Den Christen, besonders den evangelischen, wird gern nachgesagt, sie seien ernst und humorlos. Fröhlich sein - wozu die erste Strophe des wohl bekanntesten Osterlieds auffordert - scheint nicht ins Repertoire zu gehören. Vom Lachen ganz zu schweigen.
So weit die Vorurteile. Denn es geht auch anders. Das wollen am Sonntag Pfarrerin Patrizia Pascalis und ihr Team in der Offenbacher Schlosskirche beweisen. "Wir wollen die Leute zum Lachen bringe", beschreibt die Pfarrerin das erklärte Ziel. Grundsätzlich geht es in jedem Ostergottesdienst um Freude - darüber, dass Jesus den Tod besiegt hat, dass er auferstanden ist.
Pascalis greift dazu auf eine Tradition aus dem Mittelalter zurück: das Osterlachen, das mit der lateinischen Bezeichnung "Risus Pascalis" sozusagen ein Verwandter von ihr ist. Damals, so wird berichtet, rissen Pfarrer am Ostersonntag Witze, oft schlüpfrige, und machten Possen, um die Gläubigen zum Lachen zu bringen. Die katholische Kirche gibt auf ihrer Internetseite eine Überlieferung weiter: Am Ostersonntag 1518 rannte der Geistliche des Münsters in Basel auf allen Vieren, quiekend wie ein Schwein, durch die Kirche.
Also nicht leise, innerliche Freude oder ein sanftes Lächeln auf den Lippen waren gefragt. Sondern richtig herzhaftes Lachen. Nach sieben Wochen Fastenzeit und der Trauer des Karfreitags sollen die Gläubigen befreit lachen.
Das Befreiende ist auch das, was Patrizia Pascalis am Osterlachen interessiert. Es ist nicht nur die Freude über die Auferstehung Jesu, an die die Christen glauben. "Eigentlich geht es immer darum, den Tod auszulachen", sagt sie und zitiert ein weiteres Kirchenlied: "O, Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle?" Denn wenn man über etwas lacht, "dann ist die Macht gebrochen".
Dabei sieht die Pfarrerin den Tod auch im übertragenen Sinn für das, woran Menschen in ihrem Leben verzweifeln oder scheitern. Das will sie nicht bagatellisieren Doch das Lachen kann auch einen Abstand bringen.
Sie verrät noch nicht, wie sie die Besucher zum Lachen bringen will. Fröhliche Elemente bietet der Gottesdienst: Frühstück in der Kirche, Musik mit der Gruppe Saitensprung, muslimische Gäste. Und eines der muntersten Kirchenlieder: "Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit."
Gottesdienst mit Osterlachen;
Sonntag, 12. April, 11-13 Uhr in der Schlosskirche, Arthur-Zitscher-Straße 11.

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