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Palmengarten

Blues und Bananen

Von Anna Lu

Die Hände sind grün, selten gelb und noch seltener rot. Sie haben 14 bis 20 Finger, wiegen mehrere Dutzend Kilo - und irgendwann, wenn die Zeit reif ist, kommt Uschi Bromm und sägt sie ab. So geschehen im Tropicarium des Palmengartens. Bromm, ihres Zeichens Gärtnerin im Monsun-Passat-Wald, hält in ihren Armen einen Blütenstand von 70 Bananen, schwer wie ein junges Schwein. Wir haben Mitte August: Es ist die Zeit der Bananenernte.

Und es ist auch, und das lastet fast ebenso schwer wie ein junges Schwein, der bisher heißeste Tag des Jahres. Die Luftfeuchtigkeit im Tropicarium liegt bei rund 80 Prozent, zwischen Mangobäumen und Papayastauden fließt der Schweiß in Strömen.

Neben den supermarktüblichen Obstbananen werden auch Kochbananen geerntet: "Sie sind von mehliger Konsistenz und ohne die übliche Süße", erklärt Obsthändler Franz Olbrich und gibt gleich einen Zubereitungstipp: "Angebraten mit Salz und Thymian schmecken sie ausgezeichnet."

Alles Banane
Eine der ältesten Kulturpflanzen ist die Banane: Seit Jahrtausenden weiß man um das samenlose, essbare Fruchtfleisch. Ursprünglich in Südostasien angesiedelt, gelangte die Banane schon in vorchristlicher Zeit nach Afrika, dann nach Amerika und von dort in alle Welt.

"Banan" kommt aus dem Arabischen und heißt "Finger". Bis zu 20 Bananen bilden eine Hand. An einer Bananenpflanze können rund 20 Hände wachsen. Nach drei bis vier Monaten werden die Bananen leicht unreif geerntet. Beim Nachreifen verstärkt sich ihr Aroma.

Weltgrößter Produzent ist heute Indien. Hauptimporteur sind die USA. In Deutschland ist sie das beliebteste Obst nach dem Apfel.

Man unterscheidet zwischen Koch- und Obstbananen. Während die Stärke in Obstbananen zu Zucker umgewandelt wird, schmecken Kochbananen eher wie Kartoffeln. In vielen Ländern sind sie ein Grundnahrungsmittel.

Und warum ist die Banane krumm?

Wenn die Blütendeckblätter abgefallen sind, strecken sich die Bananenfinger nach oben und wachsen dem Licht entgegen. Dadurch erhalten sie ihre charakteristische, leicht gebogene Form.
In meterhohen Stauden wachsen die Bananen im Tropicarium. Dabei bringt jede Pflanze drei Stauden hervor: eine große, eine mittlere und eine kleine - im Gärtnerjargon die Mutter, die Tochter und der Enkel. Eine Mutter ist im Tropicarium bereits gefallen, auch die Tochter holt es bald: Schließlich sterben Bananenpflanzen nach der Ernte ab.

Noch viel tragischer als diese instabilen Familienverhältnisse sind die Umstände, unter denen die Banane, mitgebracht aus Südostasien, in Amerika kultiviert wurde. In gewaltigen Plantagen wurde sie angebaut und geerntet von schwarzen Sklaven, denen man nichts ließ außer der Freiheit zu tanzen und zu singen - eine ausgesprochen dürftige Freiheit. In den daraus entstandenen Klageliedern liegen die frühesten Wurzeln des heutigen Blues.

Wer heute den Blues hat, muss nicht traurig sein, und wer heute noch dazu den Blues im Palmengarten hat, kann sich richtig glücklich schätzen.

Kühler ist es hier nun, aber noch immer ist die Luft so warm, wie es sich für die stolzen Temperaturen des Tages gehört. Auch die Bänke und Wiesen rund um den Musikpavillon sind so dicht belagert, wie es sich für ein Konzert dieser Klasse gehört: Zum alljährlichen Blues-Konzert des US-Generalkonsulats, des Palmengartens und der Frankfurter Rundschau sind rund tausend Zuhörer gekommen.

Unter ihnen befindet sich auch der designierte US-Generalkonsul Edward Alford, der sich, - noch bevor er am nächsten Mittwoch offiziell von Oberbürgermeisterin Petra Roth begrüßt wird - dieses Konzert gönnt. Immerhin handelt es sich dabei um deutsch-amerikanische Co-Produktion im schönsten Sinne: Sängerin Harriet Lewis kommt aus Pennsylvania , Schlagzeuger Tommie Harries aus Alabama und die vierköpfige Bluesnight Band aus Deutschland.

Dem Konzert haben sie den Titel "Sunny side up" gegeben. Die korrekte Übersetzung ins Deutsche lautet "Spiegelei". Und doch möchte man an einem so schönen Sommerabend im Palmengarten doch lieber frei übersetzen: Ein Hoch auf die Sonnenseite des Lebens!


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Dokument erstellt am 20.08.2009 um 20:03:07 Uhr
Letzte Änderung am 21.08.2009 um 12:17:05 Uhr
Erscheinungsdatum 21.08.2009 | Ausgabe: s
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