sich zumindest und grundsätzlich anhören, was der muslimische Verein in Hausen überhaupt dort vorhat. Und wenn sie sich nicht von Rattenfängern ins Bockshorn jagen lassen, sich also nicht von Populisten, die sich als Wahrer des Bürgersinns gerieren, von deren Interessenpolitik missbrauchen lassen. Diese Diskussion braucht nun unbedingt eine Verständigung über Grundsätzliches, um endlich zu einem rationalen Streit zurückkehren zu können. Dafür ist es wenig hilfreich, ständig die "schleichende Islamisierung" dieser Stadt zu beschwören. In dieser Kommune können auch in Zukunft verschiedene Religionen nebeneinander gedeihen - mit selbstbewussten Bürgern, die auch für ihren Glauben eintreten.


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Dokument erstellt am 19.09.2007 um 19:04:02 Uhr
Letzte Änderung am 20.09.2007 um 09:56:09 Uhr
Erscheinungsdatum 20.09.2007
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