Mit beißender Kritik hat der hessische Philologenverband (HPhV) den Vorschlag des Landkreistages kommentiert, Lehrer zu Angestellten der Kommunen zu machen und die Verantwortung für Schulentwicklung vom Land in die Hand der Städte und Kreise zu überführen.
Die nicht öffentliche Stellungnahme des HPhV, die der FR vorliegt, spricht den Verfassern des Strategiepapiers, das diese Forderungen enthält, jeden Bezug "zu den wirklich drängenden Problemen" ab; zudem wirft sie ihnen Versagen im eigenen Verantwortungsbereich vor.
Hausmeister und Mensen fehlen
So seien die Schulsekretariate größtenteils nicht ausreichend besetzt, es fehlten Hausmeister, Schulassistenten und Bibliothekare. Für die vom Landkreistag geforderte Erweiterung von Ganztagsangeboten fehlten an vielen Schulen eine Mensa, Arbeitsräume für Lehrkräfte sowie Ruhe-, Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Schüler. Auch dafür seien die Kreise und Städte als Schulträger verantwortlich.
Das Strategiepapier sei ein "gänzlich überflüssiges Elaborat, völlig substanzlos und eine "Kampfansage an die Lehrerinnen und Lehrer", schreibt Knud Dittmann, Vorsitzender des Philologenverbands, in dem die meisten hessischen Gymnasiallehrer organisiert sind. So seien nicht neue Strukturen erforderlich, sondern zusätzliche Ressourcen, um die Lehrkräfte zu entlasten, kleinere Klassen zu bilden und Schülerinnen und Schüler individuell fördern zu können.
Dittmann wirft dem Landkreistag zudem vor, den sich verschärfenden Lehrermangel nicht "ansatzweise in seiner Dramatik" zu erkennen und stattdessen über die "Sanktionierung von Lehrkräften zu schwadronieren". Wer seine "Ahnungslosigkeit von der Realität" in dieser Weise zu erkennen gebe, disqualifiziere sich für den weiteren bildungspolitischen Kurs, so der Philologenverband.
Der Landkreistag hat erst am Mittwoch durch den Anruf der FR von der Stellungnahme des Philologenverbands erfahren. Diese datiert vom 28. Oktober. Landkreistag-Direktor Gerrit Kaiser wollte die Kritik gestern nicht kommentieren. Ziel der Kreise sei es, durch die Übernahme der Verantwortung auch für die Lehrkräfte Bildung aus einer Hand zu finanzieren und die Zusammenarbeit von Schulen, Jugendhilfe, Kindertagesstätten und Kommunen zu verbessern.


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