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Buchmesse: Frankfurter Buchmesse eröffnet

„Das Buch muss sich den neuen Medien öffnen, sonst stirbt es aus" - Frankfurts OB Petra Roth spricht während der Eröffnung aus, was die Buchmesse dieses Jahr prägen könnte: die neuen Distributionskanäle.

Guido Westerwelle (links) und der isländische Präsident Olafur Ragnar Grimsson während der Eröffnunsfeier der Buchmesse.
Guido Westerwelle (links) und der isländische Präsident Olafur Ragnar Grimsson während der Eröffnunsfeier der Buchmesse.
Foto: dpa

Im Maritim-Hotel an der Messe wird schon längst englisch geredet und intellektuell durch schwarze Hornbrillen geguckt, als der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels die 63. Frankfurter Buchmesse offiziell eröffnet. Verehrte Exzellenzen, sehr geehrter Herr Präsident des Ehrengastes Island, lieber Herr Außenminister, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, meine Damen und Herren, heißt es feierlich, während in den Messehallen noch gebohrt wird.

Richtig glamourös wirkt die Veranstaltung nicht, obwohl auch der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth und der Ehrenbürger Friedrich von Metzler artig Platz genommen haben. Aber Frankfurt wäre eben nicht Frankfurt, wenn hier nicht erst einmal bodenständig und den Tatsachen ins Auge blickend argumentiert würde, statt blumige Worte zu finden: „Das Buch muss sich den neuen Medien öffnen, sonst stirbt es aus,“ stellt Petra Roth sachlich und mit tiefer Stimme fest. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin bringt das Unbehagen auf den Punkt, dass vielen älteren Referenten in Bezug auf Neue Medien anzumerken ist. Ja, wir brauchen neue Distributionskanäle, aber eigentlich ist uns das sinnliche Papier doch behaglicher, und den Piraten möchten wir in Bezug auf geistiges Eigentum auch nicht so gerne zustimmen, so der Grundtenor.

Obenrum- vs. Untenrum-Träger

Dann gilt es auch noch, sich in Bezug auf die neuen Medien zu entscheiden: Es gibt die Obenrum-Träger und die Untenrum-Träger. Während der isländische Präsident und Petra Roth es bevorzugen, ihren Kopfhörer lässig um das Kinn herum baumeln zu lassen, trägt der Außenminister seine Kopfhörer lieber obenrum, um den Worten des isländischen Schriftstellers Arnaldur Indriðason zu lauschen. Der zieht das braune Kordjackett den Schlipsen seiner deutschen Kollegen vor und erzählt in freundlicher Manier vom Glauben seines Volkes an das geschriebene Wort. So tut es ihm auch die isländische Schriftstellerin Guðrún Eva Mínervudóttir nach, die augenzwinkernd eine primitive Gesellschaft von Bauern und Jägern zeichnet, die nichts von Wirtschaft versteht, aber trotzdem jährlich mehr Bücher als die meisten anderen Europäer kaufen. Sie gehört zu jenen Rednern, die der alten Zeit nicht hinterher trauern, sondern sich darüber freuen, mehr als je zuvor ein Teil dieser Welt geworden zu sein.

Diese Steilvorlage lässt Außenminister nicht unverstrichen: „Wir sind gemeinsam hier Europäer“, stellt Westerwelle fest, bevor er vor Stolz auf die deutsche Kulturnation immer lauter wird. Der Außenminister rast verbal durch Bankenkrise, „das große China“ und die Menschenrechte, bevor er Island die deutsche Unterstützung für sein Streben in die Europäische Union zusichert. Umso kurioser wirken als Kontrast die Worte des isländischen Präsidenten Ólafur Ragnar Grímsson, der es mit seinen Fjorden und Hügeln lieber ruhig angehen lässt.
Und trotz der eher formalen Veranstaltung macht sich eine Vorfreude breit auf das, was da kommen wird in den nächsten fünf Tagen. Auf eine Zeit, in der freundliche Isländer mit europäischen Deutschen und bodenständigen Frankfurtern einen Wein trinken werden. Oder zwei.

Autor:  Grete Götze
Datum:  11 | 10 | 2011
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