Boris Becker hat er vor Jahren schon einmal den Eintritt verwehrt: Der Tennisstar bat damals in Sportschuhen um einen Drink. Und „Panik-Udo“ Lindenberg ist der Einzige, der in Jimmy’s Bar den Hut aufbehalten darf. Denn Barchef Andres Amador legt viel Wert auf Stil. Die Leute sollen sich wohlfühlen, wenn sie nach einem langen Tag die Treppen zu dem kleinen Raum im Keller des Hotels Hessischer Hof hinuntersteigen und es sich dort in den bequemen Ledersesseln gemütlich machen. Das Arbeiten am Computer ist ebenso unerwünscht wie lange Telefonate mit dem Handy.
Dafür erwartet die Gäste die typische Atmosphäre einer klassischen Bar − mit Zutaten von höchster Qualität, leiser Klaviermusik und der Möglichkeit, eine anständige Havanna zu rauchen. „Wir wollen keine In-Bar sein“, sagt Amador, „denn was in ist, ist irgendwann mal out.“
Die Gefahr scheint im Reich des 57-Jährigen nicht gegeben. Die seit 1951 bestehende Bar floriert zu allen Jahreszeiten. Doch die Buchmesse, sagt der gebürtige Spanier, sei „die beste Woche des Jahres“. Nicht allein wegen des Umsatzes, sondern auch „vom Feeling her“. Verleger, Autoren und andere Vertreter der Literaturszene verbreiteten eine ganz andere Stimmung als die sonst hier verkehrenden Werber und Broker. „Die Leute wissen einfach, was eine Bar ist.“
Ganz so ausgelassen wie einst gehe es seit fünf bis sieben Jahren allerdings auch nicht mehr zu. Damals, so Amador, sei ein fester Kreis von etwa 20 Verlegern immer wieder bei ihm eingekehrt. „Die kannten sich alle untereinander“ und feierten feuchtfröhlich. „Als großer Verleger musste man damals trinken können“ − ohne Rücksicht auf die spätere Rechnung. Die sei oft erst am letzten Tag bezahlt worden − nicht jedoch, bevor alle gemeinsam zum Abschluss noch ein paar Flaschen Dom Pérignon geköpft hätten.
Doch die Stammgäste von damals haben ihre Verlage mittlerweile verkauft. Nun walteten Geschäftsführer über das knapp bemessene Budget. Autoren, denen ihre Verlage früher mehrere Übernachtungen bezahlten, würden nun am Tag ihrer Ankunft wieder nach Hause geschickt.
„Positiv Verrückte“ gebe es bei der Buchmesse aber auch heute noch zuhauf. Dennoch habe sich der Zeitgeist gewandelt, sagt Amador: „Saufen ist nicht mehr schick.“ Und er selbst muss nach 36 Jahren in Jimmy’s Bar Kompromisse eingehen: Der Chef der Cocktails und Spitzenweine lässt die Durstigen, die an seiner Tür klingeln, mittlerweile auch in Jeans, Polo-Shirt und sogar Sneakers herein.
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Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist von Mittwoch, 12., bis Freitag, 14. Oktober für das Fachpublikum geöffnet. Am Wochenende sind auch Privatbesucher willkommen.
Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr (Sonntag nur bis 17.30 Uhr).
Preise: zwischen zehn Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 40 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 15 Euro fällig.
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