Literatur über den Holocaust steht jetzt erstmals in einer umfassenden Sammlung auch auf Arabisch und Persisch zur Verfügung. Das Pariser Autorenforum Aladdin Project stellte am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse die 18-bändige Dokumentation in beiden Sprachen vor. Dazu gehören auch das „Tagebuch der Anne Frank“ und die Übersetzung des zuerst 1985 erschienenen Begleitbands zum Film „Shoah“ des französischen Regisseurs Claude Lanzmann. „Die Dokumentation soll die im arabischen Raum oft bestürzende Unwissenheit über jüdische Geschichte bekämpfen“, betonte Aladdin-Präsidentin Anne-Marie Revcolevschi.
Das internationale Aladdin Project steht unter der Schirmherrschaft der UNESCO. Der zu dem Zusammenschluss gehörende marokkanische Universitätsprofessor und Schriftsteller Abdou Ansary sagte: „Diese neuartige Dokumentation richtet sich gegen Ignoranz, nicht nur auf einer Hochschule.“ Geschichte betreffe immer alle Menschen, nicht irgendwelche anderen. „Bei uns gab es bisher fast keine Bücher, die von der Judenverfolgung in Deutschland authentisch erzählen“, fügte Ansary hinzu.
Anne Franks Tagebuch zensiert
Alle Bände der Dokumentation liegen gedruckt vor, können seit Donnerstag aber auch von der Aladdin-Homepage projetaladin.org kostenlos heruntergeladen werden. „Wir suchen in Nordafrika und im Iran noch Vertriebswege, denn das gedruckte Buch ist nicht zu ersetzen“, sagte Revcolevschi. Das 1947 auf Niederländisch erstmals erschienene „Tagebuch der Anne Frank“ sei im arabischen Raum bisher nur in Teilen als Raubkopie oder in zensierter Fassung erhältlich gewesen, erklärte die Aladdin-Präsidentin.
Erstmals auf Arabisch und Persisch (Farsi) liegt nun auch die 1993 erschienene Dokumentation „Hitler und die Juden“ des Genfer Geschichtsprofessors Philippe Burrin vor. „In beiden Sprachen gab es bisher fast nur billig gemachte Bücher über Hitler“, sagte Revcolevschi. Oft genug sei darin der Holocaust sogar geleugnet worden. „Für die Annäherung zwischen Juden und Arabern ist Geschichtswissen aber Voraussetzung“, begründete die Aladdin-Präsidentin die Herausgabe der Dokumentation.
Klarsfeld fordert Unterstützung
Die Journalistin und Aladdin-Mitarbeiterin Beate Klarsfeld kritisierte auf der Buchmesse mangelnde finanzielle Unterstützung aus Deutschland für die Dokumentation. „Geld kam vom französischen Außenministerium, nicht aber vom Berliner Auswärtigen Amt“, monierte sie. „Bis in die 1970er-Jahre hinein führten Altnazis im Auswärtigen Amt den Dialog mit der arabischen Welt“, beklagte Klarsfeld. Auch deswegen sei Deutschland verpflichtet, das Aladdin Project zu unterstützen.
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Preise: zwischen zehn Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 40 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 15 Euro fällig.
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