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Frankfurter Flughafenausbau

Verraten und verkauft

VON MADELEINE RECKMANN

Verraten und verkauft. So fühlt sich der Kelsterbacher Reinhold Hörner in diesen Tagen. Von Fraport, Bürgermeister Manfred Ockel, der hessischen Politik, den Gerichten. "Ockel hätte bis zur Hauptverhandlung durchhalten müssen", sagt Hörner. Und erst danach dem Verkauf des Kelsterbacher Waldes zustimmen sollen.

Ohnehin habe sich die Stadt beim Kaufpreis über den Tisch ziehen lassen, glaubt er. 32 Millionen. Zu wenig. Für den im Eckpunktepapier der Stadt und Fraport genannten Schallschutz reiche das Geld nicht, glaubt er. Hörner ist Maschinenbauingenieur in Altersteilzeit. Hat früher bei Opel gearbeitet. Rund 600 Wohneinheiten hat er im Viertel Am Hasenpfad gezählt. Die für den dortigen Schallschutz vorgesehenen 15 Millionen Euro seien zu wenig für neue Fenster und Fassadendämmung für alle, rechnet er vor.

Flieger lassen Tore scheppern



Frankfurter Flughafen
Alles über den geplanten Flughafenausbau im Dossier: Wächst der Flughafen weiter?
Hörners Haus in der Berliner Straße im Viertel Am Hasenpfad liegt rund 750 Meter von der geplanten Nordwestbahn entfernt. Die Startbahn-West ist 2,5 Kilometer weit weg, die eine Landebahn etwa genauso weit, die andere etwas weiter. Bei bestimmten Wetterlagen lassen startende Flieger das Garagentor scheppern. Ist die neue Bahn erst da, befürchtet Hörner, werde er nicht mehr auf seiner Terrasse sitzen können. Er werde es dort nicht mehr aushalten. Der nahe gelegene Wald, wo er gerne spazieren ging, wird gerade gerodet, damit die Bahn gebaut werden kann. Das Häuschen, in dem drei Personen leben, hat er liebevoll eingerichtet und dekoriert. Weiße Möbel und griechische Fresken an apricotfarbenen Wänden verbreiten einen mediterranen Flair. "Der Wertverlust des Hauses ist enorm", beklagt Hörner.

Was hat er nicht alles versucht, um den Flughafenausbau zu verhindern? Der 59-Jährige gehört zu den Privatleuten, die im Klageverein "Institut zur Abwehr von Gesundheitsgefahren durch Lärm" klagen. Er war oft Gast im Regionalen Dialogforum, um die Verantwortlichen auf seine Bedenken aufmerksam zu machen. Er schreibt Briefe an den Wirtschaftsminister und den Ministerpräsidenten. Oft erhält er keine Antwort. Ob er bitter geworden sei? Darauf antwortet er nicht.

Auf dem Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren in Offenbach forderte er, die Bewohner des Viertels Am Hasenpfad umzusiedeln, falls sie dies wünschen. "Wir haben ein erhöhtes Absturzrisiko, mehr Schadstoffe, Lärm und eine verminderte Lebensqualität." Hörner würde sofort umziehen, obwohl er in Kelsterbach geboren und verwurzelt ist. Vielleicht nach Kelkheim, oder in eine ruhigere Kelsterbacher Gegend. Vom Bürgermeister fordert er, die Vergrößerung der Schallschutzmauer am Beginn der Startbahn-West in den Vertrag der Stadt mit Fraport aufzunehmen. Darin solle auch stehen, dass Piloten nicht mit Schubumkehr bremsen dürfen. Denn das verursache für 20 Sekunden einen Höllenlärm.

Hörner ist ein ordentlicher Mensch. Die Entwicklung des Flughafens hat er sauber dokumentiert. Er kennt die Airport-Vergangenheit und glaubt die Zukunft zu kennen: Fraport, sagt Hörner, kaufe die städtischen Grundstücke Im Taubengrund, um dort ein Terminal zu bauen.

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Dokument erstellt am 29.01.2009 um 16:20:02 Uhr
Letzte Änderung am 04.02.2009 um 07:15:31 Uhr
Erscheinungsdatum 30.01.2009
Kommentare
1. Moloch Flughafen
Herr Hörner hat natürlich recht - aber ebenso wird er seit Jahren wissen, dass er sich dafür buchstäblich nichts kaufen kann. Gut, ein Bürgermeister Engisch hätte diesen miesen Deal mit Fraport nicht gemacht. Doch, was bleibt?

Bilanz ziehen, eine Auszeit gönnen - und wahrscheinlich dann doch wegziehen. Der Wertverlust der Immobilie steht irgendwann in keinem Verhältnis mehr zur Beeinträchtigung der eigenen Gesundheit. Ein Ausgleichsfonds sollte her - auch wenn das jetzt noch utopisch klingt. Man kann dem Mann jedenfalls nur Glück wünschen.



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2. Flughafenausbau
Es wäre interessant gewesen zu erfahren, wann sich denn dieser Herr sein Haus gebaut/gekauft hat. Dies dürfte so vor ca. 30 Jahren gewesen sein. Viele Umlandgemeinden haben damals die Bau- und Siedlungswilligen mit billigem Bauland, hohen Subventionen, Arbeitsplätzen und natürlich der Nähe zum Flugplatz gelockt. Seinerzeit hätte man erahnen können, dass es nicht beim Bau der 18W bleibt. Aber Geiz war auch damals schon geil. Jetzt, wo die absehbare Entwicklung eintritt, zu meckern, ist absurd. Solche eigenen Fehlentscheidungen sollte man jetzt auch als "Mann" ertragen.



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3. Mainstream
Aha, Lao K - die Flughafenbetreiberin Fraport, deren Gelände immer mehr Fläche planiert und an die umliegenden Ortschaften heranrückt, ist völlig unschuldig, schuld haben die Anrainer - frei nach dem Motto: wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Es gab da mal einen hessischen Ministerpräsidenten, der gab sein Wort, dass der Flughafen nach der Startbahn West nicht weiter ausgebaut würde. Schon vergessen? Hat halt so mancher geglaubt. Interessiert Sie nicht, nehme ich an. Wer im Mainstream schwimmt hat keinen Blick für die Außenwelt.



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4. Lao K
Dem Schreiber merkt man an, dass er von der Vergangenheit null Ahnung besitzt. 1965 beantragt die FAG die Startbahn West.1984 wurde die Bahn für den Betrieb geöffnet. Die damalige Regierung (Börner) versprach keine weiteren Bahnen zu genehmigen. Politiker?
Nun wird versucht in Egelsbach auch eine verlängerte Bahn zu bauen, mit allen Auswüchsen wie man es langsam kennt. Dazu werden die US-Amerikaner in Wiesbaden auch noch eine Bahn bauen. Schätzen wir uns in Hessen doch glücklich soviel Fluglärm zu bekommen. Dem Schreiber empfehle ich, doch in diesen Bereich seinen Wohnsitz zu verlegen.



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5. Antwort an Lao K.
An unbekannter Person Lao K.
Ich hatte mein Grundstück mitten in Kelsterbach, musste es aber abgeben weil das Gelände für die Gesamtschule benötigte wurde. Somit bekam ich mein Grundstück im Wohngebiet Hasenpfad.Ich habe im Jahr 1979 nur dorthin gebaut weil mir die damalige FAG (heute Fraport) schriftlich zugesichert hatte keine weitere Start -oder Landebahn nach der Startbahn West. Zusätzlich existiert ein Nachbarschaftvertrag zwischen der Stadt Kelsterbach und FAG von 1968 der aus Gesundheitsgründen den Bannwald festschreibt und zusätzlich die Lärmschutzmauer (mehrere km lang ca. 15m hoch.) Ausserdem gibt es eine schriftliche Ausssage von der FAG kein Wohngebiet näher als 2000m zum Flughafen. Sonst hätte ich nicht gebaut. Lao K. rufen Sie mich bitte an. Reinhold Hörner 06107 5826



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