Die flüsternden Stimmen in der Dunkelheit. Der Mann, der unter dem Sternenhimmel über das Wasser zu wandern scheint. Und dabei die Vergangenheit beschwört: „Lange, bevor es die Bücher gab, gab es die Geschichten“. Ein bleicher Mond schickt sein Licht herab auf die Besucher. Noch einmal, zum letzten Mal, entfaltet der Pavillon des Ehrengastes Neuseeland bei der Frankfurter Buchmesse am Sonntag seine Magie.
Es ist ein Abschied. Am Nachmittag reicht Neuseeland die Gastrolle der Buchmesse an Brasilien weiter, den Ehrengast des Jahres 2013.
Zur Verabschiedung aus Frankfurt tritt im Pavillon Alan Duff auf, der vielleicht bekannteste neuseeländische Autor der Gegenwart. „Es ist wunderbar, dass man mich eingeladen hat“, sagt der 62-jährige Sohn eines Europäers und einer Maori. Auf der kleinen Tribüne am Rande sitzen die Menschen gebannt lauschend, als Duff von seiner schwierigen Jugend als einem von sechs Kindern einer gewalttätigen Mutter erzählt. Er wurde geschlagen und schlug irgendwann zurück. „Ich war ein böser Junge“, lächelt Duff. Mit 15 verließ er die Schule, er landete im Jugendgefängnis und erst das Schreiben brachte ein wenig Stabilität in sein Leben.
Der Extrembergsteiger Reinhold Messner schreibt Autogramme und signiert Bücher.
Foto: Peter Jülich„Als ich aufwuchs, gab es in allen Häusern der Maori keine Bücher“, erinnert sich der Schriftsteller. In seinem Bestseller „Once were warriors“ hat er seine Jugend und das schwierige Leben der Urbevölkerung Neuseelands verarbeitet. Doch als er zu schreiben begann, hat er es verborgen, aus Angst, verspottet zu werden: „Ich war damals Trainer einer Rugby-Mannschaft und Neuseeland ist ein sehr physisches Land.“
Heute führt Duff eine Stiftung, die jährlich 700 000 Bücher an Jugendliche in Neuseeland verteilt, nicht nur an Maori.
Mit 68 Autoren und 100 Künstlern, darunter auch Star-Köchen, konnte der Inselstaat in Frankfurt den größten Auftritt seiner Kultur im Ausland feiern. Fünf Millionen Neuseeland-Dollar ließ sich das Land die Präsentation kosten (ein Neuseeland-Dollar entspricht 0,637 Euro).
Das ungleich größere Brasilien, der Ehrengast des nächsten Jahres, will unter dem Motto „Brazil in Every Word“ auch ungleich mehr investieren.
Über 2013 hinaus, nämlich bis zum Jahr 2020, sollen 35 Millionen US-Dollar in ausländische Übersetzungen brasilianischer Belletristik und Sachbücher fließen. Allein bis zum nächsten Jahr sollen 250 Bücher ins Deutsche übertragen werden. Bis zu 80 brasilianische Schriftstellerinnen und Schriftsteller werden in Frankfurt erwartet.
Buchmessen-Direktor Juergen Boos kann es nicht lassen, einen Bogen vom Frankfurter Dichter-Fürst Goethe bis zum südamerikanischen Kontinent zu spannen. Goethe, sagt Boos, habe stets nach Brasilien reisen wollen, es sei ihm aber nie gelungen. Dafür habe ihm eine Hängematte gehört, die in Brasilien geflochten worden sei.
Sie tragen bunte Perücken, schrille Kostüme oder selbst gemachte Röcke aus Joghurt-Bechern – und wollen möglichst so aussehen, wie ihr großes Film-Idol. Sehen und gesehen werden, fotografieren und fotografiert werden: Das ist das Wichtigste für diese Kids auf der Frankfurter Buchmesse.
Cosplay heißt der Verkleidungstrend, bei dem es darum geht, einen Charakter aus einem Film oder einem Comic möglichst originalgetreu darzustellen. Cosplay gab es zuerst bei der Frühjahrsbuchmesse in Leipzig, wo es die Besucherzahlen nach oben trieb. Dann zog die Frankfurter Buchmesse vor Jahren nach.
Am Frankfurter Auftritt brasilianischer Kunst und Kultur im nächsten Jahr wollen sich bisher 14 Frankfurter Institutionen beteiligen, darunter das Museum für Moderne Kunst, die Kunsthalle Schirn, das städtische Künstlerhaus Mousonturm. Aber auch zeitgenössisches Kino des südamerikanischen Landes wird zu sehen sein.
Brasilien war im Jahre 1994 schon einmal Ehrengast der Buchmesse. Seither habe sich das Land jedoch sehr verändert, argumentiert Buchmessen-Direktor Juergen Boos.
Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu ist Träger des Friedenspreises 2012. In der Frankfurter Paulskirche nahm er die Auszeichnung entgegen.
Foto: dpaBei der Frankfurter Buchmesse 2012 präsentieren über 7000 Aussteller ihre Produkte. Ehrengast ist in diesem Jahr Neuseeland. Das Spezial.
Messetage: Die Frankfurter Buchmesse ist von Mittwoch, 10., bis Freitag, 12. Oktober 2012 für das Fachpublikum geöffnet. Am 13. und 14. Oktober 2012 sind auch Privatbesucher willkommen.
Öffnungszeiten: 8 bis 18.30 Uhr (Sonntag nur bis 17.30 Uhr).
Preise: zwischen zehn Euro für eine Tageskarte (Privatbesucher, ermäßigt mit RMV-Ticket) bis zu 44 Euro für Fachbesucher am Kassenverkauf. Für eine nichtermäßigte Tageskarte für Privatbesucher sind 16 Euro fällig.
Das Literatur.Magazin widmet sich den Autoren, die das erste Mal von sich reden machen - und zeigt, was lesenswert ist. Das Spezial.