Zwei Monate nach dem Neonazi-Überfall auf ein linkes Jugendcamp in Nordhessen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den mutmaßlichen Haupttäter erhoben. Versuchter Mord wird Kevin S. allerdings anscheinend nicht mehr vorgeworfen - obwohl der bekennende rechtsextreme Aktivist eine schlafende 13-Jährige mit einem Klappspaten geschlagen und schwer verletzt haben soll.
Das Verfahren gegen den 19-Jährigen wird vor dem Jugendschöffengericht in Fritzlar geführt, wie das dortige Amtsgericht auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mitteilte. Bei einer Anklage wegen versuchten Mordes oder Totschlags wäre das Landgericht in Kassel zuständig.
Die Kasseler Staatsanwaltschaft will sich zum Inhalt der Anklage erst in den nächsten Tagen äußern. Es ist jedoch anzunehmen, dass Kevin S. nur noch gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt wird. Sollte er nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, droht ihm trotzdem das Höchstmaß von zehn Jahren Jugendstrafe. Wenn er als Erwachsener behandelt wird, könnte das Schöffengericht dagegen maximal vier Jahre Gefängnis verhängen.
In Gießen haben am Montagabend rund 250 Menschen gegen rechte Umtriebe demonstriert. Anlass war der Überfall mutmaßlicher Rechtsextremer auf eine 18-Jährige vor einer Woche. Nach Polizeiangaben war die Punkerin von einer Gruppe kahlgeschorener Männer in Bomberjacken und Springerstiefeln beleidigt, geschlagen und getreten worden.

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