Dem Gynäkologen Helmut Sedlaczek wurde die medizinische Laufbahn nicht in die Wiege gelegt. Dass er es dennoch geschafft hat, Oberarzt und Leiter der Pränatalmedizin und Geburtshilfe am Klinikum Offenbach zu werden, verdankt er unter anderem der Theodor-Heuss-Schule.
Da sein Vater schwer krank war und sein frühes Ende kommen sah, nahm er den Sohn vom Gymnasium. Er sollte eine kaufmännische Ausbildung machen anstatt Abitur, um nach seinem Tod die Mutter zu ernähren. Sedlaczek gehorchte und absolvierte zunächst eine Lehre zum Werbekaufmann bei Neckermann und ging zur Bundeswehr.
Doch sein Traum, Medizin zu studieren, blieb. Nach dem Tod des Vaters verfolgte er mit dem Einverständnis der Mutter sein Ziel, Arzt zu werden. Die Rudolf-Koch-Schule, die er vorher besucht hatte, konnte ihn aber wegen Überfüllung nicht aufnehmen. Sedlaczek wandte sich an die Theodor-Heuss-Schule.
"Ich bin dem damaligen Schulleiter Gerhard Bautz sehr dankbar, dass er mir eine Chance gegeben hat", erzählt Sedlaczek. Nach einer Aufnahmeprüfung konnte er 1969 nach vier oder fünf Jahren Pause wieder die Schulbank drücken.
Vor der Schule trug er Zeitungen aus
Er kam im Alter von 23 Jahren in die elfte Klasse. Die anderen Schüler waren erst 16. Sedlaczek fuhr frühmorgens Zeitungen aus, und die Mutter ging putzen, damit die kleine Familie über die Runden kam. Außerdem erhielt er BAföG. In dieser Zeit spielte er zudem Schlagzeug und sang in der Band "Merlin´s fantasy farm".
Der Altersunterschied zu seinen Mitschülern sei kein Problem gewesen, erinnert sich der Mediziner. "Ich bin mit ihnen gut klar gekommen." Das muss wohl wahr sein. Er heiratete seine Klassenkameradin Monika, mit der er noch heute zusammen ist und zwei erwachsene Kinder hat. Da Sedlaczek bereits wusste, was er im Leben erreichen wollte, büffelte er ordentlich und schaffte 1972 den Numerus clausus für Medizin.
"Mein Klassenlehrer Schoppe hat mich sehr gefördert", sagt Sedlaczek. Er konnte sofort in Frankfurt sein Studium beginnen. Seit 1979 arbeitet er im Klinikum Offenbach, wurde 1984 Oberarzt. Später baute er das Pränatalzentrum auf, wo vorgeburtliche Fehlentwicklungen diagnostiziert werden. Etwa 15.000 Babys hat er seitdem auf die Welt geholfen.


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