Erschöpfung, Wein und Wehmut: FR-Autor Claus Jürgen Göpfert berichtet über die letzten Stunden der Buchmesse 2011.
Positives Fazit auf der Frankfurter Buchmesse 2011.
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Positives Fazit auf der Frankfurter Buchmesse 2011.
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Zum letzten Mal. Zum letzten Mal hinaus auf den großen Balkon der Halle 3. Hier saugen die übriggebliebenen Raucher, manchmal mit zitternden Händen, an ihrer Zigarette. Hier wird, gerade zum romantischen Sonnenuntergang, so manche Flasche Wein entkorkt – und ausgetrunken. Hier arbeitet die Nachrichtenbörse der Frankfurter Buchmesse, ist zu erfahren, wer in welchem Verlag auf der Kippe steht und wer überhaupt mit wem....
Von hier oben bietet sich der beste Blick über das wimmelnde Geschehen dort unten auf der Agora, dem Marktplatz des Messegeländes. Aber jetzt, am Sonntagnachmittag, sind die Warteschlangen vor den Ständen mit Kaffee, Bratwurst, Pizza, deutlich kürzer als noch 24 Stunden zuvor. Und selbst auf den Gängen der Halle 3, wo man samstags nur geschoben und gequetscht wurde, wo Passagen zeitweise wegen Überfüllung gesperrt werden mussten, lässt sich jetzt flanieren.
Die letzten, die blauen Stunden der Buchmesse haben begonnen. Klar, die Witzbolde wissen natürlich, woher dieser Name kommt und weisen auf die vielen gefüllten Becher und Gläser an den Ständen. Mancher Verlags-Repräsentant hängt nur noch glasigen Auges auf seinem Hockerchen – jetzt rächen sich die Nächte ohne Schlaf, die Tage mit unendlich viel Gequassel. Aber in den blauen Stunden liegt immer auch ein Hauch Wehmut in der Luft. Beim Picus Verlag aus Wien singen sie leise alte Heurigen-Lieder. Gelächter. Buchmessen-Veteranen erzählen jetzt wieder ihre schönsten Geschichten: „1979 bin ich mit dem Unseld wirklich aneinandergeraten....“
Die blauen Stunden sind auch die Zeit der Bilanz. Als Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne den FR-Stand besucht, bringt sie die jüngste Zahl mit: Die Messe wird ihre Besuchermarke von 280 000 im Jahre 2010 um mindestens ein Prozent übertreffen. Alle sind sich einig: Der Ehrengast-Auftritt von Island war der beste seit langem. „Ich frage mich nur eines: Wann kommt ihr wieder?“, so Buchmessen-Direktor Juergen Boos an die Adresse der isländischen Gäste.
Die Promis der Buchmesse
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Der Außenminister ließ sich auch blicken. Hier debattiert er euphorisch mit dem isländischen Staatspräsidenten Olafur Ragnar Grimsson. Bei solchen Aufnahmen müssen wir unweigerlich an den Spaß-Guido denken. Er hat es damals so gewollt!
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"Mister Tagesthemen" Ulrich Wickert spricht bei einer Pressekonferenz des Verlages Hoffmann und Campe über sein neuerschienenes Buch "Redet Geld, schweigt die Welt".
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Als ehemaliger Bundesfinanzminister dürfte er sich mit Streichen und Strichen ganz gut auskennen: Peer Steinbrück (SPD). Sein Buch nannte er "Unterm Strich". Er war übrigens auch persönlich da.
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Schauspieler, Sänger und natürlich Autor: Peter Kraus posiert bei einem Foto-Shooting.
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Schauspielerin Gudrun Landgrebe diskutierte auf der ARD-Bühne.
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Moderatorin Miriam Pielhau und Michael Lesch präsentierten das Springer-Werk "Das Krebs-Buch".
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Er schrieb "Im Clinch. Die Geschichte meiner Filme". Fatih Akin, lächelt auf der 63. Buchmesse in Frankfurt am Main auf dem Blauen Sofa des ZDF.
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Starköchin Sarah Wiener kennt sich in ihrem neuen Österreich-Kochbuch mit "Herdhelden" aus.
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Jan Vetter alias Farin Urlaub stellt sein Buch "Indien und Bhutan" vor.
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Filmemacherin Doris Dörrie spricht im sogenannten Lesezelt über ihr im Diogenes Verlag erschienenes Buch "Alles inklusive".
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Rupert Everett am Rande einer All-Media-Konferenz zum Filmprojekt "The Happy Prince", einem Werk über die letzten Jahre des irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Er reiste aus Großbritannien an.
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Und eine darf natürlich nicht fehlen: Skandal-Autorin Charlotte Roche.
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Worüber sie hier wohl wieder spricht?
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Fangen wir mit ihr an - dann haben wir es hinter uns. TV-Sternchen Daniela Katzenberger spazierte natürlich auch über die Frankfurter Buchmesse. Sie stellte ihr Buch "Sei schlau, stell dich dumm" vor. Was sie uns darin wohl verraten wird?
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Rundgang über die Buchmesse
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Rundgang über die Buchmesse
Diesjähriges Gastland ist Island. Dessen Präsident Grimsson hier mit seiner Gattin Dorrit Moussaieff und Westerwelle im Gespräch ist.
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Der Fokus der Messe liegt klar auf der Hand: Es geht um das Lesen. Doch geht es dabei um mehr als nur Büchern. Buchmenschen müssten multimedial denken. Daran erinnern auch die vielen multimedialen Installationen auf der Messe.
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Literatur im Wandel der Zeit: Das Hörbuch hat sich als neues Buchmedium bereits völlig etabliert.
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Neben Büchern finden auch extravagante Dinge Platz auf der Buchmesse - hier zum Beispiel ein hoffentlich lecker gefüllter Adventskalender für Hunde.
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Im Audi-Forum, beim diesjährigen Partner der Buchmesse, finden Kunstwerke Platz.
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Altbekanntes wird neu präsentiert - wie hier die Mode der Beatles.
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Besonders aufwändig präsentiert sich Gastland Island.
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Die Atmosphäre im Island-Forum lädt zum Schmökern ein - immerhin sieht man im Hintergrund überdimensionierte Menschen in ebenso überdimensionierten Sesseln lesen.
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Doch das Island-Forum präsentiert auch die Natur des Landes.
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Taschenbuch-Verlag dtv steckt zum Jubiläum Menschen in die Tasche - allerdings nur solche aus Pappe.
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Video-Installation im Island-Forum.
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Auf und durch Worte laufen.
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Manch einer versucht, so viel wie möglich von dem Kunstwerk zu lesen.
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Natürlich findet auch das Thema Natur einen Platz auf der Messe - schön inszeniert mit gemalten Pflanzen.
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Die Frankfurter Buchmesse kann auch lecker: Kochbücher von Johann Lafer, Horst Lichter und vielen anderen stehen bereit.
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Sogar ein Stapel des "DDR-Kochbuchs" findet sich hier.
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Der Ravensburger Verlag weist auf die 3D-Verfilmung von "Wickie und die starken Männer" hin
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Auf der Buchmesse spielen Peer Steinbrück und Helmut Schmidt auf einer Installation Schach.
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Sogar die Biografie des jüngst verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs ist auf der Messe erhältlich.
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Zurück im Island-Forum zeigt sich die feurige Seite des Landes: Auf einer Videoinstallation bricht ein Vulkan aus.
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Die Fachbesucher stöbern unterdessen durch das breite Angebot der Verlage...
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Bei den 7384 Aussteller aus rund 100 Ländern gibt es viel zu entdecken...
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... und Zeit zum Schmöckern findet sich allemal zwischendurch.
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Ob bombastische Fotoimpressionen...
... kunterbunte Kalender...
... farbenprächtige Buchrücken...
... oder schlichte Präsentation...
Auf der Frankfurter Buchmesse 2011 ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Es folgen weitere Eindrücke vom ersten Rundgang auf der Buchmesse.
Feierlich eröffnen Außenminister Guido Westerwelle und der isländische Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson die Frankfurter Buchmesse 2011.
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Katja Böhne findet ein ziemlich gewagtes Bild: „Die Isländer haben ihre Herzen aufgerissen und sie uns bedingungslos entgegengeworfen....“ Der frühere Buchmessen-Sprecher Holger Ehling urteilt: „Die Isländer haben nicht geklotzt, sondern ihr begrenztes Budget sehr intelligent genutzt.“ Halldór Gudmundsson, Direktor von „Sagenhaftes Island“, sagt schlicht: „Alle unsere Erwartungen und Hoffnungen sind übertroffen worden.“ Währenddessen schleppen Besucher in überquellenden Stoffbeuteln und riesigen Papiertüten ihre Beute weg. Denn die blauen Stunden sind auch die Zeit, in der an den Ständen frei verkauft wird. Nicht nur Bücher, auch CDs, Plakate, Hörbücher, Kalender gehen weg wie nichts. „Die Kassen rattern“, sagt Böhne. Gerade kommt auf den Fluren die Frage auf: Wann sieht man sich? Die meisten peilen nicht die Buchmesse im Oktober 2012, sondern den 15. März an: Da öffnet die nächste Bücherschau in der Partnerstadt Leipzig.
Überall in den Gängen stapeln sich leere Kartons und Verpackungsmaterial. Die großen Themen dieser Messe sind diskutiert, die intellektuellen Debatten gelaufen. „Bereicherung“, glaubt Katja Böhne, sei „das Schlagwort“ gewesen, der „extreme Facettenreichtum“ der Branche, die jungen Unternehmen, die ihre Premiere erlebten, die „self-publisher“, die ohne Verlag veröffentlichten. Doch jeder nimmt seine Erinnerungen, seine schönsten Momente mit von der größten Bücherschau der Welt – bis zum nächsten Mal.