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Nach Bohrunfall

Wiesbaden unter Wasser

Weste, schwarze Anzughose in gelben Gummistiefeln - so gekleidet sah sich Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) gestern den Schaden vor seinem Ministerium an. In der Nacht war es hei Probebohrungen nach Erdwärme zu einem Unfall in der Friedrich-Ebert-Allee gekommen: Arbeiter stachen versehentlich in 130 Meter Tiefe eine Blase auf, kaltes Wasser schoss aus dem Boden - bis zu sieben Meter hoch, 6000 Liter in der Minute.

Noch nachmittags sprudelten 40 Liter die Minute aus dem Boden. In der Nacht hatten rund 60 Feuerwehrleute das Loch mit Beton gefüllt, um es zu versiegeln. Tagsüber ließ das Ministerium schwere Gerätschaft auffahren, wie Sprecher Michael Scherer schilderte. Ein Spezialbohrer grub sich etwa 150 Meter in die Erde, um das Loch von unten mit Beton zu verschließen. Die Arbeiten dauerten bis zum späten Freitagabend noch an. Zeitweilig kam das Wasser auch aus anderen Löchern auf das Gelände, das völlig verschlammt war. Einmal freigesetzt, suchte das Wasser den Weg nach oben, wie Weimar erklärte.

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Durch das Schließen war ein neues Problem entstanden: Der Beton floss zusammen mit dem Wasser in die Kanalisation. Die festen Stücke drohten Schaden an den Kläranlagen anzurichten. Das hätten die Arbeiter mit einer "Wasser-Kaskade" in den Griff bekommen, berichtete Michael Scherer. Sie verhinderte, dass die schweren Betonstücke in den Boden sickern.

Den Schaden könne derzeit niemand einschätzen, erklärte Scherer. Weimar betonte aber: Die Kostenfrage spiele keine Rolle. "Die Ingenieure sagen, was getan werden muss, das wird dann auch getan." Die beteiligten Kräfte arbeiteten gut zusammen. Trotz der gewaltigen Wassermassen seien weder im Ministerium noch in einem benachbarten Hotel Schäden bekannt; auch verletzt wurde niemand.

Anlass für die Probebohrungen, die zum Unfall führten, war die Erweiterung des Finanzministeriums. Der Neubau soll ein "Passivhaus" werden, eines, das mindestens so viel Energie erzeugt, wie es verbraucht. Zum Heizen war Erdwärme, die so genannte Geothermie vorgesehen. "Es handelte sich um einen Response-Test, bei dem Bodenbeschaffenheit und Wärmeleitfähgkeit überprüft werden sollten", sagte der Geschäftsführer der Terrra Therm Erdwärme, Jürgen Winter. Sie hatte die Probebohrungen durchgeführt - dies deshalb, weil laut Winter die Geologie und die Hydrologie vor Ort unbekannt waren. Mit dem Grundwasser in 130 Meter Tiefe habe das Team nicht gerechnet.

Ob Geothermie in Wiesbaden nun weiter in Frage kommt, müsse noch in Ruhe geklärt werden, meinte Scherer; das sei derzeit nicht absehbar.
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Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2010
Dokument erstellt am 06.11.2009 um 07:20:32 Uhr
Letzte Änderung am 06.11.2009 um 21:43:22 Uhr
Erscheinungsdatum 06.11.2009
Kommentare
1. Vorbildlich ins Desaster
Die Natur ist komplex, und wenn man sich im Dunklen ahnungslos vorantastet, kann man auch abstürzen. Beispiel Staufen: Hier schlidderte die Stadt "Vorbildlich ins Desaster", wie nachrichten.t-online.de am 16.11.2008 titelte: "Mit Erdwärme wollte man das Rathaus im südbadischen Staufen heizen", heute hebt sich in der historischen Altstadt "eine etwa 300 mal 300 Meter große Fläche" monatlich um 1 Zentimeter. "Als Ursache werden Bohrungen zur Erdwärmegewinnung unter dem Rathaus im September 2007 vermutet", so RP-Online. Und da war doch noch Nachterstedt. Auch hier Eingriff in die Geologie mit katastrophalen Folgen. Da kann man nur Dieter Nuhr variieren: Wenn man von etwas keine Ahnung hat, einfach mal Füße still halten.



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2. ?
Versiegt die Quelle in naher Zukunft eigentlich? Oder bleibt das jetzt erst mal so?



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3. Alternativlinge
Der Untergrund ist ja oft ein Sammelsurium geologischer Formationen, mit Erdwärmebohrungen bekommt man einen Schweizer Käse dann.
Dringt Wasser in eine Gipsschicht ein, quillt die auf.
Und in Wiesbaden war Druck im Untergrund, und wenn der dann fehlt jetzt, können ja Setzungen langfristig nun entstehen.

Die alternativen Zauberlehrlinge werden sich noch wundern mit der Geothermie, nur weil das jetzt gerade die neue Energie-Mode ist nach dem Ausstiegsbeschluß von Rot-Grün.
Aber auch deren Bäume wachsen nicht in den Himmel, die die doch angeblich ach so problemlosen "regenerativen alternativen Energien" jetzt immer so hochjubelten.



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4. \
Naja, das ist ja keine Überraschung, wenn ein Politiker sagt: "Kosten spielen keine Rolle" ... das sind wir ja von unseren Politikern gewohnt weil sie stets das Geld fremder Leuter ausgeben, die allerdings in der Regel hart dafür arbeiten mussten, dass sie von den Politikern bis zur Schmerzgrenze ausgeplündert werden ... Ich würde mich schämen, meinen "Kunden" das Geld aus der Tasche zu ziehen und dann zu prahlen: "KOSTEN SPIELEN KEINE ROLLE". pfui.



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5. seltsames Triumpfgeheule
Was ist den konkret passiert? Ein Parkplatzt wurde teilweise überschwemmt. Wiesbaden steht nicht (komplett) unter Wasser, liebe FR!

Es ist auch nicht angemessen, von Desaster zu sprechen und auch Staufen wird nicht von einer Katastrophe heimgesucht. Katastrophen sehen anders aus.

Ein anderer sieht gar Zusammenhänge zum Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie. Dabei ging es nur um eine Probebohrung für eine geplante Wärmepumpe. Hier treibt die ideologische Fixierung Blüten.

Der nächste stört sich am Satz das Kosten keine Rolle spielen sollen. Es ist nur folgerichtig, den Einsatzkräften Rückendeckung zu geben, damit nicht gekausert wird aus Angst vor der Frage, wer am Ende die Einsatzkosten trägt.



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