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Stadtumbau Hanau

Knackpunkt Freiheitsplatz

Von Pamela Dörhöfer

Nirgendwo hat sich so viel geändert wie am Freiheitsplatz. Das werden die Bürger einmal sagen, wenn die Hanauer Innenstadt in fünf bis zehn Jahren umgestaltet ist - das gilt aber auch jetzt bereits für die Entwürfe der Investoren des "Wettbewerblichen Dialogs".

Drei Monate hatten die Konkurrenten HBB, ECE und 3W Zeit, ihre vor einem Jahr erstmals vorgelegten Konzepte zu überarbeiten. Am Mittwoch wurden sie der Presse und dem Beirat aus Vertretern von Politik, Vereinen und Institutionen präsentiert. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gab sich begeistert: "Grandiose Arbeit" hätten die Bewerber geleistet und ihre Pläne "an vielen Stellen veredelt".

Nachgebessert haben die Investoren insbesondere beim Verkehr am Freiheitsplatz, der durch den Umbau stärker denn zum Knotenpunkt für Busse, Autos, Waren anliefernde Lastwagen und Fußgänger wird. Die Grundzüge ihres Konzepts verändern durften die drei indes nicht.

Der Wettbewerb
Seit Juni 2008 läuft der "Wettbewerbliche Dialog" in Hanau. Mit diesem neuen europaweiten Vergabeverfahren suchen die Verantwortlichen im Rathaus einen privaten Partner zur Umgestaltung der Hanauer Innenstadt.

Sieben Investoren hatten sich auf die Ausschreibung beworben. Sie sollten Entwürfe für eine Stadtentwicklung aus einem Guss präsentieren.

Das "Dialoggebiet" erstreckt sich entlang der fünf Plätze, die der Innenstadt den charakteristischen Grundriss geben: Schlossplatz, Altstädter Markt, Freiheitsplatz, Neustädter Markt und Wallonisch-Niederländische Kirche.

Wünsche der Stadt an die Investoren waren: Einzelhandel und eine neue Regelung des Busverkehrs am Freiheitsplatz, Ideen für ein Brüder-Grimm-Kulturzentrum und ein neuer Standort für die Bibliothek, eventuell ein Kino, mehr Gastronomie, ein Hotel am Schlossplatz sowie Wohnen rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche.

Im Frühjahr 2010 wird sich entscheiden, welcher Investor den Zuschlag bekommt. Baubeginn soll Ende 2010, Anfang 2011 sein.

Rund 200 Millionen Euro wird das Megaprojekt den privaten Partner der Stadt kosten. Die Kommune selbst will bis zu 30 Millionen Euro investieren. (pam)
Fotostrecke Fotostrecke: Vor dem großen Umbau

Der HBB-Entwurf ist besonders stark überarbeitet


Baulich am stärksten verändert hat sich der Entwurf der HBB. So überarbeiteten die Planer das Brüder-Grimm-Kulturzentrum am Schlossplatz stark: Das Kanzleigebäude bekommt sein ursprüngliches Mansardendach wieder, der angeschlossene Neubau eine geradlinige, moderne Architektur.

Die Tiefgaragen auf Schloss- und Freiheitsplatz fallen kleiner aus als anfänglich vorgesehen, hinter dem geplanten Kino an der Nordstraße entstehen keine neuen Wohnhäuser. Und beim dreiteiligen Gebäudekomplex auf dem Freiheitsplatz soll die Bibliothek im zweiten Obergeschoss des "Literaturquartiers" durch eine äußere Wendeltreppe auffällig zugänglich sein.

ECE bessert beim Brüder-Grimm-Zentrum nach


Die ECE hat den Grundriss des Brüder-Grimm-Kulturzentrums am Schlossplatz zu fünf gleichformatigen Gebäuden inklusive der integrierten historischen Kanzlei neu geordnet.

Auch auf dem Freiheitsplatz hat das Hamburger Unternehmen nachgebessert: bei den Flächen von Einkaufszentrum und Bibliothek, die sich nun über zwei Ebenen erstrecken soll. Um dem Eindruck einer geschlossenen Mall zu widersprechen, soll das Center an vielen Stellen von außen zugänglich sein.

3W will den Freiheitsplatz kleinteilig bebauen


Architektonisch nahezu unverändert bleibt dagegen der Entwurf von 3W: Die Holländer unterscheiden sich von der Konkurrenz vor allem darin, dass sie das Kulturzentrum nicht auf dem Schlossplatz, sondern in einem Kubus auf dem Freiheitsplatz unterbringen und letzteren insgesamt zwar stärker, dafür aber kleinteiliger bebauen wollen.

Wer am wenigsten den Geschmack der Entscheidungsträger getroffen hat, zeigt sich schon bald. Spätestens am 2. November muss sich der nächste Investor verabschieden. Die Entscheidung trifft der Magistrat nach den festgelegten Kriterien einer so genannten Bewertungsmatrix.

Aspekte sind unter anderem die Impulse für den lokalen Einzelhandel und die Stärkung der Stadt im regionalen Wettbewerb, die Lösungen für Kultur und Gastronomie, die Verbindung von Alt- und Neustadt, die Regelung des Verkehrs - und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit.

Es werde Zeit für die nächste Entscheidung, sagte der Oberbürgermeister; Wirtschaftsdezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP) sprach gar davon, sie sei fast "überfällig" - Anspielungen auf die zuletzt scharf geführte öffentliche Diskussion. Zwar betonten alle Investoren-Vertreter unisono, den Wettbewerb "sportlich" zu nehmen.

Im Gespräch mit der Presse hatte Kaminsky zuvor indes bereits geäußert, er kalkuliere ein, dass jeder ausgeschiedene Teilnehmer das Verfahren juristisch prüfen lassen werde; nach Angaben des Oberbürgermeisters hat jeder von ihnen bereits einen sechsstelligen Betrag investiert. Die konkreten Verhandlungen mit den zwei Finalisten wird am 7. Dezember das Parlament einläuten.
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Dokument erstellt am 22.10.2009 um 10:32:01 Uhr
Letzte Änderung am 22.10.2009 um 11:47:06 Uhr
Erscheinungsdatum 22.10.2009 | Ausgabe: r2no
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