Bei Familie Welker stehen die Zeichen auf Wahlkampf. Vier Tage lang haben der Bürgermeisterkandidat Helge Welker und seine beiden Söhne Lars und Steffen Plakate beklebt und beschriftet. Nun geht es ans Aufhängen. Gemeinsam mit dem 17-jährigen Lars und seinem Freund und Unterstützer Peter Ringel ist der Rosbacher an diesem frühen Nachmittag auf der Frankfurter Straße unterwegs.
Dass die Plakate selbst gestaltet sind, ist weniger Welkers künstlerischer Ader geschuldet, als viel mehr seiner finanziellen Situation. Der 49-Jährige ist seit einigen Jahren arbeitslos und bezieht Hartz-IV. Neben dem 17-jährigen Lars wohnt auch noch der 18-jährige Steffen bei seinem Vater. Zusammen leben sie von "knapp 1000 Euro" im Monat, sagt Welker.
Ein Wahlkampf darf da nicht viel kosten. "Maximal 500 Euro" wolle er ausgeben, sagt der Kandidat. Dabei handelt es sich überwiegend um Spenden. So hat ihm der ebenfalls parteilose Peter Ringel, mit dem er gemeinsam vor mehr als einem Jahr Die Linke verließ, 100 Euro gestiftet. Weitere 160 Euro seien von seiner Frau gekommen, sagt Ringel. "Eine Privatperson" habe Welker noch 200 Euro gegeben, berichten die beiden, während sie nach geeigneten Laternenpfählen für Welkers Plakate Ausschau halten.
"Die anderen Parteien haben Geld, ich habe Ideen", sagt Welker selbstbewusst, während er sich daran macht, die unhandliche Holzplatte mit seinen Parolen zu befestigen. In der Tat hat der 49-Jährige eine Bandbreite an Sprüchen und Slogans, die größer ist als die seiner vier Konkurrenten zusammen.
Da heißt es etwa "Bad Vilbels Bürger die sind schlau - Hier gibt´s keinen Niddabrückenbau". Welkers Plakate zeichnen sich rein optisch dadurch aus, dass sie alle mit bunten Filzstiften beschriftet sind und kein Bild des Kandidaten zu sehen ist. Vermutlich hätte das sein Budget gesprengt. Doch Welker sagt trotzig: "Was nützt ein schöner Kopf, wenn nichts drin ist." Klar, dass er das in leicht abgewandelter Form zu einem Wahlkampfspruch gemacht hat.
In provokanter Manier hängt er diese Plakate dann über diejenigen seiner Konkurrenten. Er selbst hat seine Plakate mit "Welker." versehen. "Das ist mein Brand." Ob dieses Erkennungszeichen allein reicht, um ihm bei der Wahl am 21. Februar viele Stimmen zu sichern, scheint auch er selbst nicht zu glauben. "Ich gehe von mehr als drei Prozent aus, es können auch fünf werden. Oder es passiert was ganz Verrücktes." Was das sein könnte, lässt er offen.
"Er weiß, was er will"
Insgesamt 150 Plakate hat Welker gemeinsam mit seinen beiden Söhnen in mühevoller Heimarbeit fabriziert. Dazu mussten sie die Holzplatten mit einem weißen Papier bekleben, beschriften und zum schnelleren Trocknen von der Wohnung im zweiten Stock in den Heizkeller schleppen. "Es war kein Vergnügen", sagt Lars rückblickend. Der junge Mann ist dennoch von der Mission seines Vaters überzeugt. "Ich find´s cool, weil er Ahnung hat und weiß, was er will."


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