Der Tag nach dem "Kreuzzug": Die junge Frau wählt das Wort bewusst. Noch immer ist sie geschockt von der Ortsbeiratssitzung in der Brotfabrik zur geplanten Moschee am Fischstein-Kreisel. Am Morgen danach steht sie am selben Ort, erschüttert von der offenen Feindseligkeit der aufgebrachten Menge, die Ünal Kaimakçi als Vertreter der bauwilligen Hazrat-Fatima-Gemeinde entgegenschlug. Erschüttert auch darüber, wie "unreflektiert" Nachrichten von islamistischen Terrorakten und der geplante Moscheebau in Hausen zur pauschalen Abwehrfront zusammengerührt würden.
"Für mich ist das gezielte Manipulation." Damals, sagt sie, als Serbien bombardiert wurde, seien auch ständig negative Berichte über Serben veröffentlicht worden. Die junge Frau ist Serbin. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sich muslimische Frauen jetzt hier fühlen müssen." Von der Moschee fühlt sie sich nicht bedroht: "Eher von den christlichen Fundamentalisten und Sekten, die es am Industriehof und in der Praunheimer Landstraße gibt - mit teils sehr fragwürdigem Gedankengut."
Der Tag danach. Im Stadtteil scheint der Alltag wie immer: Auf den Straßen kaum ein Auto, Tageseinkauf bei Rewe in Alt-Hausen, ein Kaffee im Stehen in der Konditorei Mantau, ein Plausch mit der Nachbarin auf der Gass'. Und doch ist seit Dienstag alles anders. "Die Emotionen mussten raus", sagt Jürgen Steinbach. Jetzt muss nichts mehr hinterm Berg bleiben.
Ja, er hat auf der Unterschriftenliste der Bürgerinitiative gegen den Moscheebau unterschrieben, sagt er. Weil er sich entmündigt fühlt im eigenen Land. Weil "die da" bauen könnten, ohne dass die Hausener gefragt würden. Weil ihn darüber die Wut packt und er überzeugt ist, dass doch was dran ist am Gerücht, das in Hausen die Runde macht: Dass sich Muslime über Generationen daran machen, den Islam zu verbreiten, bis am Ende ein Religionskrieg tobt.



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