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09. Februar 2010
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Moscheestreit

Immenses Unwissen

Wir sollten unsere freiheitlich demokratische Grundordnung verteidigen." Für den Hausener Ulrich Rügner ist das die zentrale Botschaft nach der Ortsbeiratssitzung zur geplanten Moschee am Industriehof. Rechtsextreme wie NPD oder Republikaner schürten kräftig gegen die Moschee und Muslime im Allgemeinen, um die Bürger für sich zu gewinnen.

Die Sitzung am Dienstag hat in weiten Kreisen der Stadt Bestürzung ausgelöst. Sie sei über die Redebeiträge entsetzt, sagte Helga Nagel, Leiterin des Amts für multikulturelle Angelegenheiten, am Tag danach. "Die Realitätsverleugnung ist so offensichtlich, es ist da so ein immenses Unwissen. Und es gibt für uns noch viel zu tun." Ünal Kaymakçi, Sprecher der bauwilligen Hazrat-Fatima-Gemeinde, musste sich unter anderem der Frage stellen, wie es denn in seiner Heimat um die Demokratie und die Situation der Christen stehe. "In meinem Land gibt es keine Probleme damit, ich bin hier zuhause", erklärte der 35-Jährige, der in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger ist. Er machte deutlich, dass es auch ihm unheimlich werde im Zusammenhang mit dem Bauprojekt: Wegen der feindlichen Stimmung gegen Muslime.

Wer sich auf Demokratie beziehe, müsse auch berücksichtigen, dass das Grundgesetz das Recht auf Religionsausübung garantiere. Mit dem Hinweis auf den Artikel 116 des Grundgesetzes reagierte Kaymakçi auf die Redner, die zu verstehen gaben, dass er nicht dazugehört. "Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit hat."

Der CDU-Stadtverordnete Patrick Schenk machte den Vorschlag, die Moschee statt am Fischstein-Kreisel auf dem Grundstück "In der Aue 14-16" zu bauen - in einem seit vielen Jahren von Autonomen besetzten Gebäude. Ein Vorschlag, den niemand im Saal ernst zu nehmen schien; wie auch die Sitzung insgesamt als "sinnlose Scheinveranstaltung" kritisiert wurde, weil ja die Bürger doch nicht mitzureden hätten. Die Moschee würde in jedem Fall gebaut.

Der CDU-Fraktionschef im Ortsbeirat, Oliver Kroneisen, beschuldigte Kaymakçi gar der Lüge. In Gesprächen mit dem Ortsbeirat seien Informationen vorenthalten worden - etwa über die Finanzierung des Projekts. Kaymakçi: "Ich nehme Ihnen diese Fragen persönlich sehr übel, das ist schlechter Stil, so kommen wir nicht weiter."

Kaymakçi und seine Mitstreiter wurden beschuldigt, sich der islamischen Täuschungstaktik (Takia) zu bedienen, um die Weltherrschaft des Islams durchzusetzen.

Der Stadtverordnete Wolfgang Hübner (BFF) wollte von Kaymakçi wissen, ob es sich bei dem Dialog um einen ergebnisoffenen handele oder bereits feststehe, dass die Moschee gebaut werde. Tatsächlich geht es Hübner um mehr als die Moschee in Hausen: Die Sitzung habe gezeigt, "dass die Ablehnung eines weiteren Moscheezentrums in Hausen nicht nur örtlich bedingte Motive hat wie die vermutete Überbelastung mit zentralen religiösen Einrichtungen. Vielmehr gibt es eine massive Abwehrreaktion gegen die Ausbreitung des Islam in Deutschland und ebenso weit verbreitete Ängste vor einer schleichenden Islamisierung von Gesellschaft, Kultur und Recht", so Hübner wörtlich. Mit dem Appell zum "Dialog" und zur "Toleranz" könne die "Schicksalsfrage", wie der Islam ein Teil der deutschen Gesellschaft wird, nicht beantwortet werden. Gleichzeitig warf Hübner Integrationsdezernent Jean-Claude Diallo vor, seinem Amt nicht gewachsen zu sein. Er nehme einseitige Interessen von Muslimen wahr, Sorge und Ängste der Kritiker vertrete er nicht. ana/top


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Dokument erstellt am 20.09.2007 um 00:00:08 Uhr
Letzte Änderung am 20.09.2007 um 11:30:21 Uhr
Erscheinungsdatum 20.09.2007 | Ausgabe: S
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