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Frankfurter Flughafenausbau

Waldpartie mit Uniformierten

Von Jutta Rippegather

Der Kelsterbacher zuckt die Schultern: "Man kann ja doch nichts gegen die Staatsmacht ausrichten, das haben die Startbahnproteste doch gezeigt." Die neue Landebahn werde zwar mehr Lärm bringen, aber auch Arbeitsplätze. Deshalb sei es nicht verwerflich, dass Kelsterbach sich das Gelände dafür von Flughafenbetreiberin Fraport hat versilbern lassen. Nicht nur für ihn zählen erst die Jobs, dann die Lebensqualität: Der Kassiererin an der Tankstelle am Ortseingang fällt zum Flughafen als erstes ein, dass ihre vier Brüder dort ihr Geld verdienen. Ihr Kunde und dessen Ehefrau sind bei einer Luftgesellschaften in Lohn und Brot. "Sonst könnten wir uns unser schönes Haus nicht leisten."

Was ist ein tolles Haus wert, wenn jährlich 800.000 Flugzeuge über die Region hinwegdonnern, fragt Michael Wilk, Arzt und Sprecher der Bürgerinitiative Wiesbaden. Die Bevölkerung unterschätzte die Folgen für Herz, Kreislauf, Lunge. "Die wissen nicht was ihnen blüht", sagt er am Samstag am Rande der Demonstration im Kelsterbacher Wald. Per Megaphon mahnt er immer wieder zu Besonnenheit und Gewaltlosigkeit. Lässt aber auch nicht locker, als die Polizei mit ihrem riesigen Aufgebot sich den Demonstranten zwei Mal in den Weg stellt, um sie am Weitergehen in Richtung Hüttendorf zu hindern. In beiden Fällen gelingt es den Leuten von der Bürgerinitiative, eine Eskalation zu vermeiden. Das erste Mal ist seitens der Polizei von einem "Missverständnis" die Rede. Das zweite Mal dauert es eine Stunde, bis die Polizeikette sich öffnet, damit die Teilnehmer zum Abschluss das Camp der Waldbesetzer besuchen können.

Schon zu Beginn der Demonstration mit schätzungsweise 500 Teilnehmern – die Polizei spricht von 250 – wird ein Stück Zaun umgeworfen, mit dem Fraport beim Rodungsbeginn das Hüttendorf abgeriegelt hatte. Ein symbolischer Akt, meint eine junge Frau mit roter Clownsnase. Fraport verstoße gegen Menschenrechte. "Es ist illegal, Menschen einzusperren", sagt sie. Der Zaun nehme die Freiheit. Die Polizei nennt die Tat "Sachbeschädigung". Deshalb und wegen "Hausfriedensbruch" kommt es am Samstag zu sechs Festnahmen, nachzulesen im Polizeibericht. Das Gros der Demonstranten war auf das Rodungsgelände marschiert, zwei standen auf den Forstmaschinen, bevor sich eine dichte Kette Uniformierter vor den Geräten formierte.
Der Flughafen-Ausbau
Alles zum Streit um den Ausbau des Frankfurter Flughafens: das FR-Dossier. Mehr


Der Anblick gefällter Bäume macht viele traurig und wütend. "Ich will mit meinen Kindern auch noch in dem Wald spazieren gehen, in dem ich als Kind spazieren gegangen bin", ruft ein Mann ins Mikrofon. Jürgen (47) merkt selbstkritisch an, dass er sich zu spät dem Protest angeschlossen hat. Er habe sich viel zu sehr auf die Lokalpolitik verlassen. "Ich war zu blauäugig", sagt der Rüsselsheimer. Ärgerlich sei es, dass Kelsterbach sich von Fraport kaufen lasse und die anderen Umlandkommunen damit verrate.

Sven (48) zweifelt an der Unabhängigkeit der Justiz. Wie konnten die Verwaltungsrichter grünes Licht für die Rodung erteilen, bevor die Entscheidung im Hauptsacheverfahren gefallen sind, fragt er. Die Bürgerinteressen würden von Gerichten und Politik mit Füßen getreten. Fraport habe der Öffentlichkeit mit ihrem medizinischen Lärmgutachten Sand in die Augen gestreut, sagt der Biologe aus Frankfurt, der als Einwender erfolglos versucht hatte, den Ausbau zu verhindern.

Für die französische Klettermeisterin Cécile Lecomte ist das keine Frage: Der Widerstand dürfe nicht nachlassen – weil er auch symbolisch sei. Mit acht weiteren Campbewohnern ist die 27-Jährige am Freitag von der Polizei in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie Rodungsmaschinen besetzt hatten. Stundenlang waren sie im Polizeiauto eingesperrt. Céciles Fuß wurde in der Zellentür gequetscht, während sie einen Rechtsbeistand forderte. Seitdem geht sie auf Krücken. Sonntagmorgen werden weiter acht Camper verhaftet. Sie wollten die Jagd auf die Waldtiere verhindern.
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Dokument erstellt am 24.01.2009 um 19:09:47 Uhr
Letzte Änderung am 25.01.2009 um 16:06:51 Uhr
Erscheinungsdatum 24.01.2009
Kommentare
1. Der Naturzerstörung muss Einhalt geboten werden
Natürlich ist der VGH für seinen voreiligen Beschluss zu kritisieren. Ich glaube aber nicht, dass im Hauptsacheverfahren wirklich mit einer
konträren Entscheidung - sprich Ausbauverbot - zu rechnen ist. Leider fehlt m.E. sowohl den Politikern als auch den Richtern die Fähigkeit einen Blick in die Zukunft zu werfen. Sie sollten sich mal die Natur vor 100 Jahren,vor 50 Jahren und vor 25 Jahren vor Augen führen und dann mal überlegen, welche Ideen sie für die Zukunft haben, um dem beschleunigten Raubbau an der Natur und den Klimawandel zu stoppen, und künftigen Generationen eine lebenswerte Welt mit Wäldern, Pflanzen und Tieren zu hinterlassen. Hier bleiben sie eine Antwort schuldig, obgleich sie die Verantwortung tragen.
Ob sie je zur Rechenschaft gezogen werden können bleibt fraglich.



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2. wieso voreilig eine Prüfung nach Fakten
Ein Gericht stellt nicht die Maßstäbe sonder kann nur nach Recht und Gesetz urteilen.
Und wenn der VGH in Kassel die Erfolgsausicht der Einsprüche nach den vorgegebenen Gesetzen geprüft hat dann kann eben niemand sagen es sei voreilig.

In einem Rechtsstaat sind die Regeln und Gesetze die bestehen maßgeblich und selbst wenn es einer Mehrheit zuwider sein mag ein Gericht ist eben an Gesetze gebunden.
Das gilt übrigens für jede Beton Fläche auch die Erweiterung von Wohnsiedlungen um Frankfurt oder auch ein Fundament für Windmühlen.



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3. Ockel aus dem Amt enrfernen!
In Kelsterbach macht die Information die Runde, dass Bürgermeister Ockel sowohl seinen Magistrat als auch die Stadtverordnetenversammlung hintergangen und mit dem Fraport-Deal vor vollendete Tatsachen gestellt hat: Niemand der Damen und Herren aus MAgisrtat und Stadtverordnetenversammlung wusste, dass er mit der Fraport verhandelte und als er es dem Magistrat sagen musste, platzte die Bombe unter dem Tagesordnungspunkt "Verschiedenes". Am nächsten Tag gab's dann die Pressekonferenz. Ob einem solchen Bürgermeister in Zukunft noch zu trauen ist, darüber entscheide jeder selbst.



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4. Hier so, da so ...
In Zeiten von Klimaschutz und Rezession ist es doch eigentlich mehr als fraglich, ob man NOCH mehr Flughafen braucht und ob man dafür 250 Hektar ausgewachsenen und damit CO2 verbrauchenden Waldes schlachten muss. Aber wenn man ganz ganz viele Arbeitsplätze schaffen kann, ist das ja egal.

In diesem Zusammenhang wird aus der ach-so-tollen Umweltzone, mit der ja die Einwohner (nicht jedoch Messebesucher, wie nett!) gegängelt werden - der eine, weil er die 100 Euro für die Ausnahmegenehmigung nicht hat, der andere, weil er 5 Euro für einen dämlichen Aufkleber bezahlen muss -, doch nichts weiter als ein schäbiger Witz. Was glauben unsere werten Politiker denn, wo das CO2 von den zusätzlichen Starts und Landungen bleibt!? Und machen Flugzeuge eigentlich keinen Feinstaub?



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5. Der Mensch (zer-)stört
Mehr als moralische Unterstützung kann ich den Baumaktivisten in Frankfurt nicht zusagen. Ich habe in meiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr mit der Bürgerinitiative gegen die Zerstörung eines Parkdenkmals lange und heftig gekämpft. Allen Protesten und dem Bürgerbegehren zum Trotz wurde inzwischen 3/4 des Bestandes gefällt; insgesamt sollen es über 100 Bäume werden; viele darunter über 100 Jahre alt.
Zweck der brachialen Abholzung: eine Marina, ein Hafenbecken für Freizeitkapitäne und massive Bebauung der gehobenen Klasse!

Der Bürger steht ohnmächtig davor - die regierende Macht kapiert es nie!



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