stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Nachrichten
09. Februar 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Frankfurt

Moscheestreit

Angst macht Hausen feindselig

VON ANITA STRECKER

Der Tag nach dem "Kreuzzug": Die junge Frau wählt das Wort bewusst. Noch immer ist sie geschockt von der Ortsbeiratssitzung in der Brotfabrik zur geplanten Moschee am Fischstein-Kreisel. Am Morgen danach steht sie am selben Ort, erschüttert von der offenen Feindseligkeit der aufgebrachten Menge, die Ünal Kaimakçi als Vertreter der bauwilligen Hazrat-Fatima-Gemeinde entgegenschlug. Erschüttert auch darüber, wie "unreflektiert" Nachrichten von islamistischen Terrorakten und der geplante Moscheebau in Hausen zur pauschalen Abwehrfront zusammengerührt würden.

"Für mich ist das gezielte Manipulation." Damals, sagt sie, als Serbien bombardiert wurde, seien auch ständig negative Berichte über Serben veröffentlicht worden. Die junge Frau ist Serbin. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sich muslimische Frauen jetzt hier fühlen müssen." Von der Moschee fühlt sie sich nicht bedroht: "Eher von den christlichen Fundamentalisten und Sekten, die es am Industriehof und in der Praunheimer Landstraße gibt - mit teils sehr fragwürdigem Gedankengut."

Der Tag danach. Im Stadtteil scheint der Alltag wie immer: Auf den Straßen kaum ein Auto, Tageseinkauf bei Rewe in Alt-Hausen, ein Kaffee im Stehen in der Konditorei Mantau, ein Plausch mit der Nachbarin auf der Gass'. Und doch ist seit Dienstag alles anders. "Die Emotionen mussten raus", sagt Jürgen Steinbach. Jetzt muss nichts mehr hinterm Berg bleiben.

Mehr zum Thema
Hintergründe zum Streit um die geplante Moschee in Frankfurt-Hausen im Spezial.
Ja, er hat auf der Unterschriftenliste der Bürgerinitiative gegen den Moscheebau unterschrieben, sagt er. Weil er sich entmündigt fühlt im eigenen Land. Weil "die da" bauen könnten, ohne dass die Hausener gefragt würden. Weil ihn darüber die Wut packt und er überzeugt ist, dass doch was dran ist am Gerücht, das in Hausen die Runde macht: Dass sich Muslime über Generationen daran machen, den Islam zu verbreiten, bis am Ende ein Religionskrieg tobt.

"Man fühlt sich nicht mehr zu Hause, wenn noch mehr hierher kommen", sagt eine alte Frau und fügt den Satz hinzu, den hier alle sagen: Zwei Moscheen sind genug. "Die Leute haben Angst." Nur deshalb, sagt eine Geschäftsfrau, kochen die Emotionen im Stadtteil so hoch, dass den bauwilligen Muslimen von vornherein niemand zuhören mag. Angst vor islamistischem Terror, Angst vor Islamisierung, Angst vor "Überfremdung" und vor dem Unbekannten, der in die "alteingeschworene Stadtteilgemeinschaft" kommt. "Man hört einfach so viel Negatives in den Medien. Die gläubigen Muslime, die nur beten wollen, sind dann die Opfer." Sie steht dem Moschee-Projekt offen gegenüber: "So lange einfach nur gläubige Muslime darin beten wollen."

Lediglich hinter die Finanzierung des Drei-Millionen-Projekts setzt sie Fragezeichen: "Wie kann eine 500 Mitglieder starke Gemeinde ein solches Projekt finanzieren?" Dass das Geld dafür aus dem Ausland, von Schweizer Konten fließt, ist noch so ein Gerücht, das in Hausen beharrlich die Runde macht und die Angst vor islamischer "Unterwanderung" schürt.

"Es wird viel geschürt und Stimmung gegen die Moschee gemacht." Und das, sagt Integrationsdezernent Jean-Claude Diallo, nutzten NPD, Republikaner und BFF weidlich für sich aus. Das sieht auch Wolfgang Hennig so. Ein "Hetzblatt" der NPD hat er schon aus seinem Briefkasten im Hausener Brückenweg gefischt. Für die Debatte in der Brotfabrik hat er nur ein "fürchterlich" übrig. So übel wie die Gerüchte, die in Hausen erzählt würden: Dass das Brentanobad abgedeckt werden müsse, wenn Muslime nebenan einziehen "und lauter so 'nen Blödsinn". Die Muslime hätten ein Recht, zu bauen und sollten es von ihm aus auch tun. "In vier Jahren wird sich darüber garantiert kein Mensch mehr aufregen."


Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 19.09.2007 um 20:08:01 Uhr
Letzte Änderung am 20.09.2007 um 11:30:01 Uhr
Erscheinungsdatum 20.09.2007
FR-online.de interaktiv
Integration


Die Frankfurter Rundschau und die Stadt Frankfurt fragen: Wie stellen Sie sich Integration optimal vor?

Pfeil-SymbolDossier: Integration
Anzeige
Aus dem Gericht

Regionale Nachrichten
Regionalkarte

Aktuelle Nachrichten aus Ihrer Umgebung finden Sie am schnellsten über unsere Regionalkarte

Pfeil-SymbolZur Karte
Sonderveröffentlichung
Rhein-Main Umwelt

Energie ist nicht zu sehen. Doch sie hat viele Gesichter.

Pfeil-SymbolRhein-Main Umwelt
Hessenwetter
Anzeige
Stadtgeschichte
Stadtgeschichte: Frankfurt Story

FSV-Blog
Zum FSV Blog

Aktueller Beitrag:

FSV BlogZum Bornheimer Hang
Sponsored by Mainova




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®